Solide Statik des Seidel-Saals zahlt sich aus
Jörg Hegemann tobt auf dem Klavier

Das Jörg Hegemann Trio mit Hegemann am Piano, Dirk Engelmeyer am Schlagzeug und Matthias Klüter am Bass brachte mit atemberaubenden Boogie-Woogie den Seidelsaal zum Kochen. Bild: cog
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
01.03.2016
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Der Seidel-Saal ist für schwere Druckmaschinen gebaut. Seine solide Statik war auch nötig, als das Jörg Hegemann Trio das Haus mit Boogie-Woogie zum Toben brachte.

Oft ist das Oberpfälzer Publikum eher lethargisch und schwer zu begeistern. Hier aber war es vom ersten Ton an mit voller Begeisterung dabei und folgte den drei Musikern vom Rotlichtviertel in New Orleans über verruchte Bars in Kansas und Chicago bis zu großen Konzerten in der Carnegie Hall durch die Geschichte dieser mitreißenden Musik.

Von Staus nicht zu bremsen


Dabei hätte alles schiefgehen können. Angekündigt war das Boogie-Trio mit Reinhard "Django" Kroll am Kontrabass und Jan Freund als Schlagzeuger. Letztes Jahr ist Kroll gestorben, so dass Hegemann mit einer anderen Rhythmusgruppe kam. Und dann stand die Band auf der Anreise in jedem Stau, den die deutschen Autobahnen am Freitag zu bieten hatten. Hegemann und seine Kollegen hätten müde sein können und erschöpft. Aber sobald sie die Bühne betraten und zu spielen anfingen, war aller Stress vergessen.

Dirk Engelmeyer zauberte am Schlagzeug und Matthias Klüter an einem wunderbaren Zupfbass. Hegemann tobte auf dem Klavier, dass er umzukippen schien. Das Instrument war total offen, die ganze Mechanik freigelegt. So konnte man die tollkühnen Akkorde nicht nur hören, sondern auch sehen. Hegemann spielte mit vollem Körpereinsatz und wilder Lust.

Der Musiker war bald aus der Puste. Keuchend erklärte er zwischen den Stücken die Geschichte seiner Lieblingsmusik, die so auch zur Lieblingsmusik des Publikums wurde. Er erzählte viele Anekdoten aus der Entstehungszeit des Boogie und vor allem über Albert Ammons, den genialen Boogie-Komponisten und Pianisten. Viele seiner Stücke wie "You are my sunshine" oder "Shout for joy" machen jetzt genauso viel Spaß wie in ihrer Entstehungszeit.

Blues zum Verschnaufen


Gelegentlich spielte das Trio einen Blues zum Verschnaufen. Das war zwar langsamer, aber nicht weniger intensiv. Vor allem, wenn Engelmeyer auch noch sang, lief den Zuhörern eine Gänsehaut den Rücken herunter. Seine Stimme ist wie für Blues gemacht. Meist sang er am Schlagzeug mit Mikrofon, aber inspiriert von der guten Akustik stand er auf und lief durch den Saal. Unverstärkt und dadurch noch direkter ging sein Gesang ins Blut.

Die Krönung waren die phantastischen Soli, mit denen jeder der drei eine persönliche Note, seine ganz eigenen Glanzlichter setzte. Hegemann, Engelmeyer und Klüter spielten die Musik nicht einfach, sie lebten sie mit allen Fasern ihres Seins. Das Publikum tobte, rief, pfiff.

Die Musiker ließen sich nicht lange bitten und spielten noch drei wunderbare Zugaben. Es war ein tolles Konzert, und das Beste: Das Jörg Hegemann Trio wird schon nächstes Jahr wiederkommen!
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