SRIMF-Abschlusskonzert in Sulzbach-Rosenberg
Singende Töne zum großen Finale

Mit einem großen Abschlusskonzert endete das diesjährige SRIMF-Festival in der Sulzbach-Rosenberger Christuskirche. Bild: Hartl
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
16.08.2016
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Michail Iwanowitsch Glinka gilt als Begründer des russischen Stils und komponierte als erster volkstümliche Opern mit russischem Libretto. Sein Werk "Ruslan und Ljudmilla" eröffnet das SRIMF-Abschlusskonzert in Sulzbach-Rosenberg - und sorgt für Überraschungen.

Glinkas Ouvertüre ist leichtfüßig und tänzerisch, fast ein wenig burlesk. Dirigent Dorian Keilhack dirigiert sehr expressiv, mit vollem Körpereinsatz und reißt beim Abschlusskonzert des 11. Sulzbach-Rosenberg International Music Festivals (SRIMF) in der Christuskirche das Ensemble richtig mit.

Nach überraschendem und flottem Einstieg erwartet die Zuhörer bei Edward Elgars Cellokonzert op. 85 schwere Kost. Bekannt ist von diesem Komponisten vor allem "Pomp and Circumstance", das alljährlich das letzte Promenadenkonzert in der Royal-Albert-Hall beendet und von den Briten mit Flaggen und Kostümen gefeiert wird.

Düsterer Abgesang


Das Cellokonzert hingegen, 1919 uraufgeführt, ist ein düsterer Abgesang auf das britische Empire und Schlusspunkt von Elgars künstlerischem Schaffen. Die ersten fünf Takte, in denen das Cello fast solistisch spielt, nur begleitet von ein paar Violinen im Pianissimo, stellen ein immer wiederkehrendes Leitmotiv des Konzerts vor. Hier zeigt der Solist, Festivalleiter Misha Quint, sein dramatisches Talent. Bei den ersten Klängen drischt er mit dem Bogen geradezu auf sein Cello ein, um dann im weiteren Verlauf wieder seinen berühmten singenden Ton zu finden.

Das Orchester spielt mit extremer Dynamik: In einem Augenblick krachende Tutti, im nächsten Augenblick ist es so leise, dass Quints gezupftes Cello ganz im Vordergrund steht. Und die sehr stark besetzten Blechbläser beherrschen auch das Pianissimo. Da das Stück kaum Pausen für den Solisten enthält, ist Quint, der wie immer auswendig und meist mit geschlossenen Augen spielt, praktisch ständig im Einsatz. Elgar fordert die gesamte Bandbreite des Celloklangs - vom breiten Basston bis zum violinartigen Flageolett und vom sanften Singen bis zum hektischen Zupfen. Gerade an den leisen Stellen intoniert Quint sehr schön im Zusammenspiel mit den teilweise solistischen Orchesterstimmen.

Der zweite Teil des Abends steht ganz im Zeichen von Jean Sibelius. Er war der Komponist des nationalen Erwachens der Finnen, und sein populärstes Stück ist "Finlandia" op. 26. Keilhack widmet dieses Stück den Terroropfern in aller Welt. Die beste Antwort auf Aggression sei Musik, stellt er fest. Schon in den ersten Takten überrollt der mächtige Bläserklang die Zuhörer. Das Orchester spielt das rhythmisch anspruchsvolle Stück sehr präzise und in perfektem Zusammenklang. Liebliche Holzbläser-Passagen wechseln sich ab mit grollendem Paukendonner. Beeindruckend! Auch Sibelius' 2. Sinfonie op. 43, deren letzte zwei Sätze gespielt werden, erfreut mit fülligem orchestralen Wohlklang. Wunderbar sind die klaren Blechbläser und die kräftigen Kontrabässe, berückend der Klang der Oboen. Die schwierigen Synkopen im 4. Satz meistern die Bläser nach anfänglicher Unsicherheit sehr gut. Nach dem grandiosen Finale gibt es stehende Ovationen für Dirigent und Orchester.

Präzise Perkussion


Das Konzert endet mit dem Danzón Nr. 2 des Mexikaners Arturo Márquez. Dieses Stück ist für Orchester und Band geschrieben und stellt daher Blechbläser und Schlagzeug stark heraus. Ausgehend von einer lässigen Rumba steigert es sich schnell zu einer rasanten Samba. Hier ist präzise Perkussion gefordert, und die teilweise sehr jungen Schlagzeuger liefern auch. Trotz Aufforderung durch den Dirigenten tanzt allerdings niemand, weil die Sitzreihen der Christuskirche nur Platz für wippende Füße lassen.
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