Stummfilme im Capitol mit Klaviermusik live
Gefühle hören

Miller the Killer, der Mann am Klavier, untermalt die Handlung von Stummfilmen. Er setzt Emotionen in Musik um. Bild: hka
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
12.09.2016
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Ganz wie in den Zeiten des Capitol-Kinos war es nicht. Das Programm griff noch ein gutes Stück weiter in jene Tage zurück, als die Bilder laufen lernten.

Mit einem Filmabend im Capitol eröffnete der Verein Kultopf sein Herbstprogramm. Es liefen zwei Stummfilme, musikalisch untermalt von "Miller the Killer", einem Bar- und Stummfilm-Pianisten aus Nürnberg.

Science Fiction anno 1902


"Die Reise zum Mond", gedreht in Schwarzweiß und von Hand koloriert, zeigt in 15 Minuten, wie man sich Ende des 19. Jahrhunderts einen Raketenflug zum Mond und die Landung dort vorstellte. Bilder und Szenen wirken heute unglaublich komisch, machten aber zur Zeit ihrer Uraufführung 1902 in Paris Furore. Sie gehören zu den bekanntesten Werken aus den Anfangsjahren der Filmgeschichte.

Ganz anders "Nosferatu - eine Symphonie des Grauens". Der Spielfilm aus dem Jahr 1922 erzählt nach dem Roman "Dracula" die Geschichte des Grafen Orlok, eines Vampirs aus den Karpaten. Er gilt als einer der ersten Vertreter des Horrorfilms und eines der wichtigsten Werke des Kinos der Weimarer Republik.

"Miller the Killer" alias Walter Molitor aus Nürnberg, Musiklehrer und Stummfilm-Pianist seit über 40 Jahren, erweckt die Stummfilme akustisch zum Leben. Er kann Angst hörbar machen; ebenso wie Begeisterung oder Streit. Er lässt Pferde galoppieren, Wellen an den Strand schlagen, er spielt den stürmischen Wind und untermalt den zärtlichen Kuss zwischen Hutter und seiner Ellen. Gruselig wird sein Spiel, wenn Dracula ins Spiel kommt, wenn seine gelben Hauer sich gierig einem zarten Nacken nähern, seine Spinnenfinger einen Hals umfassen.

Jedes Mal ein Unikat


Schwerstarbeit ist das für den Pianisten. "Nosferatu" dauert immerhin 100 Minuten. Seine Begleitung ist auch jedes Mal ein Unikat, es gibt keine Noten, es gibt nur seine Finger auf dem Klavier und seinen Blick auf die Leinwand. Wenn es dort spannend oder sogar gefährlich wird, dann sausen seine Finger über die Tasten, hämmern in Dur oder Moll. Geht es aber ruhig oder romantisch zu, dann wird auch die Musik leise und zart. Die Bilder der beiden Stummfilme stehen im Vordergrund, die Musik ist Beiwerk.

"Miller the Killer" - ein übrigens freundlicher älterer Herr, der nicht wie zig andere einfach Müller heißen will - sieht das ganz realistisch. Deshalb ist seine "Dienstkleidung" ein auffällig gemusterter Anzug. Das Publikum im Capitol aber sieht und würdigt seine Leistung und klatscht herzlichen und dankbaren Beifall.
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