"Sulzbach-Rosenberg International Music Festival" mit mitreißendem Kammermusikabend eröffnet
Warme Cello-Töne passend zur Hitze

Misha Quint (Violoncello, links) und Dorian Keilhack (Klavier) beim Eröffnungskonzert des "Sulzbach-Rosenberg International Music Festivals". Bild: Steinbacher
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
07.08.2015
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Voll war der Raum allemal, heiß war es auch - die Saharatemperaturen hatten ihren Weg bis in den Konzertsaal des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums gefunden. Umso anerkennenswerter der Einsatz, mit dem Misha Quint (Violoncello) und Dorian Keilhack (Klavier) das Eröffnungskonzert des "Sulzbach-Rosenberg International Music Festivals" (Srimf) gestalten.

Im 10. Jahr wird das Programm der Künstler mit einem Arrangement des berühmten Cellisten Gregor Piatigorsky eingeleitet. Er hatte zwei Sätze eines Divertimentos D-Dur von Joseph Haydn für Cello und Klavier bearbeitet. Schon nach wenigen Takten des Adagios ist seine Motivation klar. Das Cello spielt eine Riesenmelodie, die Quint mit kraftvoller und warmer Tongestaltung vorträgt.

Das Vibrato des Cellisten unterstützt die Sensibilität der Töne noch zusätzlich. Das folgende Allegro di molto bietet dem Cellisten viele Gelegenheiten, sein Instrument in virtuoser Spielweise, die bis zum Ende des Griffbretts reicht, vorzuführen. Dass dies fehlerfrei gelingt, ist seinem Können zu verdanken - dass nie eine taktliche Ungenauigkeit entsteht, dem klaren begleitenden Spiel des Pianisten.

Steigerung der Tonfülle

Es folgt die 2. Cellosonate F-Dur op 99 von Brahms. Der erste Satz bleibt trotz einiger gesanglicher Passagen immer drängend. Ganz anders das Adagio affettuoso, das in ruhiger Manier eine weitreichende Melodie gestaltet. Dass zwischendrin leidenschaftliche Ausbrüche hörbar werden, tragen die Künstler überzeugend vor gemäß den Tonkontrasten, mit denen Brahms Ruhe und Stress gegenüber stellt. Ein rasches Scherzo schließt sich an, das wieder ruhelos dahinläuft und nur im Gesang des Trios eine Alternative erlebt. Leidenschaftliches Spiel ist offenbar eine besondere Herausforderung für Quint und Keilhack.

Das schnelle Finale nämlich zeigt Steigerungen der Tonfülle ebenso wie zeitweilige Abmilderungen in intensiver Gestaltung durch beide Künstler. Nach der Pause erklingen Stücke, die kaum bekannt sind, aber - noch dazu in einer solchen Interpretation - bekannt werden sollten. So die Sonate für Violoncello E-Dur op 8 von Giuseppe Valentini, deren fünf Sätze unterschiedliche Stimmungen vermitteln, die von beiden Interpreten melodiereich und fetzig dargeboten werden.

Vorzeigestück für Cello

Insgesamt ein Vorzeigestück für das Cello, einschließlich einer virtuosen Kadenz im letzten Satz. Schon im Original enthält das 3. Impromptu Ges-Dur D899 von Franz Schubert eine endlose Melodie. Die übernimmt jetzt das Cello, das Klavier spielt die Begleittöne. Es zeigt sich schnell, ein Streichinstrument mit vollem Dauerton gibt der ewigen Melodie ein stärkeres Gepräge als ein Tasteninstrument. Dass das Werk dann durch das Vibrato nicht so verhalten klingt wie die reine Klavierfassung, ist klar.

Der wohl größte Cellovirtuose des vergangenen Jahrhunderts, Mstislav Rostropovich, hat eine Humoreske - sein op 5 - komponiert, in der das Cello nicht eine Zehntelsekunde lang Ruhe hat und gibt. Danach singt die Habanera von Maurice Ravel, deren spanische Herkunft begeistert aufgenommen wird. Zum Schluss ein weiteres Virtuosenstück, das Scherzo op 6 von Julius Klengel, dessen knappe Ruhepunkte nur dazu dienen, die nächsten Sechzehntelfolgen in die höchsten Lagen hinein einzuleiten. Als Zugabe ertönt "Der Schwan" aus dem "Karneval der Tiere" von Camille Saint-Saens in einer Spielweise, die den schwimmenden Vogel glaubhaft und berückend nachempfindet.
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