Sulzbacher Punkrock auf Vinyl
29 lokale Bands aus 26 Jahren

Kultur
Sulzbach-Rosenberg
18.11.2016
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Neben einem Regal mit Hunderten von Platten steht ein blonder Mann in T-Shirt und Jeans. Er greift nach einem Album neben dem Plattenspieler und zieht Vinyl aus einer unbeschrifteten Hülle. "Das ist sie, die Testpressung von ,No Need For A Herzog - 26 Jahre DIY ZooRaw'", sagt Wolfgang Herbst und legt die Scheibe auf.

Mit Herzblut


"In die Charts werden wir damit nicht kommen, aber dafür steckt Herzblut drin", meint der gebürtige Etzelwanger, ohne den es dieses gepresste Stück Kulturgeschichte nicht gäbe. Vor neun Monaten beschließen der 40-jährige Herbst und ein Freund: "Wir brauchen einen Sampler, der die Geschichte des Punkrocks in Sulzbach-Rosenberg hörbar macht." Etliche Stunden Recherche, ebenso viele E-Mails, eine Facebook-Arbeitsgruppe, unzählige Chats sowie zig basisdemokratische Entscheidungen und ein finales Mastering später ist der Sampler gepresst, das dazugehörige Booklet gedruckt.

29 Bands aus 26 Jahren - von 1990 bis 2016 - haben sich mit jeweils einer Originalaufnahme auf der Platte verewigt. Im Interview erklärt der studierte Mathematiker, der selbst mit zwei Bands auf dem Sampler vorkommt, warum Amberger Bands nicht auf das Album passten und warum Punk noch lebt.

Ist Punk nicht tot?

Wolfgang Herbst: Punk ist eine Einstellung, eine Idee und eine Protesthaltung. Vielleicht sind die Zentren nicht mehr London, New York, Berlin und Sulzbach, vielleicht das Outfit nicht mehr das gleiche wie vor 40 Jahren, aber totzukriegen ist Punk nicht!

29 Bands und keine aus Amberg. Sind die Städter nicht Punk genug?

Wir hatten einfach keinen Platz mehr auf diesem Sampler.

Also keine lokalen Animositäten?

Ich denke nicht, dass es eine Feindschaft zwischen der Amberger und Sulzbacher Subkultur gibt. Schau Dir das Sulzbacher Altstadtfest an, das wäre doch ohne Special Gue$t nicht denkbar.

In den 1990ern warst Du ein aktiver Teil der Subkultur. Wie hat dich diese Zeit geprägt?

Punk hat mich politisiert und mich und meine Freunde in die Städte der Republik gespült. Wir haben viel diskutiert, ausprobiert und umgesetzt. Leider hatte die Zeit, kurz nach der Wende, auch einen üblen Beigeschmack: brennende Asylbewerberheime und dann noch der Mord an Klaus-Peter Beer in Amberg.

Hattest du Angst?

Ich habe viel Frust empfunden, mich gefragt, ob die Probleme niemand außer uns sähe. Und ja, auch Angst. Neonazis waren und sind Bedrohung.

Zurück zur Platte. Was war die größte Herausforderung bei diesem Projekt?

Unbekannte Themen wie etwa Presswerk, Mastering, Layout und Gema. Wir hatten den Anspruch möglichst basisdemokratisch vorzugehen, was besonders bei Themen, wie der Wahl des Covers oder des Titels ein recht zähes Unterfangen war.

Das Album ist eine musikalische Zeitreise von 1990 bis 2016. Wie hat sich die Musik entwickelt?

Die technische Qualität der Aufnahmen werden von Jahr zu Jahr besser. Hat man 1990 noch mit einem Phillips-Kofferradio auf Kassette mitgeschnitten, musste man den Kids 2000, überspitzt ausgedrückt, erst erklären was eine Kassette ist. Außerdem hört man, wann welche Musik die Bands beeinflusst hat.

Du arbeitest an neuen Projekten?

Ich habe zwei Ideen, arbeite aktuell nur an einer mit dem Arbeitstitel "SuRo-Exilanten von Barcelona bis Berlin". Eine Fortsetzung des aktuellen Samplers. Die zweite Idee läuft unter dem Titel "Punk-Perlen der Oberpfalz". (Im Blickpunkt)
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