Swing-a-Ling-Ding-Big-Band im Seidel-Saal
Euphorisierender Jazz

Die Swing-a-Ling-Ding-Big-Band ließ die goldenen Zeiten des Jazz aufblühen. Bilder: aks (2)
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
19.07.2016
151
0

Richtig geschichtet ist im historischen Seidel-Saal schon halb gewonnen. Dadurch bot die eigentlich mehr auf Kleinkunst ausgelegte Bühne auch der Swing-a-Ling-Ding-Big-Band ausreichend Spielraum für ihren euphorisierenden Abstecher in die Weiten des Jazz-Universums.

Mit wie vielen Musikern man jetzt genau in der Herzogstadt angerückt war, musste Moderator und Saxofonist Toni Hausler erst einmal auf der Bühne überlegen - und dann doch nachzählen. Dafür kam ihm die Erklärung des nicht ganz unkomplizierten Band-Namens geschmeidig über die Lippen: Man habe sich nach einer Komposition der deutschen Jazz-Ikone Peter Herbolzheimer benannt. Selbstredend eröffnete dieser Song den Abend, ganz nach dem übersetzten Motto "Swing ma a bisserl".

Die Verehrung des Bandleaders und pensionierten Zahnarztes Sigi Koller für den Übervater Count Basie blieb dem schwungvoll mitwippenden Publikum tatsächlich kaum verborgen. Sich dieser Präferenz in kürzester Zeit anzuschließen, fiel aber nicht schwer - immerhin sind einige der prägendsten Jazz-Klassiker wie "Fly me to the Moon", "Sweet Georgia Brown" oder "All of me" untrennbar mit dem Namen des legendären Bandleaders verbunden.

Damit die Soundwelle der sechs Saxofone, vier Posaunen, vier Trompeten mit Bass, Gitarre, Keyboard und Schlagzeug in dem gut zweieinhalbstündigen Konzert nicht ins Monotone abglitt, wechselte die Big Band geschickt Boogie-, Samba-, Soul- und Blues-Rhythmen durch. Zum Durchatmen und Schwelgen scheute sie auch nicht vor Balladen à la Lionel Richie oder Charles Trenet zurück. Gerade die beiden Songs "Endless Love" und "I wish you Love" ließen das Talent der neu zur Band gestoßenen Sängerin Sonja Möller strahlen. Untheatralisch und selbst beim Caro-Emerald-Superhit "A Night like this" frei von aufgesetzten Vamp-Allüren unterstrich sie die Kraft ihrer Stimme nur mit kleiner Gestik - und wickelte die Zuhörer trotzdem oder gerade deshalb im Nu um den Finger.

Bei der ununterbrochenen Abfolge von Knaller auf Knaller wollte mancher gar nicht glauben, dass es sich bei den Ausführenden keineswegs ausschließlich um Profis handelte. Moderator Hausler rückte diese schmeichelhafte Fehleinschätzung ins rechte Licht und identifizierte neben lediglich drei professionellen Musikern alle möglichen Berufsgruppen im Ensemble.

Nachdem die Anerkennung damit auf neue Höhen geklettert war, legte die Big Band mit der Zugabe auch die musikalische Latte mit Glenn Millers unsterblichem "In the Mood" auf den absoluten Gipfel. Für das nimmersatte Jazz-Publikum besteht aber auch diesmal Hoffnung auf ein Wiedersehen. Alle hatten so viel Spaß an dem fröhlichen Abend, dass die vorwiegend oberpfälzisch besetzte Big Band sicher wieder einmal einen Stop in Sulzbach-Rosenberg einlegt.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.