Swing und Chansons aus Paris
Unsterbliche Melodien

Stefan Grasse (Mitte) und Ralph Kräußel mit den Gitarren sowie Alexander Fuchs am Kontrabass bieten der Sängerin und Tänzerin Julia Kempken den musikalischen Rahmen für ihre Lieder aus dem Paris der 1920- bis 1950er Jahre. Bild: hka
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
24.01.2016
77
0

An einem Freitagabend melancholische Lieder, die vom einstmals harten Leben im Bayerischen Wald erzählen, eine Woche später Swing und Chansons aus dem glitzernden Paris der 20er bis 50er Jahre. Das zeigt: Die Kulturwerkstatt holt die Welt auf die Bühne des Seidel-Saals, jedenfalls kleine Stücke davon. Ein volles Haus zeigt außerdem: die Mischung stimmt.

Vor ein paar Jahren begeisterte das Stefan-Grasse-Trio mit lateinamerikanischer Musik das Publikum im Seidel-Saal. Viel früher, nämlich zu Beginn der 90er Jahre, hatte Julia Kempken ihren ersten Auftritt hier, und zwar in der "Hängematte". Mit ihrem Programm "Paris in Love" gestalteten beide nun auf der Kleinkunstbühne gemeinsam eine musikalische Reise ins Paris der 1920er bis 1950er Jahre.

Hochkarätige Musiker


Ein Bistrotisch, Rotwein, rote Rosen, Julia Kempken mit Baskenmütze und neckischem Corsage-Kleidchen, das sind die Requisiten, die ein wenig Pariser Luft in die historische Druckerei wehen lassen. Stefan Grasse, Konzertgitarrist, Musikproduzent und Lehrbeauftragter an der Universität Erlangen-Nürnberg, und seine ebenbürtigen Solisten Ralph Kräußel, Gitarre und Alexander Fuchs, Kontrabass, machen dazu die Musik, die im vorigen Jahrhundert in den Straßen und Cafés der französischen Metropole gespielt wurde.

Gershwin und Porter


Das waren der Swing der Manouches, der französischen Sinti, den insbesondere der legendäre Gitarrenvirtuose Django Reinhardt kreierte, aber auch die Kompositionen der beiden Amerikaner, die im Paris der 20er Jahre lebten und arbeiteten: George Gershwin und Cole Porter.

Ihre unsterblichen Melodien sind das Metier der singenden Julia Kempken. "I love Paris" , Summertime", "I got Rhythm" - mit kraftvoller Stimme, Verve, Swing und emotionaler Tiefe beschreibt sie das Lebensgefühl der Stadt, erzählt aus dem Leben der Komponisten, plaudert, kokettiert. Und vor allem: sie steppt.

Als "Stepptanz-Comedy-Queen" wird die Nürnberger Powerfrau bezeichnet. Sie verbindet ihren temperamentvollen Tanz mit Komik, wirkt echt in der Rolle der Pariserin, flirtet mit dem Publikum. Die ehemalige Straßenkünstlerin, Mutter von vier Kindern, Leiterin einer Tanzschule und eines Kleinkunsttheaters, ist an diesem Abend der bunte Paradiesvogel auf der Bühne, bringt das Publikum zum Jubeln. Die Herren im konservativen Schwarz-Weiß bleiben im Hintergrund, zeigen aber an ihren Instrumenten ihre Virtuosität und - zumindest Stefan Grasse - auch Talent als Komponist. Sie glänzen mit Solo-Parts, erwecken Django Reinhardts "Zigeuner-Swing" zum Leben, können Jazz ebenso wie Valse Musette, vereinen Musik aus Amerika mit der aus der "Stadt der Liebe".

Was natürlich nicht fehlen darf, sind die Lieder Edith Piafs. Julia Kempken kann vom Englischen problemlos umsteigen ins Französische und legt Seele und Herz in "La vie en rose", "Sous le ciel de Paris" und "La mer". Dabei gleicht ihre kraftvolle Stimme der des "Spatz von Paris", selbst das rollende R gelingt. "Uns beide verbindet", sagt sie über Edith Piaf, "dass wir beide auf der Straße angefangen haben".

Stepptanz in Perfektion


Und ehrlich und charmant erzählt die Mittfünfzigerin, dass sie ihr erstes Geld in der Fußgängerzone in Nürnberg verdient hat. Und zwar als Stepptänzerin. Dass sie hier Perfektion erreicht hat, beweist sie bei der Hymne an den Stepptanz schlechthin: "I got Rhythm, I got music". Das Publikum ist begeistert, es gibt zwei beschwingte Zugaben, dann folgt der Heimweg - nicht durch die glitzernde Stadt an der Seine, sondern durch die Straßen des nächtlich ruhigen Sulzbach-Rosenbergs.
Weitere Beiträge zu den Themen: Seidel-Saal (34)Stepptanz (4)Stefan Grasse (2)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.