„TonTrio“ beim Kammermusikkreis der VHS Amberg-Sulzbach
Trio in perfekter Einheit

Das "TonTrio" bestehend aus Karlotta Eß (Geige), Julia Haverkamp (Klavier) und Daniel Haverkamp am Violoncello (von links) musiziert harmonisch in der Aula der Berufsschule in Sulzbach-Rosenberg. Bild: gf
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
22.03.2016
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Klavier, Violine und Cello. Die klassische Besetzung des Klaviertrios hört man häufig, aber kaum je in solcher Vollendung. Das "TonTrio" aus Stuttgart verzaubert beim Kammermusikkreis der VHS Amberg-Sulzbach vom ersten Ton an.

Von Corinna Groth

Die Pianistin Julia Haverkamp, die Violinistin Karlotta Eß und Cellist Daniel Haverkamp spielen mit ansteckender Freude, jugendlicher Frische und Lebendigkeit. Jeder einzelne zeigt sich als hervorragender Solist, aber es ist vor allem das Zusammenspiel der drei, das den Abend zu einem großen Erlebnis macht. Hier arbeiten nicht drei Musiker zusammen, sondern sie musizieren wirklich miteinander. Es schein, als sei jeder mit seinen beiden Triokollegen verwachsen und spiele deren gleichsam Instrument mit, so ausgewogen und harmonisch ist der Klang.

Schon die ersten Töne von Wolfgang Amadeus Mozarts Klaviertrio Nr. 7 lassen die Besucher aufhorchen. Der Flügel singt unter Julia Haverkamps Fingern. Im "Allegretto" beglückt das "TonTrio" mit tänzerischem Schwung. Besonders charmant sind die schalkhaften Passagen.

Musiker beschönigen nicht


Steht bisher das Klavier im Mittelpunkt, übernimmt jetzt das Cello die Führungsrolle. Bei Dmitri Schostakowitschs Klaviertrio Nr. 1, das der Komponist im Alter von nur 17 Jahren schrieb, ist Daniel Haverkamp gefordert. Sein nuancenreiches Spiel, seine Intensität, der außergewöhnlich schöne Ton seines Instruments machen das Werk zu einem Wechselbad der Gefühle. Die Musiker beschönigen nichts. Sie setzen das Publikum erbarmungslos den schmerzhaft schrillen Dissonanzen und brutalen Schlägen aus, und auch die Generalpausen bingen sie mit schneidender Präzision. Dann wieder schwelgen sie in Passagen von lyrischer Schönheit und Musik gewordener Zärtlichkeit. Die Zweifel, die Sehnsüchte und die Verzweiflung, die Schostakowitsch in seine Komposition gelegt hat, sind fast mit den Händen greifbar. Da istr es nur konsequent, dass das "TonTrio" auch den majestätischen Schluss mit einem deutlichen Fragezeichen spielt.

Ernest Bloch malt in seinen "Three Nocturnes" ein Nachtbild von seiner schweizerischen Heimat. Keine andere Tageszeit weckt so unterschiedliche Assoziationen wie die Nacht, und diese Bilder zeigt das "TonTrio". Gefährlich oder bergend, heimelig oder unheimlich, so sind die drei Sätze. Im "Andante" sieht man den Vollmond aus dem Nebel steigen und sein mildes Licht über eine dunkle Landschaft gießen, während "Tempestoso" mit gärender Wildheit die bösen Geister der Nacht beschwört. "Dumky", das sind ukrainische Tänze. Antonín Dvorák gestaltete sechs solcher Tänze mit wirbelnder Bewegung, lebhafter Farbigkeit, dann auch wieder unterschwelliger Tragik. Besonders schön ist hier Karlotta Eß' Geige. Die Violinistin reizt alle klanglichen Möglichkeiten ihres Instruments aus. Die enorme Dynamik macht die Zuhörer atemlos.

Oktober startet neue Reihe


Das Publikum applaudiert stürmisch, bis das "TonTrio" es noch mit dem "Finale" aus dem "Zigeunertrio" von Joseph Haydn verwöhnt. Dieses letzte Konzert der diesjährigen Reihe des Kammermusikkreises der VHS Amberg-Sulzbach ist ein hoher Genuss, so dass sich die Musikliebhaber schon jetzt auf Oktober freuen, wenn die 54. Konzertreihe startet.
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