Trachten-Experte im Stadtmuseum
Tracht leben und leben lassen

Es muss nicht immer das bäuerliche Gewand sein, bewies diese Besucherin, für die Hans Wax auf der Gitarre spielte. Bild: hka
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
16.09.2016
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Mit oberbayerischer Gebirgstracht, mit Schuhplattlern, Edelweiß und Enzian fing die Geschichte der Trachtenvereine vor bald 200 Jahren an. Zwischen den Weltkriegen begann ein Umdenken auf die regionale Volkstracht. Und heute? Alles kann, nichts muss, sagt der Experte bei einem unterhaltsamen Abend im Stadtmuseum.

Bilder, Musik und Gesang und eine Fülle von Informationen bot Hans Wax, der stellvertretende Bezirksheimatpfleger und Trachtenbeauftragte des Bezirks Oberpfalz einem zwar kleinen aber fachkundigen Besucherkreis im Stadtmuseum. In der noch bis zum 16. Oktober laufenden Ausstellung "Tracht im Blick - die Oberpfalz packt aus" hieß sein Thema "Trachtenvereine in der Oberpfalz".

Er hat seit Jahrzehnten mit Trachten zu tun, und er kann die Instrumente spielen, die dazu passen: die Gitarre und den Dudelsack. Missionarischer Eifer aber packt Hans Wax, wenn es darum geht, seine Gäste zum Singen eines "Zwiefachen" zu animieren. Weit gelungener als dieses Lied vom "Seidan Fürta" ist allerdings sein Streifzug durch die Geschichte der Trachtenvereine.

"Was wir heute unter Tracht verstehen, hat über 200 Jahre Geschichte", blendet Wax zurück auf die Anfänge der Bewegung Ende des 19. Jahrhunderts. Das Interesse an ländlicher Kleidung und die Gründung der ersten Trachtenvereine betraf damals ausnahmslos Gebirgstrachten, Edelweiß und Schuhplatteln inbegriffen.

Fünf Vereinsgründungen in der Oberpfalz kamen mit dem ersten Weltkrieg zum Erliegen, erst in den 1920er Jahren gab es wieder einen Neuanfang, 1921 auch in Sulzbach. Auch im Zweiten Weltkrieg erstarb das Interesse an Trachtenvereinen, danach allerdings kam es zu einer regelrechten Gründungsbewegung. Davon erhaltene Dokumente zum Beispiel aus Schmidmühlen oder Wackersdorf sind eine wahre Fundgrube für den Experten.

"Kontinuität in diesem Bereich gibt es nicht", erklärte Hans Wax. "Im Wandel der Jahre verändern sich Trachten und Vereinsnamen, es entsteht die Kinder-und Jugendarbeit in den Vereinen, es werden Jubiläen gefeiert mit Umzügen, vielen Vereinen und Kapellen sowie Massen von Besuchern". Vertriebene aus Schlesien und dem Egerland, so erzählt er, bringen ihre eigenen Trachten mit, die Vereine haben Kontakt zueinander, auch ins Ausland.

Dass das Bewusstsein für die traditionelle Kleidung der Landbevölkerung erneuert und gefördert wird, so Wax, sei allein das Verdienst der Trachtenvereine. In Sulzbach-Rosenberg sei dafür besonders ein Mann zu nennen, Hanns Binder, der die Birgländer Tracht eingeführt habe.

Bei allem Bemühen, Vergangenes und Originales zu erhalten, gelte für den Heimatpfleger aber das Prinzip: Leben und leben lassen. Jeder Verein müsse für sich entscheiden, ob die regionale Tracht oder - vielleicht im Hinblick auf touristische Interessen - die oberbayerische mit Edelweiß und Schuhplattler in Frage komme. Nur, so fordert er, sie müsse dann auch so bezeichnet werden.

Binder ist wichtig.Hans Wax über den Erneuerer der Birgländer Tracht
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