Vea Kaiser stellt ihren Roman "Makarionissi" vor und nimmt das Publikum für sich ein
Zum Glück nicht auf die Familie gehört

Kultur
Sulzbach-Rosenberg
12.10.2015
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Ökonomisch betrachtet seien 180 Seiten ausreichend, befand der Bruder. Wenn schon 462 Seiten, dann doch als Trilogie im Schuber, empfahl der Vater. Ein Glück, dass Vea Kaiser ihren eigenen Kopf hat und im Literaturhaus Oberpfalz mit gänzlich unlimitierter Erzählfreude ihren neuen Roman "Makarionissi" vorstellte.

Charmantes Geplauder

Durch ihren Studentenjob als mehrsprachige Fremdenführerin im niederösterreichischen Kloster Melk gestählt, wickelte die charmante junge Schriftstellerin das dicht gedrängte Publikum im Handumdrehen um den Finger. Und so diente die Vorstellung durch Gastgeber und Buchhändler Ralf Volkert diesmal nicht dem vorsichtigen Aufwärmen. Das unterhaltsame Geplänkel vom Geburtsort St. Pölten über Freud und Leid des österreichischen Fußballs bis zur Sudoku-Weltmeisterschaft 2013 hätte sicher auch ohne Buch mühelos den Abend ausgefüllt.

Das wäre allerdings schade gewesen, denn so wie Kaiser aus dem Stegreif und ohne Fremdeleien zu erzählen vermag, so hat sie auch ihre Familiengeschichte rund um Eleni und Lefti gewoben. "Ein Familienroman im besten Sinn", begründete denn auch die Jury des Ravensburger Buchpreises, die Volkert zitierte.

Der probaten Versuchung, einfach gleich die ersten Kapitel vorzulesen, widerstand Kaiser. Stattdessen stieg sie dort ein, wo Dramaturgie und perfekt gesetzte Pointen ihr Schreibtalent ebenso glänzen ließen wie ihre Begabung zum Vortrag. Die beneidenswerte Sicherheit, aus dem Lesen heraus ins Erzählen zu wechseln, ohne die Zuhörer aus ihrer Gebanntheit zu entlassen, gehörte zu den weiteren herausragenden Erfahrungen des Abends.

Auch die Tatsache, dass nicht alle der zahlreichen amüsanten Stellen allein auf das Konto ihrer dichterischen Fantasie gehen, berichtete Kaiser mit entwaffnender Offenheit. Dort entstand im Übrigen auch nicht die Landkarte ihrer Handlungsorte: Mit Hildesheim und einem dortigen Bäcker war noch eine Rechnung aus den Tagen ihres Schreibstudiums offen, Griechenland hat die Altgriechischstudentin intensiv bereist, in Zürich hat sie ebenfalls Station gemacht und in St. Pölten wurde sie ja, wie gesagt, geboren.

Ende nicht verraten

Zur titelgebenden Insel "Makarionissi" kam Kaiser nicht mehr: Anders als beim Erstling "Blasmusikpop" ist sie inzwischen routiniert genug im Lesebetrieb, um jeden Hinweis Richtung Romanende zu unterbinden. Es gebe aber ein "wirkliches Ende", denn offene Schlüsse sind der Schriftstellerin ebenso verhasst wie kurze Bücher. Volkerts Präsent, das dünne Büchlein "Graben" von Cynan Jones, nahm sie dennoch mit Freude entgegen - zum Thema Dachsjagd habe sie gerade wegen ihres Jack-Russell-Terriers durchaus Bezug.

Und so wie man "Makarionissi" nach seinen 462 Seiten nur höchst ungern zuschlägt, so wollte das Publikum den Gast nur ungern ziehen lassen. Das Schlangestehen zum Signieren lohnte sich aber, denn Vea Kaiser erfüllte nicht nur allerlei Sonderwünsche, sonderte plauderte am Tisch einfach weiter.
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