Veronika Ponzer und Dirk-Michael Kirsch
Sehnsuchtsvolles Seufzen an einem Sommertag

Veronika Ponzer und Dirk-Michael Kirsch zeigten ihr Können an Harfe und Oboe. Bild: bmr
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
25.11.2016
19
0

"Faszination Oboe und Harfe", mit diesem Anspruch treten Harfenistin Veronika Ponzer und Oboist Dirk-Michael Kirsch auf die Bühne der Berufsschule. Vom ersten Ton an ziehen sie die Zuhörer in den Bann und beweisen, dass diese ungewöhnliche Instrumentenkombination zauberhaft ist.

Ponzer und Kirsch spannen beim Konzert des Kammermusikkreises einen Bogen von der Empfindsamkeit bis in die Gegenwart. Wunderbar ist die "Sonate in g-Moll, BVW 1020" von Johann Sebastian Bach, welche die neuere Forschung eher seinem Sohn Carl Philipp Emanuel zuschreibt. Die absolute rhythmische Präzision der Harfe lässt die Harmonien erblühen. Kirsch erfreut mit einem schönen, warmen Ton und wunderbarer Geschmeidigkeit. Hinreißend ist sein Pianissimo im Adagio. Ohne die leiseste Schwankung, mit intensiver Sanftheit hält er die Töne.

Beide Solisten stehen mit bedeutenden Orchestern und in unterschiedlichen kammermusikalischen Formationen auf der Bühne. Besonders oft und gern arbeiten sie miteinander, und das spürt man an ihrem Spiel. Sie musizieren nicht nur zusammen, sondern miteinander. Jedes Stück gestalten sie in tiefgründiger Kommunikation zu dritt, nämlich die Harfe und die Oboe mit dem Komponisten.

Besonders deutlich wird das bei Marc Berthomieus "Cinq Nuances". Die fünf kurzen Sätze sind von unterschiedlichen Stimmungen geprägt, und Ponzer und Kirsch gestalten mit Humor und Spielfreude den idyllischen Sommertag, karibische Lebenslust und sehnsuchtsvolles Seufzen.

Perfekte Lippenspannung


Die Oboenparts stellen höchste körperliche Ansprüche an Kirsch. Schier unendlich lange Phrasen lassen ihm kaum Gelegenheit zum Atmen, und viele extrem schnelle Läufe und sein wunderbar gleichmäßiges Piano verlangen perfekte Lippenspannung. Eine kurze Erholung geben ihm Solostücke für Harfe. Bei Louis Spohrs "Phantasie in c-Moll" erweckt Ponzer den ganzen Klangreichtum, die ganze Schönheit des Harfenklangs mit ihren Händen zum Leben. Zartes Zirpen, dumpfes Wabern, dazu das liebliche Perlen der gezupften Saiten fügen sich zu einer Liebeserklärung in Tönen zusammen.

Orientalische Harmonien


Mit Jacques Iberts "Entr'acte" zeigen sich Ponzer und Kirsch noch von einer ganz anderen Seite. Das reizvolle Stück in orientalischen Harmonien nimmt die Zuhörer mit auf einen lebhaften Basar im Morgenland. Die Musiker gestalten das Werk so bildhaft, dass man vor dem inneren Auge die Händler sieht, die ihre Waren anpreisen, Müßiggänger schlendern zwischen den Ständen hindurch, ein Schlangenbeschwörer zeigt seine Kunst. Mit stürmischem Applaus und Bravorufen feiert das Publikum die Musiker, die eine kurze Zugabe spielen.

___

BR-Klassik berichtet am Sonntag, 27. November (15.05 bis 17 Uhr), über das Konzert.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.