VHS-Kammermusikkreis
Konzert des "Weimarer Bläserquintetts"

Das "Weimarer Bläserquintett" begeistert das Publikum beim Konzert des VHS-Kammermusikkreises mit Leidenschaft und erkennbarer Freude am Spiel. Bild: gf
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
28.01.2016
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Die Konzerte des VHS-Kammermusikkreises in Sulzbach-Rosenberg erfreuen sich großer Resonanz, auch das Gastspiel des "Weimarer Bläserquintetts" ist ausnehmend gut besucht. Die Musiker des "Weimarer Bläserquintetts" haben einige besondere Stücke im Gepäck.

Das "Weimarer Bläserquintett"- das sind Tomo Andreas Jäckle (Flöte), Frederike Timmermann (Oboe), Sebastian Lambertz (Klarinette), Stephan Schottstädt (Horn) und Jacob Karwath (Fagott). Zusammengefunden haben sie sich in ihrer Studienzeit in Weimar. Inzwischen sind sie ein europaweit konzertierendes Ensemble. Beim Konzert in Sulzbach-Rosenberg präsentierten sie ein Programm, das (fast) die gesamte Bandbreite des Bläserquintetts umfasste.

Von Joseph Haydn über Franz Danzi aus der Mannheimer Schule bis zu Rossini und Paul Taffanell als Beispiel aus der musikalischen Romantik reichte das Spektrum. Und das 20. Jahrhundert war mit dem Bläserquintett von Elliot Carter eindrucksvoll vertreten. Als Moderator erläuterte Tomo Jäckle kurz und anschaulich die jeweiligen Kompositionen. Alle 5 Musiker sind exzellente Instrumentalisten mit hoher individueller Klasse, mit der sie auch schwierigste spieltechnische Herausforderungen mühelos "in Klang" umsetzen.

Nach Sulzbach-Rosenberg kommen sie aus ganz Deutschland zusammen, sind doch (fast) alle an renommierten Orchestern fest engagiert. Der Klarinettist ist am Vorabend des Konzertes aus New York eingeflogen. So ist es nicht verwunderlich, dass sie sich beim "Eingangsstück", der Ouvertüre von Rossinis "Barbier" erst "zusammenspielen" müssen. Nach anfänglichen Unebenheiten kommt erst im letzten Drittel der Charme, die Eleganz, die Spritzigkeit der Musik Rossinis zur vollen Entfaltung.

Hektik einer Großstadt


Carter (1908-2012) gilt als Nestor der modernen amerikanischen Musik. In seinem Bläserquintett scheint die Hektik einer Großstadt musikalisch nachgezeichnet. Jedes Instrument hat einen mit hohen virtuosen Anforderungen gespickten Part mit quirligen, auch melodiösen Themen. Fast "nebeneinander" laufen sie in oft dissonanten, sich reibenden Klang-Kombinationen zu kurzen gemeinsamen "Haltepunkten", um wieder parallele, aber getrennte musikalische Wege zu gehen. Es ist eine Musik, die vom Kopf her zu fassen ist.

Staunen macht die spieltechnische Brillanz, faszinierend die "Konstruktion" der Komposition, bewundernswert die Intensität und Souveränität, mit der die "Weimarer" diese für den Zuhörer ungewohnte, unbequeme Musik interpretieren. Wohltuender Gegensatz dazu das Bläserquintett von Franz Danzi. Es ist in seiner Spiel- und Klangfreudigkeit sowohl für die Musiker wie für das Publikum eine reizvolle Musik. Die Gleichberechtigung der Instrumente, die Melodienfülle der Komposition, die intelligente Gestaltung dieses schönen Werkes - hier sind die "Weimarer" eine echte Einheit, und reißen das Publikum zu begeistertem Beifall hin.

Das unterhaltsame "Divertimento B-Dur" von Haydn erklingt in entsprechender höfiger Geschmeidigkeit. Und die Romantik mit dem Bläserquintett von Taffanell bildet den programmmäßigen Schlusspunkt des Konzertes. Taffanell, selbst ein vorzüglicher Flötist, hat "seinem" Instrument eindrucksvolle melodische Themen zugeordnet, aber auch die anderen Instrumente mit brillanten Solo-Passagen bedacht, bei denen sich virtuose Effekte elegant mit großen, üppigen Klängen verbinden. Ein tolles Horn-Solo im zweiten Satz lässt ebenso Freude aufkommen, wie Solo-Passagen von Klarinette und Oboe, und dem souveränen Fagott. Über allem glänzt die Flöte, die in effektvollen, höchst anspruchsvollen Passagen das Werk zum Strahlen bringt.

Begeisterter Beifall


Wohl klingt das Horn gelegentlich etwas zu dominant, aber stets gelingt den "Weimarern" ein homogenes, mit erkennbarer Freude präsentiertes romantisches Klangbild in Fülle und instrumentalen Raffinessen. Großer Beifall fordert zwei Zugaben. Feuer, Schwung, Leidenschaft und erkennbare Freude am Spiel - mit kurzen Werken von Jaques Ibert und Denes Agay bringen die "Weimarer" das Publikum zu abschließenden frenetischen Beifallsbekundungen.
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