„Wäis hald a so san“
Eugen-Oker-Abend im Literaturhaus

Kultur
Sulzbach-Rosenberg
02.05.2016
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"Med oana schwoazzn Dintn" hat Eugen Oker, der oberpfälzischste Dichter, das "Däsdamend" seiner Heimat in Verse gesetzt, was er seinen Landsleuten abgeschaut hat. Wer das reiche Innenleben einer oft missverstandenen Region mit Eugen Oker kennenlernen will, muss die in radikaler phonetischer Dialektschreibweise verfassten Texte erst einmal entziffern.

Dieses Entzifferungs-Projekt nimmt sich die Sulzbach-Rosenberger Theatergruppe "Die Bretter" - anlässlich des 10. Todestages von Eugen Oker (er starb am 14. März 2006) - vor. Sie tut es dort, wo der Nachlass des Dichters Platz gefunden hat, im Literaturhaus Sulzbach-Rosenberg, am Freitagabend vor einem voll besetzten Zuschauerraum.

Was Oker seit den sechziger Jahren zu Papier bringt, ist freilich nur ein Auszug seiner Beobachtungen. In dem Begriff "Franzbas" zusammengefasst, werden "Bauernschläue und -dummheit, Güte und Bosheit, Tradition und Aberglaube, Stolz und Unterordnung" ein literarisches Denkmal gesetzt. Als gespielte Szene entfaltet sich auf der kleinen Bühne des ehemaligen Amtsgerichts pralles Leben, bunter Alltag, oft reduziert auf momentane Grundbedürfnisse, genährt vom Glauben an den steinigen, aber sicheren Boden von Tradition und Lebenslust.

Betrachtungen zum Nirwana


Dabei beschränkt sich Oker, der eigentlich Fritz Gebhardt hieß, keineswegs auf die meist skurrilen Alltagsbeobachtungen, er wird auch philosophisch. So beginnt die Theatertruppe mit der unerhörten Betrachtung zum Thema Nirwana, die in der Erkenntnis endet, dass das Nichts nichts ist. Dies wird eigentlich nur noch übertroffen von dem berühmten philosphischen Ausrutscher des Pumuckl, dass es "nichts Nichtseres als das Nichts gibt".

In vier Akten durchstreifen die Akteure Cynthia Bätz, Christina Baumann, Gerda Hrusche, Bernd Gerlang, Uli Lommer und Veit Stephan das, was man als Schlüsselszenen oberpfälzischen Lebens interpretieren könnte. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit moderner Technik in dem Gedicht "Schbülaudomadd" und "Robota", wobei die Risiken eines solchen Fortschritts nicht verschwiegen und dementsprechend drastisch vorgeführt werden. Der Spülautomat wird letztlich versagen, und der Roboter, der auf Kommando Hausarbeit verrichtet, wird sich letztlich selbst zerstören, auf einem Kinderspielplatz sinnigerweise.

Als mehr oder weniger nahrhafte Dreigabe wird eine Fleisch- und Wurstplatte geboten, deren Stücke bei Berührung Geräusche von sich geben und ins "Fegedarische" überleiten. Mit einem sozialen Grundkonflikt beschäftigt sich Okers Betrachtung "Oawazlous" (Arbeitslos). Hier kommt er zu der Erkenntnis, dass das "schlächz Leem" ist. Und mit Unterstützung und Stempel geht man halt wieder zum Baden im Sommer und im Winter zum Skifahren. So einfach ist das. Komplizierter und fast schon anspruchsvoll ist die Betrachtung darüber, was ein "Hailbruma" ist. In der szenischen Darstellung bekommt der Zuschauer eine Ahnung davon, was gemeint sein könnte. Und schließlich wird demonstrativ erklärt, wie das mit dem "Wattn" ist, dem bayerischen Poker.

Im dritten Akt schließlich geht's hinüber zu den österreichischen Nachbarn, die sich unter dem Portät der berühmten Sisi mit dem "Barlamend" (gemeint ist der Nationalrat) darüber auseinandersetzen, ob sie Krieg führen sollen oder nicht. Oker erinnert sich an den Geschichtsunterricht und schließt kurz: "Kriege führen andere, du, glückliches Osterreich, heirate."

"Babba, sagt da Maxl"


Immer dann, wenn Kinder ins Spiel kommen, wird es besonders interessant. In dem Sketch "Babba, sagt da Maxl" versteigt sich der herausgeforderte Vater in eine haarsträubende Gesichte hinein von einer Affenhorde, die eine Sulzbacher Brauerei überfallen und Bier geklaut hat. Was aber das Schlimmste ist: Sie haben die Flaschen behalten, so dass kein Bier mehr abgefüllt werden kann. Elefant und Krokodil schalten sich ein, drohen den Dieben. Schließlich wird das Diebesgut zurückgegeben. Und der Sulzbacher Braumeister zeigt sich spendabel.

Mit Messer und Hand


Zu einer lapidaren Erkenntnis kommt es im letzten und vierten Akt: "Als Leem is ofd wäi an oogschdandne halwe baia/ schmeggd oifach niad/owa saffa doud mas denaschd". Gekrönt wird das alles schließlich mit dem Sketch "Die Sauern". Es gibt endlich was zu essen. Doch die saueren Bratwürste setzen bei dem einen oder anderen geradezu niedrige Instinkte frei. Die einen zelebrieren vornehm den Umgang mit Messer und Gabel, andere arbeiten mit beiden Händen und stopfen Wurst und Kraut in sich hinein. Begleitet werden die Szenen von der Gruppe "Fo Latta", die mit Gitarre, Cajon und Gesang den Texten von Oker zusätzlich Farbe und Melodie geben. Das Publikum, unter ihnen auch Angehörige von Fritz Gebhardt, ist begeistert und spendet langen Applaus.
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