Zweites Preisträgerkonzert beim Sulzbach-Rosenberger Internationales Musik-Festival
Junge Talente, alte Meister

Mit musikalischem Geschick überzeugen Matthew Madonia (Geige) und Chenny Gan (Klavier) bei ihrer Interpretation des ersten Satzes von Beethovens Violinsonate Nr. 9, op.47. Bild: Hartl
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
11.08.2016
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Wer als Instrumentalist zum Sulzbach-Rosenberger Internationales Musik-Festival (SRIMF) kommt, muss schon über hohe spieltechnische Fähigkeiten verfügen. Genau damit überzeugen die jungen Künstler beim zweiten Preisträgerkonzert.

So ist es zu erwarten, dass das "Zweite Konzert ausgewählter Preisträger" beachtliche künstlerische Präsentationen bietet, teilweise sogar begeisternde und faszinierende. Interessierte Zuhörer und viele teilnehmende Musiker füllen den Konzertsaal im Rathaus. Das Programm umfasst Einzel- und Ensembledarbietungen, wobei besonders die Duo- und Trio-Stücke für markante Eindrücke sorgen. Von Bach über Beethoven, Schumann, Chopin, Brahms bis zum belgischen spätromantischen Komponisten Eugene Ysaye (1858-1931) reicht die "historische Palette " bis in den Beginn des 20. Jahrhunderts. Zwei Musikerinnen machen den Anfang mit Händels Violinsonate Nr. 3. Ashley Wu (Violine) und Marina Primachenko (Klavier) vermitteln - nach anfänglicher bremsender Nervosität - mit sauberen, dynamisch klug akzentuiertem Spiel einen Eindruck in die Welt des Barocks.

Instrumentale Fähigkeit


Johann Sebastian Bach muss wohl einfach dabei sein. Seine Solo-Suite für Cello verlangt ein hohes Maß an instrumentaler Fertigkeit, dazu ein sicheres Gespür für die strukturellen Linien der Komposition. Beachtlich, wie sich Caitlin McConnell dieser Herausforderung stellt und mit solidem, engagierten Spiel dieses schwierige Werk eindrucksvoll zu Gehör bringt.

Ein erster Höhepunkt ist der erste Satz von Beethovens Violinsonate Nr. 9, op.47. Hier brillieren Matthew Madonia (Geige) und Chenny Gan (Klavier) in einem begeisternden partnerschaftlichen Musizieren. Intensives, emotionales Spiel der Geige verbindet sich mit dem Spiel des Klaviers zu einer fesselnden Präsentation. Bewundernswert die scheinbar leicht gespielten heiklen Oktavpassagen des Klavierparts und die Geschmeidigkeit des pianistischen Anschlags, spannend die selbstverständliche Virtuosität der Geige, die die Grundlage für die fesselnde Gestaltung dieses Werkes war.

Doch es gibt noch eine Steigerung. Schumanns wunderschöne "Märchenerzählungen", eigentlich für Klarinette, Bratsche und Klavier komponiert, werden hier von Inga Kroll (Violine), Geeta Nazareth (Bratsche) und Naho Doi (Klavier) in ihrem ganzen romantischen Zauber dargeboten. Die Geige lebt die herrlichen Stimmungen besonders im dritten Satz mit emotionaler Sinnlichkeit aus, wunderschön ihre singenden Melodielinien.

In aufmerksamer Korrespondenz mit der gleichfalls sicher und rund spielenden Bratsche erklingen ausdrucksstarke Momente, die von dem kraftvollen, manchmal zu dominant klingenden Klavier - hier hätte der Flügel durchaus geschlossen sein können - in spieltechnischer Souveränität ergänzt werden.

Eine ausgesprochen gelungene Präsentation dieser schönen Musik ist das. Eugene Ysaye hat in seiner Sonate für Solo-Violine eine virtuos hochanspruchsvolle Musik niedergeschrieben. Ruoyao Li scheint in seiner Interpretation diese spieltechnischen Schwierigkeiten nicht zu kennen. Die unbequemen Saitenübergänge, die Leichtigkeit der rasanten Läufe, die Artikulierung der Struktur- sein Spiel verhilft dieser spätromanischen Komposition zu einem starken Eindruck. Chopin galt zu seiner Zeit als einer der begnadetsten Pianisten überhaupt. Sein "Scherzo Nr. 3" beinhaltet alle pianistischen Herausforderungen, die denkbar sind.

Flirrende Passagen


Großräumige Akkordgänge werden überlagert von flirrenden, perlenden Passagen, Klangkaskaden entwickeln sich, um in intime lyrische Momente zu gleiten. Beim Spiel von Ian Tomaz wird diese romantische Kraft spürbar, kommen die filigranen Momente zur Geltung, wenn auch, auswendig gespielt, manchmal die Konzentration, die Geschlossenheit des Spiels unvollkommen bleibt. Den Schluss des Konzertes bildet das Klaviertrio Nr. 1 von Brahms mit Ruoyao Li (Geige) Caitlin McConnell(Cello) und Miki Sumati (Klavier). Die jungen Künstler überzeugen durch ein ausgesprochen aufmerksam korrespondierendes Zusammenspiel.

Das Eingangsthema des Klaviers wird von Cello, später von der Geige weitergeführt und entwickelt sich zu einer klangintensiven Darbietung. Vor allem die Geige glänzt mit ihrem sensiblen Spiel. Mit souveräner Technik, variablem Anschlag und sicherem Gespür für die Partner trägt das Klavier dazu bei, dass dieser Brahms zu einem eindrucksvollen Abschluss des Konzertabends wird. Am Ende sind die Zuschauer einer Meinung: Es war eine Demonstration des hohen musikalischen Standarts, den die "SRIMF"-Musiker verkörpern.
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