19 Bettler und ein Preis

Gerhard "Dodo" Heimbucher (rechts) durfte als Alterspräsident der Bettler-Big-Band den mit 1500 Euro dotierten Kulturpreis der Stadt aus den Händen von Bürgermeister Michael Göth entgegennehmen. Bilder: bmr (3)
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
15.02.2015
10
0

Vom Pamler im Hag direkt nach Hamburg-Altona und im Gepäck den Kulturpreis der Stadt - Mann, was muss da bloß los gewesen sein? Kurz gesagt, es war die Hölle - und zwar die musikalische. Einen halben Tag lang sorgte wieder einmal die Bettler-Big-Band für totale Verunsicherung in der Altstadt. Und der Bürgermeister ließ sie diesmal sogar ins Rathaus eindringen.

Was im letzten Jahr aus dem Kreise der Instrumentalisten-Zusammenrottung vehement gefordert wurde, ist am Samstag bittere Wahrheit geworden: Die Bettler-Big-Band ist Kulturpreisträger 2014. Bürgermeister Michael Göth und der Stadtrat werden sich das schon gut überlegt und die Voraussetzungen intensiv geprüft haben.

Letztere stellen sich nach Angaben der Bettler bei ihrem 41. Umgang im 40. Jahr des Bestehens wie folgt dar: 3333,7 zurückgelegte Kilometer während des Umgangs, 1651 gegessene Wiener und Bratwürste, 2753 getrunkene Biere, 2,7 Millionen schräge Töne, 185 studierte Semester und 30 Kinder aus eigener Produktion.

Das also reicht für den Kulturpreis der Stadt? Ja, es reicht! Rathauschef Michael Göth stellte bei der Festsitzung am Samstag besonders heraus, dass es sich bei der Bettler-Big-Band um eine "kulturelle Instanz" handelt, die sich "in mannigfaltiger Weise um die Kultur- und Musikszene Sulzbach-Rosenbergs Verdienste erworben sowie Ruf und Ansehen der Stadt vermehrt hat". Immer von Vorteil und kostensparend ist es, wenn der Preisträger auch gleich selbst für die musikalische Umrahmung sorgt. Das brauchte man den Bettlern natürlich nicht zweimal zu sagen - schon beim Einzug zeigten sie, dass sie ihre Instrumenten nicht als reine Staffage mitschleppten.

Trinklied im Mai

Das Publikum freute sich unter anderem über den Irischen Tanz, das Te Deum von Charpentier, den 2. Satz von Haydns Symphonie mit Paukenschlag, die bekannte Brauerei-Ode Shiner, Bloutwurscht und Sauerkraut und schließlich über die Bettler-Hymne, das Trinklied im Mai von Franz Schubert "Bekränzet die Tonnen" - ergänzt um den Zusatz "der Preis ist gewonnen - wir müssen uns freun!" Bevor die unruhige Truppe zum Standkonzert vors Rathaus bat und ihren unvermeidlichen Umzug durch die Wirtshäuser ankündigte, durfte Theo Wißmüller als Festredner zur Sezierung seiner langjährigen Freunde und Weggefährten ansetzen.

Neben vielen treffenden Beschreibungen (eine Auswahl lesen Sie in nebenstehenden Zitate-Kasten) brachte es der Laudator in folgendem Satz, in dem er die Triebfeder der Bettler ausfindig machte, auf den Punkt: "Das allein ist nicht mit dem unabdingbaren Willen zum Rausch, zur Ekstase zu erklären. Diese Liebe zum Ritual, zur Zeremonie hat eindeutig spirituellen Charakter".

___

Bildergalerie im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/bettlerband
Weitere Beiträge zu den Themen: Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.