35-Jähriger rastet im St.-Anna-Krankenhaus und im Bezirksklinikum aus - Haft auf Bewährung
Entgleisungen im Krankenhaus

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
19.03.2015
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An nichts mehr erinnern können ist eine oft gehörte Aussage bei Gericht. In diesem Fall vielleicht sogar verständlich: Wer mag auch gern erzählen, wie er sich mit allerhand heftigen Beleidigungen in einem Krankenhaus aufführte und Menschen übel beschimpfte, die ihm eigentlich nur helfen wollten?

Polizisten beleidigt

Die vier Polizeibeamten kamen an einem Sommerabend 2014, um den 35-Jährigen in seiner Wohnung abzuholen und ins St.-Anna-Krankenhaus nach Sulzbach-Rosenberg zu bringen. Er hatte offenbar vorher selbstgefährdende Äußerungen von sich gegeben und sollte untersucht werden. Was dann gegen 21 Uhr begann, war eine unruhige Nacht für die Uniformierten und eine Reihe anderer Leute, die gerade Dienst hatten.

Erst gerieten die Ordnungshüter ins Visier des Sulzbach-Rosenbergers. Sie mussten sich Beleidigungen gefallen lassen, hörten Äußerungen wie: "Ich schlag' dir die Fresse ein", wurden als "Drecksbulle" und "A...löcher" bezeichnet. In der Klinik-Notaufnahme tobte sich der Mann weiter aus. Worte wie "Schlampe" und noch Ärgeres, das nicht zitierfähig ist, hörte das weibliche Personal.

Ein Arzt befand, dass der immer wieder zu verbalen Entgleisungen auflaufende "Patient" zur näheren Begutachtung in die Regensburger Bezirksklinik gebracht werden müsse. Also wurde ein Transport organisiert, erhielten auch Sanitäter ausufernde Zurechtweisungen. In der Bezirkshaupstadt ging's weiter. Einer der Polizisten war mit dem Streifenwagen hinterher gefahren, und er schilderte jetzt der Amberger Amtsrichterin Julia Taubmann, dass sich auch dort die Tiraden fortsetzten.

Keine Erinnerung mehr

Jetzt saß der 35-Jährige auf der Anklagebank und beteuerte: "Ich kann mich wirklich an nichts erinnern." Das war irgendwie kaum erklärlich.

Ein Alkoholtest hatte 0,6 Promille erbracht. "Für einen Mann nicht gerade ein Vollrausch", argumentierte die Richterin. Doch der Beschuldigte blieb dabei: "Nichts mehr da im Gedächtnis. Aber es tut mir leid und ich entschuldige mich bei allen."

Beim Blick in die Akten stellte sich heraus: Der Mann hatte in seinem Vorstrafenregister auch eine Ahndung wegen Beleidigung. Das stieß Staatsanwalt Jan Prokoph sauer auf. "So etwas kann man selbst in gereizter Lage nicht machen", befand er und beantragte neben vier Monaten Haft zur Bewährung auch 100 gemeinnützige Arbeitsstunden.

Die Richterin schloss sich an und meinte: "Was an diesem Abend geschah, war zu Ihrem Schutz. Und dann mussten sich Polizisten und Helfer beleidigen lassen. Das geht gar nicht."
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