39-jähriger Übersiedler steht nach Gewaltattacke gegen Lebensgefährtin vor der Einweisung in ...
Gerechtigkeit hat ihren Preis

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
08.12.2014
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Die Leute haben einen deutschen Pass, aber sie sprechen auch nach langem Aufenthalt in der Bundesrepublik nur Russisch. Das sorgt für Verzögerungen und zusätzliche Kosten bei einem Prozess vor dem Landgericht Amberg. Die Erste Strafkammer soll dabei prüfen, ob ein 39-jähriger Übersiedler dauerhaft in die Psychiatrie muss.

Erst lückenlos aufklären

Es geht um gewalttätige Ausschreitungen und um die Frage, ob man den in Kasachstan geborenen Mann in der Forensik unterbringen muss. Eine solche Maßnahme kann nur das Landgericht anordnen. Und auch erst dann, wenn alle Umstände restlos aufgeklärt sind. Doch wie soll eine solche lückenlose Klärung erfolgen, wenn sich die Hauptbeteiligten bisher nicht im Mindesten darum bemüht haben, auch nur ein Wort der Sprache ihres neuen Heimatlandes zu erlernen?

Der 39-Jährige, den Polizisten aus dem Regensburger Bezirkskrankenhaus nach Amberg brachten, ist eher von Erinnerungslücken geplagt. Er will so recht nicht mehr wissen, wie das heuer war, als er seine ebenfalls aus Kasachstan stammende Lebengefährtin in der gemeinsamen Sulzbach-Rosenberger Wohnung übel misshandelte und tags darauf, weil nicht sofort eingelassen, die Türe eintrat. Manches weiß er noch. Zusammenfassender Tenor seiner Angaben aber: So schlimm sei alles nicht gewesen. Eher ein harmloser Zwist, wie er gelegentlich so stattfindet.

Die Ausschreitungen stehen in den Unterlagen der Sulzbach-Rosenberger Polizei. Mehr noch: Auf dem Parkplatz eines Supermarktes soll der arbeitslose und von Unterstützung lebende Mann mit einer gefüllten Plastikflasche nach seiner Freundin geworfen haben. All das wollte die Vorsitzende der Ersten Strafkammer, Roswitha Stöber, genauer wissen. Doch sie lief mit ihren von der Dolmetscherin übersetzten Fragen bei der Lebensgefährtin des Beschuldigten gegen eine Wand.

Scheibchenweise Wahrheit

"Ich liebe ihn noch immer", ließ die 42-Jährige übersetzen und meinte, damit sei alles abgetan. Das aber war es nicht. "Mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen und das gleich fünf Mal?", hakte die Richterin nach. Die Frau verneinte und versuchte, jegliche Schuld von ihrem Freund abzuwenden.

Nahezu eine Stunde lang wurde nachgebohrt und darauf verwiesen, dass sie selbst die Polizei gerufen und konkrete Angaben zum Hergang der Gewalttätigkeiten gemacht habe. Dann riss Rowitha Stöber der Geduldsfaden. "Man kann in Deutschland ins Gefängnis kommen, wenn vor Gericht falsche Angaben gemacht werden", belehrte sie und erfuhr daraufhin quasi scheibchenweise, dass der Kopf des Opfers tatsächlich wiederholt an der Schlafzimmerwand landete. Allerdings nur zwei Mal, wie die Frau einräumte und wieder darum bat, ihr doch den Partner möglichst umgehend zurückzugeben.

Ob das stattfindet, wird sich zeigen müssen. Der 39-Jährige leidet an einer Schizophrenie, er ist wohl auch auf Medikamente angewiesen. In seiner dem Gericht vorgetragenen Antragsschrift geht Staatsanwalt Daniel Gold davon aus, dass der Mann aus Kasachstan eine fortdauernde Gefahr für die Öffentlicheit darstellt. Deswegen will er die Unterbringung.
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