40-Jähriger Sulzbach-Rosenberger wegen Ohrfeigen vor dem Amtsgericht
Box ist weg, Geldstrafe da

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
12.11.2014
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"Wunder gibt es immer wieder", hieß es einst in einem Schlagerlied. Ein solches Mirakel wurde von einem 40-Jährigen bemüht, der dem Amberger Amtsrichter Jan Prokoph nachdrücklich versicherte, dass er niemals einem Bekannten mehrere heftige Ohrfeigen versetzt haben könne. Der Grund: "Ich war gar nicht dort, wo das geschehen sein soll."

Schläge abgestritten

Schläge ins Gesicht, verabreicht am sogenannten Friedhofsberg in Sulzbach-Rosenberg. "Waren Sie das?", fragte der Richter den Angeklagten und bekam zur Antwort: "Auf keinen Fall. Ich war nicht am Tatort und habe den angeblich Geschlagenen davor schon wochenlang nicht gesehen." Also keine Hiebe ins Gesicht? "Gewiss nicht." Was dann passierte, war eindeutig. Der im März dieses Jahres misshandelte 24-Jährige trat als Zeuge auf und versicherte: "Er hat zugehauen." Worauf sich Richter Prokoph näher für das Geschehen interessierte und erfuhr: "Ich war zwei Tage zuvor bei dem in der Wohnung, habe meine X-Box dort vergessen und wollte sie wieder haben." Also habe er an der Wohnungstür geläutet, vorgesprochen, die "X-Box" aber nicht erhalten. Und dann? "Er hat mich verfolgt und geschlagen."

Die "X-Box" (Computer-Spielkonsole) ist bis heute spurlos verschwunden. Dieses Verfahren hatte die Staatsanwaltschaft zwar eingestellt, nicht aber die Ahndung der Schläge ins Gesicht des 24-Jährigen. "Der Mann ist glaubhaft", schilderte Richter Prokoph, nachdem der Zeuge gegangen war. Plötzlich gab es Zugeständnisse: "Ja, er war da." Hat er die "X-Box" bekommen? "Nein". Und Ohrfeigen? "Natürlich nicht." Worauf der Richter, irgendwie fassungslos, entgegnete: "Aber Sie haben doch eben erklärt, den Mann wochenlang nicht gesehen zu haben."

Strafbefehl akzeptiert

Totale Verwirrung. Was folgte, war der Hinweis von Richter Prokoph und Staatsanwältin Dr. Barbara Tutsch: "Es könnte teurer werden als im Strafbefehl, gegen den Sie Einspruch eingelegt haben." Der Angeklagte stöhnte und unterstrich: "Es ist nicht meine Art, Leute zu verprügeln." Dann aber nahm er seinen Einspruch zurück und akzeptierte eine Geldstrafe von 1350 Euro. Es war seine neunte Vorstrafe.
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