4500 Päckchen für den Balkan

Zu fünft sind Melanie Knarr, Rosi Jahn, Sabine Kolb, Uli Iberer und Isabel Gruber (von links) nach Banja Luka gefahren. Für Sabine Kolb war es eine Premiere. Sie war total beeindruckt, wie gut die Aktion funktioniert.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
15.01.2015
52
0
 
Bürger aus dem Landkreis haben die Päckchen für die Kleinkinder, Schüler und Jugendlichen in Bosnien-Herzegowina liebevoll hergerichtet. Für die Helfer der Aktion Pomoc ist es jedes Mal wieder ein Erlebnis, wie sehr sich die Mädchen und Buben freuen, wenn sie ihre Geschenke auspacken. "Wir kriegen die Freude ja direkt mit", erklärt Uli Iberer, der seit vielen Jahren die Aktion begleitet. Bilder: hfz

Der Bosnien-Krieg liegt lange zurück, doch die Lebensbedingungen für Menschen auf dem Balkan sind mancherorts immer noch katastrophal, die Not ist groß. Aber: Vergessen ist das Schicksal der Menschen nicht - dafür sorgt seit 1996 die Aktion Pomoc.

Jungen Menschen aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach waren der Krieg auf dem Balkan und das Schicksal der Menschen, die davon betroffen waren, eben nicht egal. Deshalb gründeten sie die Aktion Pomoc. Seit 1996 sammeln sie in der Adventszeit Päckchen, die Bürger aus der Region für Kleinkinder, Schüler und Jugendliche in Bosnien-Herzegowina befüllen und in Geschenkpapier hüllen, und bringen diese dann auf den Balkan.

Bei der jüngsten Aktion kamen wieder 4500 Päckchen zusammen. Ein Lastwagen brachte seine Fracht vor Weihnachten nach Bosnien-Herzegowina und lud sie in einer Lagerhalle ab. Nach dem Christfest machten sich Uli Iberer, Melanie Knarr, Rosi Jahn, Isabell Gruber und Sabine Kolb mit einem Kleinbus auf den Weg. Neun Stunden brauchten die Oberpfälzer bis nach Banja Luka, wo ihre Ansprechpartner der dortigen Caritas schon auf sie warteten. Erste Station, wo die Freiwilligen Päckchen verteilten, war eine Selbsthilfevereinigung für autistische Kinder. In persönlichen Gesprächen mit den Menschen erfuhren die Helfer, unter welch schwierigen Bedingungen manche Familie in Bosnien leben.

Diese Gespräche, aber auch die Erlebnisse und Erfahrungen bestärken die Freiwilligen aus der Oberpfalz, in ihren Bemühungen nicht nachzulassen und jedes Jahr wieder die Packerl-Aktion zu starten. Aber auch während des Jahres helfen die Akteure der Aktion Pomoc, zum Beispiel nach dem verheerenden Hochwasser im Frühsommer 2014, als in einer 70-Stunden-Aktion mehr als eine Tonne hochwertiger Hygiene- und Pflegeartikel in das Überschwemmungsgebiet gebracht wurden.

Freude direkt miterlebt

Nächste Station nach Banja Luka war Prnjavor im Norden des Landes. Dort warteten die Kinder bereits auf die Gruppe, die von Blazenka Lukunda von der Caritas aus Banja Luka begleitete wurde. Die Frau übersetzte auch. Zur Begrüßung sangen die Mädchen und Buben Lieder für die Gäste aus Deutschland. Darüber freuen sich Uli Iberer und seine Mitstreiter immer besonders. Und natürlich, wenn sie die Freude der Kinder miterleben. Oder die Dankbarkeit von Erwachsenen, dass Menschen aus dem fernen Deutschland ihren Kindern etwas schenken.



Fast hätte der Wintereinbruch die Pläne der Oberpfälzer, auch das rund eineinhalb Stunden von Banka Luka entfernte Jajce zu besuchen, durchkreuzt. "Die Strecke führt durch eine Schlucht und wegen des Schnees war es unklar, ob wir da hinkönnen", erinnert sich Uli Iberer. Doch da die Straßen halbwegs passierbar waren, startete die Gruppe. In der dortigen katholischen Pfarrei, die Franziskaner betreuen, wussten die Kinder gar nicht, dass die Oberpfälzer Päckchen dabei hatten - die Freude darüber war darum umso größer.

In Tuzla gaben die Helfer Päckchen in einem staatlichen Waisenhaus ab, verteilten sie aber nicht an die Kinder. Denn am Tag darauf richtete die Einrichtung eine Feier aus und überreichte die Geschenke. Da dort auch eine Hausaufgabenbetreuung angeboten wird, spendete ihr die Aktion Pomoc zwei Tische samt Stühlen. Letzte Station der Tour war ein Abstecher nach Bijeljina unweit der serbischen Grenze. Päckchen gab es direkt für Familien, die von den großen Überschwemmungen im vergangenen Jahr besonders betroffen waren, und für den örtlichen Pfarrer, der sie an orthodoxe Mädchen und Buben an deren Weihnachtsfest am 7. Januar weitergab.

Die 4500 Päckchen waren verteilt, die Oberpfälzer begaben sich wieder auf den Heimweg. 70 Kilometer vor Passau machte der Motor des Kleinbusses nicht mehr mit. Das Auto blieb in einer Werkstatt, im Zug ging's zurück nach Amberg. Die fünf Freiwilligen packten eine Flasche Sekt aus - und stießen auf das (trotz der Panne) gute Ende ihrer Fahrt an: "Wir waren alle total happy", erzählt Uli Iberer.
Weitere Beiträge zu den Themen: Hochwasser (3437)Januar 2015 (7957)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.