48-Jähriger Autofahrer muss sich vor dem Amtsgericht verantworten - Gutachten soll klären, ob ...
Der Baumschutzbügel, die Flucht und das Nachspiel

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
07.10.2014
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Die Prozesskosten könnten teuer für den Angeklagten werden. Und das alles wegen (geschätzt) 300 Euro Schaden, die an einem Baumschutz-Bügel entstanden. Besagter Bügel ist auf einem Platz in der Herzogstadt installiert, um einen in die Höhe sprießenden Stamm vor Beschädigungen zu bewahren. Das tat er auch. Nur nahm der Bügel dabei Schaden und verbog sich.

Nichts gemerkt

Das Ereignis, von eher marginaler Art, beschäftigt nun die Amberger Amtsrichterin Jacqueline Sachse. Vor ihr sitzt ein 48-Jähriger, der zwar einräumt, heuer in einer Februarnacht mit seinem Wagen am "Tatort" gewesen zu sein, ansonsten aber bestreitet, etwas gemerkt zu haben von einem Unfall. Den aber hielten Polizeibeamte für gegeben, schrieben eine Anzeige und lösten so staatsanwaltschaftliche Konsequenzen aus: 1500 Euro Geldstrafe und einen Monat Fahrverbot wegen Verkehrsflucht.

Ein Zeuge (bisher nicht vernommen, weil im Ausland unterwegs) hatte mitten in der Nacht aus seinem Zimmer im Dachgeschoss geblickt und einen weißen Wagen eher seltenen Typs bemerkt, der in unmittelbarer Nähe des verbogenen Bügels stand. Das meldete er dem örtlichen Polizeirevier. Zwei Beamte entdeckten dann bei einer Streifenfahrt eher zufällig ein Auto, auf das die Beschreibung zutraf, setzten zur Überprüfung an und stellten fest: Am Heck befanden sich Schäden, die zu passen schienen. Kam hinzu: Der befragte Halter ließ erkennen, dass er sich zur fraglichen Zeit unweit des Baumschutz-Bügels befand.

Doch rammte er das Metallrohr wirklich? "Ich habe nichts gemerkt", versicherte der 48-Jährige nun der Richterin und erhielt Unterstützung von seinem Begleiter, der damals mit im Wagen saß. Er wollte ebenfalls nichts von einem Anstoß wahrgenommen haben. "Sie müssten schon etwas gehört haben", entgegnete allerdings ein Kfz-Sachverständiger und erklärte der Richterin: "Die Schäden am Bügel und am Pkw passen genau zusammen."

Punkte in Flensburg

Damit schien alles geklärt. Doch die Causa "Bügel" geht weiter. "Über das Fahrverbot lasse ich mit mir reden", zeigte sich die Richterin verhandlungsbereit. Darauf kam es zwar dem 48-Jährigen primär an, doch hätte er lieber zusammen mit seinem Anwalt Michael Trummer eine Verfahrenseinstellung gegen Geldauflage gesehen. Auch schon wegen der bei einer Verurteilung drohenden Punkte in Flensburg. Da aber mochten weder die Staatsanwältin noch die Vorsitzende mitmachen.

"Es könnte teurer werden", gab Richterin Sachse zu bedenken. Gleichwohl aber geht dieser Unfallflucht-Prozess weiter. Der Gutachter soll nun seine Expertise überarbeiten und genaue Vermessungen vornehmen. Auch der aus seinem Dachfenster blickende Mann muss gehört werden. Dazu sind zwei weitere Verhandlungstermine anberaumt.

Bleibt also abzuwarten, ob die Angelegenheit des Baumschutz-Bügels niedergebügelt oder mit stattlichen Kosten für den Beschuldigten enden wird.
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