A Busserl vom Hutzawackl

Der Mundart-Poet an sich ist Dieter Radl, der stets sein Publikum verzaubert mit den alten Geschichten.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
20.10.2014
6
0

Wenn die Sau sich im Dreck wälzt und im Wald die Fichte fällt, dann sind die "Original Bauernsfünfer" nicht weit: Die Mundart-Poeten sangen und spielten sich im "Alten Fritz" in Haunritz in die Herzen der Besucher.

Dazu erklärte Profi-Dichter Dieter Radl dem Saal in bestem Sulzbacherisch, wie es nach dem Krieg zuging bei uns. Und die Sau an sich kam noch öfter zu Ehren. "Fährt der Bauer aus zum Jauchen, wird er abends Deo brauchen!": Deftig, aber immer echt oberpfälzisch ging es zu, denn für Mundart und Kleinkunst zeichneten echte Experten verantwortlich: die "Original Bauernsfünfer" und Dieter Radl.

In den Sperrsitz

Wirklich gesteckt voller Fans und brodelnder Erwartung präsentierte sich der Saal, und die drei Akteure boten denn auch ein einzigartiges Programm. Dieter Radl, bekannter Mundart-Dichter, erinnerte sich an einen Familien-Arbeitsausflug "ins Holz" in der Nachkriegszeit, mit Kind und Kegel, mit Ameisenbissen, Schwammerlsuchen, "Kraglreißen", Stecken klauben, aber auch "Baamstumpfklöibn" und das Stück Brot zwischendurch. Auch ins Kino, in den Sperrsitz im alten "Capitol", entführte er seine Zuhörer, erzählte gekonnt von den ersten Busserln im Dunkeln.

Radl ließ mit der Geschichte vom "Peterhier" ein Original, den unvergessenen Grünthaler-Peter wieder aufleben, skizzierte gekonnt die Quintessenz einer Kirwa, erklärte die Technik der Zäpfchen-Anwendung als Nachbarschaftshilfe und bedachte den alkoholgeschädigten Kanari seiner Großmutter, dem er Schnaps ins Wasserschüsserl gekippt hatte, mit der Bemerkung: "Des kummt dava, wemma zviel zwitschat!"

Legendäre Begebenheiten aus der Nachkriegszeit sind seine Spezialität, das Mundart-Reimen ist seine Berufung. Der Saal, zu gut einem Drittel mittelfränkisch besetzt, verstand trotzdem alles und applaudierte frenetisch - einfach ein Genuss, diese Spitzbübereien der Lokalgeschichte. Einer der Höhepunkte: der auf die Wirtshaushockel umgedichtete Kinder-Abzählreim mit dem tragischen Ende "Zinta, Sanka, aus!" - jedesmal ein Erlebnis.

Die inzwischen in ganz Bayern bekannten "Bauernsfünfer", bestehend aus Uli Radl und Dominik Niklas, pflegen ihren eigenen Stil: Gehaltvolle Kompositionen von hoher musikalischer Qualität kombinieren sie mit hintergründigen Mundart-Texten ländlicher Prägung, unaufdringlich, manchmal melancholisch, aber mit Fortschritt des Abends zusehends deftiger. Das Publikum dankte es ihnen, ging begeistert mit und verbrachte einen hochvergnüglichen Abend.

Ausflug bis nach Nordafrika

Die "Hulzfix" kamen zu Ehren, die unentwegten Säger und Fäller im Wald, aber auch das Borstentier im Stall: "I mooch mei Sau so gern, däi derf mei G'reicherts wern!" Und der "Hutzawackl" bedroht nach wie vor in Weißenberg die Kinder, die nicht pünktlich im sieben Uhr ins Bett gehen.

Ein echter Höhepunkt war dann der Bericht über einen Bauernsfünfer-Ausflug nach Süden, quasi bis Nordafrika, an ein Meer namens "Chiemsee". Dort hörten die beiden Musiker einen afrikanischen Dialekt vor dem Wirtshaus: "Heygeyduassaoderikummeine!", ein tolles Lied, präsentiert mit virtuoser Klarinette von Dominik Niklas und der Gitarre des auch Quetschn spielenden Uli Radl.

Ein halber Musikladen

Überhaupt die Instrumente: Ein halber Musikladen stand da auf der Bühne, vom Bass-Klarinettl und Saxophon über die Melodika und das Keyboard bis zur Loop-Maschine "Kevin", die oft das Grundgerüst der Lieder lieferte. "Bauernsfünfer" bedeutet immer auch feinste Musik von zwei echten Experten, die ihren Stil gefunden haben, abseits von krachender Bierzelt-Gaudi oder esoterischem Gesäusel.

Originell kam die Geschichte vom übelriechenden Ziegenbock des Wirtes rüber, der in den radlschen Garten eingebrochen war: "Goaßbock, Goaßbock, locker bleim, niat glei alles übertreim, fang mit deiner Wiesn aa, laou des Groos vom Nachbarn saa!"

"Hob i meiner Letta koi Guad niat dou" beendete den perfekten Abend, und die drei Akteure nahmen die Huldigungen des hochzufriedenen Publikums entgegen - nicht ohne auf ihre neue CD "Leibspeis" hinzuweisen. Diese bietet gewohnte Qualität aus dem Leben zwischen Kuhstall und Bulldog. Achtung: Wer sie nicht hört, den holt vielleicht der "Hutza-wackl".
Weitere Beiträge zu den Themen: Haunritz (203)Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.