Abseits des Dur-und-Moll-Einerleis

Musikstudent Andreas Schmidt, derzeit in Weimar, einst Schüler an der Konrad-Mayer-Straße, spielte die Cembalos ausgezeichnet. Bild: gf
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
14.10.2014
15
0

Die überregional renommierte Berufsfachschule für Musik des Bezirks Oberpfalz ist immer wieder für Überraschungen gut. So einmal mehr beim barocken Cembalo-Konzert. Dieser Abend hätte mit Sicherheit auch gut zum höfischen Leben im Sulzbacher Schloss gepasst.

Ein rotes und ein grünes Cembalo auf der Bühne (Nachbauten barocker Tasteninstrumente), wie von Bodyguards beschützend eingerahmt von zwei schwarzlackierten modernen Konzertflügeln: Ein nicht alltägliches Kontrastbild. Möglich gemacht hat das ein talentiertes Sulzbach-Rosenberger Eigengewächs: Musikstudent Andreas Schmidt, derzeit in Weimar, einst Schüler an der Konrad-Mayer-Straße.

Erlesene Barockmusik

Vor diesem Bühnenbild begrüßte Direktor Benedikt Boßle das vielköpfige Publikum im Konzertsaal - zum ersten reinen Cembalo-Abend in der Geschichte seiner Schule. Diese Serenade könnte durchaus am örtlichen Herzogshof stattgefunden haben: Es erklang erlesene Barockmusik vornehmlich aus der Zeit der Sulzbacher Pfalzgrafen um 1650 bis 1750.

Andreas Schmidt ließ die Gäste an seiner Begeisterung für das Cembalo teilhaben - mit Gewinn: Demonstrierte er doch wirkungsvoll, wie man dessen Tasten aus dem Ghetto reinen Continuo-Daseins herausführen kann. Mehrmals wechselte der junge Künstler vom roten ("italienischen") zum grünen ("deutschen") Cembalo, beide in unterschiedlichen "Temperaturen" gestimmt und verschiedene Generationen barocken Instrumentenbaus verkörpernd. In abwechslungsreicher Registrierung erklangen sechs Kompositionen. Der Auftakt war eher introvertiert gestaltet mit einer Suite aus der Feder einer Dame, Elisabeth-Claude Jacquet de La Guerre. Sie hatte das Licht der Welt 1665 erblickt, zeitgleich mit dem ersten Sulzbacher Lichtenthaler-Druck.

Anmutig und fast immer sehr akkurat musiziert, wie auf jede einzelne Note konzentriert, formte Andreas Schmidt kontrapunktische und monodische Strukturen, Arpeggi, Läufe, Ornamente zu eindrucksvollen Kunstwerken. So auch bei Johann Jakob Frobergers "Partita" über ein traditionelles Tanzlied. Kurz nach Ende des Dreißigjährigen Kriegs entstanden (1649), strahlten die einzelnen Sätze gelöste Feststimmung aus.

In die rudimentäre Notation eines "Tabulaturbuchs" aus der Renaissance konnten die Konzertgäste mit dem Komponisten Bernhard Schmid d.Ä. (1535-1592) blicken. Dazu wurde die Stimmung des Instruments eigens zur "Mitteltönigkeit" hin variiert. Der Habitus norddeutschen Hochbarocks dagegen wurde durch Dietrich Buxtehudes (ca. 1637-1707) "Suite in d" gegenwärtig.

Größeres Volumen

Hier nun kam das noch größere Volumen des zweiten, dem 18. Jahrhundert nachgeahmten "deutschen" Cembalos zur Geltung, ebenso wie bei Johann Sebastian Bachs (1685-1750) "Toccate in d". Dazwischen erklang noch einmal das "italienische" Instrument, mit einer vor genau 350 Jahren publizierten "Ciacona in C" von Bernardo Storacce. Ihr erfrischender, komplexer Rhythmus bereicherte das Programm.

Es war ein Abend weg von der heutzutage gewohnten Dur- und Moll-Tonalität, und - in der Lebendigkeit des jugendlichen Vortrags - auch abseits von der toten Perfektion handelsüblicher Musikkonserven. Nicht nur Kenner und Liebhaber kamen hier auf ihre Kosten, für die übrigen Gäste war es eine didaktisch wertvolle "Musikstunde" in der Berufsfachschule. Wie schön, dass man solchen Raritäten dort "Raum gibt".
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9311)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.