Achtung vor der Kreatur

Konrad Esterl, bekannter Autor und Berufsjäger a.D., erzählte seine einmaligen Jagdgeschichten. Den Hirschruf, den er dabei hatte, schenkte ihm einst der Oberforstmeister Walter Frevert. Bild: Gebhardt
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
24.06.2015
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Gar seltsame Geräusche drangen aus dem Wulfen-Saal: Ein Krächzen und Röhren, ein Pfeifen und Klackern, dass man meinen konnte, die Wilde Jagd sei losgebrochen. Und in der Tat, es war die Jagd: Konrad Esterl, Bayerns bekanntester Waidmann, erzählte aus seinem wilden Leben, die grüne Zunft lauschte ergriffen. Und beneidete stillschweigend den Senior um seine Erlebnisse.

(ge) "Er ist die wohl schillerndste Figur der bayerischen Jägerschaft, er ist leidenschaftlicher Volkssänger und erfolgreicher Buchautor, den Lockruf des Hirsches beherrscht er wie kaum ein anderer", schreibt die Presse über ihn, den jetzt 79-jährigen ehemaligen Berufsjäger. Konrad Esterl, einst jüngster Wildmeister Bayerns, hat am Spitzingsee und im Ebersberger Forst riesige Reviere betreut.

Begnadeter Erzähler

Bekannt ist der Autor von sieben Büchern aber auch für seine Wildlockrufe. Fast jedes Geschöpf in freier Natur kann er nachahmen, logischerweise am besten klappt das mit dem jagdbaren Wild. Denn Esterl bringt jeden Rehbock, jeden Hirsch und jeden Auerhahn dazu, sich zu zeigen und näherzukommen. Beim Wulfen in Kauerhof half ihm dabei ein kleines Mikrofon am Trachten-Revers samt Sender an der Lederhose. Lore Kaiser, Vorsitzende der Jäger-Kreisgruppe, hatte den Veteranen eingeladen, und die Waidmänner wurden nicht enttäuscht: Der begnadete Wortgestalter hielt keinen Kurs im Fach Lockjagd ab, wie zu vermuten gewesen war - er erzählte im besten oberbayerischen Dialekt einfach seine beeindruckendsten Jagderlebnisse. Und das waren nicht wenige.

Konrad Esterl schilderte, wie er mit hohen Politikern und Wirtschaftsführern, aber auch einfachen Handwerkern und anderen Jagdgästen auf Hirsch, Hahn oder Gams waidwerkte. "Bei mir wird aber jeder Jagdgast gleich behandelt", stellte er klar.

Weil er dabei den Ablauf der Jagd mit vollem Körpereinsatz nachvollzog und auch die akustische Seite blendend darstellte, geriet dieser Abend zu einem Erlebnis: Da röhrt der suchende oder kampfbereite mächtige Hirsch, da knappt und schleift der Auerhahn, klappert der Keiler mit seinem gefährlichen Gebiss. Der Eichelhäher warnt, die Rehgeiß sucht und die Hasenklage lockt den Fuchs.

Massiv für Jagdethik

Eines kam bei aller Präsenz aber auch ganz klar heraus: Waidgerechtigkeit geht Esterl über alles. Wegen einer Politik der überhöhten Abschüsse im Bergwald hat er sein geliebtes Revier einst verlassen. Aber auch im flachen Ebersberger Forst wandte er sich gegen massive Drückjagden und Rekordabschüsse.

Eigene Fehler zugegeben

Esterl schilderte auch glaubhaft eigene Fehler, als er etwa bei der nächtlichen Nachsuche auf einen angeschossenen Keiler plötzlich unter die angreifende Sau geriet und schwer verletzt wurde. Er geißelte aber auch massiv die Einrichtung des Saufangs, in dem Wildschweine zum Zwecke der Erlegung getrieben werden: "So darf man Schwarzwild nicht behandeln, überhaupt keine Kreatur hat so etwas verdient!"

Schwere Arbeit

60-Stunden-Wochen ein halbes Jahr, Futter in die Berge schleppen, das Wild durch den Winter bringen, voller Einsatz auf der Jagd und trotzdem noch Familienleben, Gesang, Volksmusik, Bücher schreiben und Vorträge halten - Konrad Esterl hat viel erlebt und gibt es gerne weiter.

Gelernt haben die Jäger von diesem Abend, dass die Achtung vor der Kreatur auch in Zeiten massiver Schwarzwildbejagung nicht verloren gehen darf. Denn eines, so vermittelte Konrad Esterl glaubhaft, zeichnet den wahren Jäger unbedingt aus: die Waidgerechtigkeit. Er hat dieses Grundgesetz mit geprägt.
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