ADAC und DFB keine Religionen

Bischof Rudolf Voderholzer (Mitte) feierte mit vielen Gläubigen einen festlichen Pontifikalgottesdienst als Abschluss der großen Visitation. Weiter im Bild (von links) Pfarrer Josef Irlbacher, Regionaldekan Ludwig Gradl, Dekan Walter Hellauer und Kaplan Franz Becher.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
22.10.2015
7
0

Hoher Besuch in der Herzogstadt: Bischof Rudolf Voderholzer weilte am Ende der großen Visitation des Dekanats Sulzbach-Hirschau im Landkreis. Während des Pontifikalgottesdienstes lobte der Oberhirte das große Engagement und das vertrauensvolle Miteinander in den Pfarrgemeinden.

(lz/bba) Der Christ dürfe sich neuen gesellschaftlichen Herausforderungen, wie der Flucht vieler Menschen stellen. Weiterhin mahnte der Würdenträger die Oberflächlichkeit im Glauben an: Der Christ dürfe und solle zu seinem Glauben stehen, sich zu ihm bekennen und auch über ihn reden.

Mit dem Einzug in die Stadtpfarrkirche St. Marien, begleitet von Geistlichen und pastoralen Mitarbeitern aus dem Dekanat sowie Bannerabordnungen und den Ministranten, begann der Gottesdienst, zelebriert von Bischof Rudolf. Unter Leitung von Dekanatskirchenmusiker Steffen Kordmann erlebten die zahlreichen Gläubigen eine feierliche Gestaltung durch die "missa parochialis" für sieben Kirchenchöre und das Blechbläserensemble St. Marien unter Leitung von Maria Boßle.

Vor Augen geführt

Regionaldekan Ludwig Gradl (Dreifaltigkeit, Amberg) eröffnete die Eucharistiefeier und der Bischof skizzierte den Tagesablauf anlässlich der großen Visitation im Dekanat. Beim Besuch des Caritashauses St. Barbara, der Synagoge oder des Literaturarchivs sei ihm ein Stück der stolzen Geschichte der Herzogstadt vor Augen geführt worden. Die Vesper in der Klosterkirche St. Hedwig und der Austausch in der Dekanatsrunde waren weitere Programmpunkte vor dem Pontifikalgottesdienst. Nach der Lesung aus einem Brief des Apostels Paulus an die Römer und einer Perikope aus dem Johannes-Evangelium erklärte der Vorsteher des Bistums die Bedeutung einer großen Visitation, die sich vom lateinischen Begriff "visitatio" ableite. Der Würdenträger stellte den Pfarreien ein "ausgesprochen gutes Zeugnis" aus. Er bedankte sich bei Regionaldekan Gradl, den er mit dem Besuch beauftragt hatte. Das "Vergelt's Gott" gehe sowohl an Alle, die in der Hauptverantwortung für die Seelsorge stehen, als auch an die vielen Gläubigen in den Pfarreien. Voderholzer freute sich, dass im Dekanat ein gutes Miteinander herrsche und alle an einem Strang ziehen. Er lobte die Arbeit in Vereinen und Verbänden vor Ort sowie Familien, in denen Eltern und Großeltern Kindern und Enkeln ein Zeugnis des Glaubens vorlebten.

"Wir leben in einer sehr bewegten Zeit, die uns vor große Aufgaben stellt", so der Bischof weiter. Die stille, konsequente und nachhaltige Hilfe, die fremde Menschen auf der Flucht hier in der Region erfahren dürften, imponiere ihm. Die angebliche Islamisierung bereite keinerlei Sorgen, viel mehr dagegen ein christlich geprägtes Abendland, das sich zu verlieren drohe.

Fünf Mal am Tag

Muslime, die zu uns kommen, wollen nicht das Abendland "erobern". Sie seien auf der Flucht vor terroristischen Gruppen und Opfer gewalttätiger Zirkel. Deutschland sei zwar ein reiches Land, aber welche Rolle spiele der Glaube noch?, das hinterfragte der Bischof angesichts mäßig besuchter Gotteshäuser. Während Muslime fünf Mal am Tag beten, bekomme mancher Christ dabei große Augen und wisse teils gar nicht mehr, dass das dreimal tägliche Läuten der Kirchenglocken zum Gebet einlade.

Es dürfe in unserer Gesellschaft nicht der Eindruck entstehen, dass DFB und ADAC die "größten Religionsgemeinschaften sind", appellierte Voderholzer an einen gewissen Tiefgang im eigenen Glauben. "Was ist uns eigentlich heilig?", fragte er. "Hat der Sonntag noch seine Bedeutung oder verändert er sich an verkaufsoffenen Sonntagen mehr zu Prozessionen von Geschäft zu Geschäft?" Aus der Eucharistie könne der Mensch Kraft schöpfen für den Alltag und der Christ dürfe selbstbewusst und froh über das sein, was er selbst habe.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.