AfD-Vorstand schmeißt hin

Ein Kreisvorstand steigt geschlossen aus und kehrt der Partei auch noch den Rücken. Für sie ist die AfD in ihrer neuen Form keine Alternative für Deutschland mehr: Winfried Sima, Barbara Brosch und Theodor Frisch (von links), Jeanette Kamrowski und Thomas Gräf (Fünfte und Sechster von links). Weil dieses Bild entstand, als das Führungsgremium noch in Amt und Würden war, sind darauf auch Werner Meier (Vierter von links) und Michael Göschel (rechts) vom Landesvorstand zu sehen. Bild: hfz
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
11.07.2015
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Jetzt werden an der Basis die Konsequenzen gezogen: Der Vorstand des AfD-Kreisverbandes ist geschlossen zurückgetreten. Die bisherige Vorsitzende Barbara Brosch wird zum Abschied sehr deutlich: "Das Projekt, die AfD als eine bürgerlich-freiheitliche Partei zu etablieren, sehe ich als gescheitert an."

Barbara Brosch aus Sulzbach-Rosenberg ist persönlich sogar noch einen Schritt weitergegangen: Sie hat zugleich ihren Austritt aus der Partei erklärt. "Als seriöses Feigenblatt einer Pegida-Partei oder einer deutschen Front National zu dienen, dazu bin ich nicht bereit", unterstreicht sie in einer der Redaktion zugeleiteten Presseerklärung.

Alle verlassen AfD

Der kollektive Rücktritt des Kreisvorstandes erfolgte Anfang der Woche. Nicht nur die bisherige Chefin kehrt der Alternative für Deutschland den Rücken. "Die anderen Vorstandsmitglieder werden diesen Schritt in Kürze ebenfalls gehen", kündigte Brosch an. Dies sind ihre beiden Stellvertreter Theodor Frisch (Velburg) und Jeanette Kamrowski (Deining), Schatzmeister Thomas Gräf und Schriftführer Winfried Sima (beide Amberg).

Parteitag ausschlaggebend

Brosch hält mit ihrer Meinung über die jüngste Entwicklung bei der AfD nicht hinterm Berg: "Die Reden auf dem Bundesparteitag vom 4./5. Juli in Essen und der tumultartige Verlauf haben deutlich gemacht, dass die neue Richtung nicht der Fortbestand einer konstruktiven und konservativ-liberalen Alternative sein wird, sondern die einer populistischen rechten Sammlungsbewegung."

Die Alternative für Deutschland sei vor fast zweieinhalb Jahren angetreten, um einer "angeblich alternativlosen Politik der Altparteien" die Stirn zu bieten, erinnert Brosch und hält in diesem Zusammenhang fest: "Themen wie die verfehlte Euro-Rettung, Bürgerentscheide nach Schweizer Modell, die Ablehnung einer Finanzpolitik, die nachfolgende Generationen mit immer höheren Schulden belastet, oder eine sachgerechte Einwanderungs- und Asylpolitik standen im Mittelpunkt der politischen Arbeit." In diese AfD seien viele Bürger "begeistert eingetreten". Der Kreisverband Amberg/Neumarkt, im Januar 2014 gegründet, hatte laut Barbara Brosch zuletzt knapp 60 aktive Mitglieder.

"Rechtspopulistisch"

In den vergangenen Monaten seien die originären Themen durch eine überzogene Islam- und Zuwanderungskritik verdrängt worden, beklagt Brosch. Sie sieht die AfD auf dem Weg zu einer rechtspopulistischen Protestpartei, die lediglich mit Schlagworten wie "Gegen Zuwanderung", "Gegen Berufspolitiker", "Gegen die EU", "Gegen Amerika", "Für Russland", "AfD als Pegida-Partei" Mitglieder und Nicht-Wähler ansprechen wolle.
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