Als Bäume im Schlosshof wuchsen

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
08.08.2015
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Ein altes Bild ist aufgetaucht bei einem Sammler, und es erlaubt einen Blick zurück in eine doch relativ dunkle Zeit: Einheitlich gekleidete Frauen ziehen ihre Runden im Schlosshof. Die Aufnahme entstand 1905 und zeigt Insassinnen des damaligen Frauengefängnisses.

Anlässlich dieses Fundes lohnt sich einmal ein Blick in die Geschichte des Schlosses: 1861 erwarb der bayerische Staat die Schlossgebäude von J.E. von Seidel zurück und verwendete sie nach umfangreichen Veränderungen und Einbauten von 1862 bis 1909 als Strafanstalt für weibliche Gefangene.

Und die Stadtgeschichte "Eisenerz und Morgenglanz" weiß noch mehr: In der Schlosskapelle wurde 1862 das Kreuzrippengewölbe eingeschlagen und eine Zwischendecke eingezogen. Die vermutlich ab 1618 im Südteil des oberen Schlosshofs errichteten Gebäude mit Apotheke, Küche und Silberkammer wurden abgebrochen und 1880 durch einen Zellenbau ersetzt.

Der Gefängnistrakt in seiner geraden, harten Form, wie er sich heute noch dem Besucher präsentiert, konnte den lebendigen, bogenförmigen Abschluss des Schlosshofs nicht ersetzen, den die alten Gebäude mit dem oberen Tor einst bildeten. "Der Eindruck des Schlosshofs in seiner ursprünglichen Form ging so für alle nachfolgenden Generationen verloren", bedauert die wissenschaftliche Autorin Elisabeth Vogl.

Infanterie-Garnison

Bei den Sanierungsarbeiten wurde der später veränderte Zellentrakt wieder in seine ursprüngliche Form versetzt, mit den originalen Fensteröffnungen und dem Mittelgang. Auch dieses Gebäude dokumentiert ein Stück Baugeschichte des späten 19. Jahrhunderts.

Von 1909 bis 1913 stand das Schloss leer und verkam zusehends. Ab 1913 waren dort Kanzleien des II. Bataillons des Infanterieregiments 21 untergebracht und nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ein Rekruten-Depot.

Nach dem Verlust der Garnison im Jahre 1918 wurde das Schloss am 31. Juli 1919 für die Einrichtung einer Festungshaftanstalt bestimmt, die am 2. Oktober 1920 in eine Gefangenenanstalt umgewandelt wurde. Die Belegungsfähigkeit betrug zu dieser Zeit 300 Gefangene. Von 1931 bis 1940 war ein Teil des Schlosses Wohnheim für Schülerinnen des evangelischen Mädchenlyzeums.
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