Als in Vilseck die Malaria tobte

Der 44. Band des "Eisengaus" kann am Vortragsabend, bei Buchhandlungen, der Touristinfo im Vilsecker Rathaus und bei Georg Pickl in Kastl erworben werden. Bild: hfz
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
20.11.2015
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Warum kam es in der Oberpfalz noch vor 150 Jahren regelmäßig zu Malariaepidemien? Wie wurde Mitte des 19. Jahrhunderts Kirchweih gefeiert? Antworten auf diese Fragen liefert der neue Band des "Eisengaus".

Genauer gesagt sind es die bayerischen Physikatsberichte von 1860/61, die den Leser wie keine andere historische Quelle in die Lebenswelt der ländlichen Oberpfalz am Beginn der Industrialisierung versetzen. Dahinter steht ja auch bayerische Landespolitik: Mitte des 19. Jahrhunderts bestieg Max II. Joseph den Thron. Es galt, die industrielle Entwicklung des agrarisch geprägten Bayern voranzutreiben. Dazu war es nötig, die geographischen und kulturellen Eigenheiten jedes einzelnen Landgerichtsbezirks zu erfassen. Die Physikatsärzte, im Landgerichtsbezirk Vilseck Dr. Ernst Seidenbusch, waren dafür prädestiniert.

Von klimatischen Eigenheiten und geologischen Merkmalen über Flora und Fauna bis hin zu Alltagskultur und hygienischen Zuständen zeichnen die zuständigen Ärzte in ihren Berichten das lebendige, nicht selten kontroverse Bild eines vorindustriellen Bayern. Gemeinsam mit Studierenden der Universität Regensburg hat der gebürtige Vilsecker Dr. Manuel Trummer den Physikatsbericht seiner Heimatstadt erstmals transkribiert und im neuesten Band des heimatkundlichen Periodikums "Der Eisengau" veröffentlicht.

Bei der Vorstellung morgen um 19.30 Uhr durch die Regionalgruppe Amberg des Historischen Vereins wird Trummer die Hintergründe erläutern und durch Leseproben einen Einblick in die Stadt Vilseck vor 150 Jahren geben. Eines vorweg: Ursache für das Wechselfieber, eine Art Malaria, waren die vielen Sümpfe rund um den Stadtweiher - mit ein Grund für die Trockenlegung. Außer dem Physikatsbericht beinhaltet der "Eisengau" einen Artikel über den Flugzeugabsturz bei Garsdorf am 9. April 1945, recherchiert und geschrieben von Helmut Birner. Johann Georg Heigl befasst sich in einer umfangreichen Arbeit mit dem Kastler Recht, dessen Ursprung und Weiterleben.

Archäologe Mathias Hensch beschreibt den Fund des ersten Rennofens in Amberg und Dieter Dörner versucht, Licht ins Rätsel der Riefen und Schüsselchen an Kirchen und Profanbauten zu bringen. Die Buchvorstellung ist im Zehentstadel der Burg Dagestein. Der Eintritt ist frei.
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