Als Max im Sterben lag

Zwei, die ihre Liebe zur Heimat zum Ausdruck bringen: Sepp Lösch, der Erzähler und Bernhard Luber, der Musikant. Bild: hka
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
23.10.2014
11
0

"Rosenberg ist mein persönliches Kraftfeld", sagt Sepp Lösch. Die Kraft braucht er auch für die vielen Dinge, die er tut. Der "Rosenberger Patriot" arbeitet in Vereinen, macht den Fastenprediger und spielt den Albrecht Stiber. Und er kennt sich aus im "Dorf" und weiß eine Menge Geschichten.

Von "Rose, Eisen und Berg" erzählte er in der Scheune des Stadtmuseums, musikalisch unterstützt von Bernhard Luber. Er war nicht der Bruder Barnabas an diesem Abend und auch nicht der mittelalterliche Hauptmann. Er war Geschichtenerzähler an seinem kleinen Tisch mit der Leselampe, der historisch Belegbares verbindet mit seiner eigenen Vorstellungskraft, Realität mit Fiktion, und gut zwei Stunden lang die bewegte Vergangenheit seiner Heimatstadt zum Leben erweckt.

Die Scheune war der passende Raum für diesen Abend, aber dem Ansturm der Gäste nicht gewachsen. Gerade dass Bernhard Luber, der musikalische Begleiter, mit seiner Knopfharmonika noch einen freien Stuhl ergatterte, Altbürgermeister Gerd Geismann, den Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer als "Vater des Stadtmuseums" begrüßte, hatte da weniger Glück. Mangelnder Platz ist laut Lommer insgesamt das Problem des Museums: Viele Objekte, zum Teil von der Bevölkerung geschenkt, seien in Gefahr zu verrotten, anstatt pflichtgemäß erhalten zu werden.

Eine Reise zurück

Bernhard Luber eröffnete den Abend mit Oberpfälzer Stückln, bevor Sepp Lösch auf eine Reise ging, zurück in die Zeit, als Kelten an einem Berghang Steine in einen Lehmofen warfen, aus denen glühendes Eisen wurde. Wilde Rosen wuchsen an diesem Berg, die 1500 Jahre später einem Dorf und einer Burg ihren Namen gaben: Rosenberg und der Rosenburg. 1253, so Lösch, wurde "Rosenberch" erstmals urkundlich erwähnt, die Rose wurde zum Eisenzeichen der Rosenberger Hammerherren. Jahrhunderte später schloss sich der Kreis: die Rose kam in das Rosenberger Gemeindewappen, zusammen mit dem Schlägel und Eisen der Berg- und Hüttenleute.

Eisen und Berg

Das Kapitel Eisen und Berg, nahm den größten Raum ein. Es gelang ihm, einen Bogen zu ziehen von den Schmiedekünstlern im Mitteleuropa des achten Jahrhunderts vor Christus bis hin zum heute sogenannten "Ruhrgebiet des Mittelalters", der Oberpfalz. "Die Verwandlung vom gewöhnlichen brauen Stein zum glänzenden Metall ist vielen wie Zauberei erschienen", erklärte er und zeigte auf, dass die Herstellung von Eisen in den Jahrhunderten vor Christi Geburt alle Bereiche des Lebens verändert hat. Anspruchsvoll und informativ waren auch die Ausführungen über den Bergbau und die Eisenhämmer des Mittelalters. Im 14.und 15. Jahrhundert erlebten diese eine ungeahnte Blüte: "Die Hammerherren Kastner, Sauerzapf, Stiber und Doles gehörten zu 203 Eisenhämmer-Familien mit 1600 Beschäftigten". Der dreißigjährige Krieg aber vernichtete die Bergbau- und Eisenindustrie fast vollständig, das oberpfälzische Hüttenwesen hatte seinen überragenden Platz verloren.

Im letzten Teil kam Lösch zu der Zeit, die er selbst teilweise noch erlebt hat, die der Maxhütte. Köstlich die Erinnerungen, die ihm der Rosenberger Adolf Schweininger überlassen hat, wenn die Hüttenarbeiter in den alten Rosenberger Wirtshäusern die Schicht haben ausklingen lassen. Gespannte Aufmerksamkeit im Raum, als es um den Aberglauben im Bergbau ging: "Hinterm Ort lauata" wurde die stete Gefahr Untertage beschrieben oder das Gerücht, dass nach einem Wassereinbruch noch Tote vermisst werden, die "keinen an sich ran lassen". Ganz anders dann wieder der Brauch der Bergleute, jedem einen Spitznamen zu geben, zum Beispiel "Pfeiferlsteiger" oder "Odlfoßheiner", Namen, die Helmut Heinl, Vorstandsmitglied des Museums-Förderervereins, zusammengetragen hat.

Feuer und Rauch

Voll in seinem komödiantischen Element war Sepp Lösch bei der Geschichte mit dem Drachen, spannte seine Zuhörer auf die Folter, bis klar wurde, dass der feuer- und rauch spuckende Drache Max war, der "55 Jahre in der Hütte friedlich in meiner Nachbarschaft gelebt hat". "Am 23. September 2002", so der Rosenberger, "sah ich von meinem Garten aus, Max liegt im Sterben, und ich schämte mich nicht für meine Tränen".

Berhard Luber verband die Geschichten mit bodenständiger Musik, spielte auf seiner Knopfharmonie vom "Fuhrmann, dem schwaren", vom "echten Waldler" und anderen Typen, ließ den Oberpfälzer Menschenschlag an- und auftreten.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9311)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.