Altstadtfest mit Nachwehen

Liegestühle, Cocktails, Sonnenschirme und heiße Musik - damit haben sich Hans Lauterbach und Hubert Heinl an dieser Stelle schon etabliert, bevor es das links davon gelegene B 1 gegeben hat. Inzwischen aber bezahlt Beatrix Hierstetter das ganze Jahr über Miete für diesen Platz schräg vor ihrem Café, muss ihn aber zum Altstadtfest räumen. Bild: hfz
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
16.09.2015
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Sie bezahlt das ganze Jahr Miete für den Platz schräg vor dem B 1. Zum Altstadtfest aber muss sie Tische und Bestuhlung wegräumen. Beatrix Hierstetter, seit sechs Jahren Café-Betreiberin an der Rosenberger Straße, ist sauer. Wie Hans Lauterbach - er ist hier beim Fest mit Liegestühlen und Partymusik für vorwiegend junges Publikum vertreten - er will nicht weichen!

"Ich arbeite 70 Stunden die Woche, da geht es gerade noch so um", beschreibt Beatrix Hierstetter, warum ihr das Thema so unter den Nägeln brennt. Mit ihrem Lokal, so ist sie sich sicher, setze sie seit dessen Bestehen Akzente in der Herzogstadt und sorge für Abwechslung in der gastronomischen Landschaft. Alleine, die wärmere Jahreszeit bereite ihr Sorgen, sie spricht gar vom "Sommerloch". Dieses zumindest teilweise zu füllen, dazu wäre das Altstadtfest in ihren Augen sehr gut geeignet: "Da könnte ich mein Café als solches zusätzlich vielen Gästen präsentieren, die unter dem Jahr nicht hier vorbeikommen."

Sekt und Aperol

Sie versichert, dass es ihr nicht nur darum gehe, während des Altstadtfestes möglichst viel Reibach zu machen. Für sie stehe die Präsentation des Lokals im Vordergrund. Deshalb habe sie eine Offerte Lauterbachs abgelehnt, der ihr einen Wagen angeboten hatte, "in dem hätte ich Sekt und Aperol verkaufen sollen, um so an seinem Erfolg zu partizipieren". Nicht zugesagt habe sie, weil ein solcher Stand halt nicht zum Flair ihres Cafés passe - ebensowenig die laute Musik, die von Lauterbachs Partyrummel ausgehe.

Wunsch unerfüllt

Hierstetter hatte ihr Anliegen bereits 2011 in einem Schreiben an Bürgermeister und Stadtratsfraktionen herangetragen und vom damaligen Stadtoberhaupt Gerd Geismann die Auskunft erhalten, dass ihr ja schon 2010 direkt vor ihrem Lokal eine Stellfläche für eine Biertischgarnitur und sieben Meter Verkaufsthekenlänge genehmigt wurde. Zudem sei die von Lauterbach und dessen Partner Hubert Heinl genutzte Fläche auf den Vorplatz vor dem Haarstudio Daniela reduziert worden.

Und dennoch, Hierstetters eigentlicher Wunsch blieb unerfüllt - auch 2015. Selbst ein Brief ihres Vermieters an die Stadt half einst nicht weiter. Der Besitzer des Hauses hatte unter anderem argumentiert, dass er das Gebäude mit großem Aufwand saniert und umgebaut habe, ebenso wie Frau Hierstetter bei Einrichtung und Ausstattung des Cafés.

Für wenig einsichtig halte er die Begründung der Stadt, sie könne Lauterbach nicht mit einem Verweis von diesem Platz vor den Kopf stoßen. In dem Schreiben schlug der Vermieter vor, Lauterbach könnte doch die Stellfläche gegenüber vor dem Reisebüro Kästl nutzen.

Doch das wollen weder Lauterbach noch sein Partner, der unterstreicht: "Wir haben uns in 15 Jahren an diesem Platz etabliert und in dieser Zeit viel investiert. Wenn wir diesen Platz verlieren, ist das Altstadtfest für uns erledigt." Heinl meint, es sei Aufgabe der Stadt, hier eine Entscheidung zu finden. Zugleich verweist er darauf, dass es sich um keinen Einzelfall bei der Platzvergabe zum Altstadtfest in Sulzbach-Rosenberg handle.

Einst ein Klowagen

Ihnen selbst sei es - als ehemalige Betreiber der Lokale Ox und Caféhaus in der Bergstraße - nicht anders ergangen: "Auch wir mussten beim Altstadtfest und bei Märkten unsere Sachen vor dem Haus wegräumen", macht Lauterbach deutlich. Beide hätten mit ihrem Partystand Ende der 90er Jahr an dem heute noch angestammten Platz begonnen: "1999 stand an der Stelle ein Klowagen", schildern die zwei Unternehmer die Situation und fügen hinzu: "Dass das jetzt so elementar in Frage gestellt wird, finden wir nicht gut."

Festausschuss entscheidet

Zu anderen Standorten meint Heinl: "Für uns ist es schwer, eine Alternative zu finden. Hier können wir unsere eigene Musik spielen lassen, woanders wäre das nicht möglich." Und: "Wir sind an einer Koexistenz mit Frau Hierstetter interessiert." Ergänzend sagt Lauterbach: "Wenn allerdings alle Stände und Plätze beim Altstadtfest seitens der Stadt auf den Prüfstand kommen, dann würden wir dem nicht im Wege stehen." Ob es dazu jemals kommen wird, ist offen. Der städtische Kulturamtsleiter Fred Tischler, unter anderem zuständig für das Altstadtfest, verweist im Zusammenhang mit der Angelegenheit Hierstetter, Lauterbach und Heinl auf den Festausschuss des Stadtrats. Dessen Entscheidung stehe aus. Am liebsten wäre ihm eine Kompromisslösung. Gleichwohl macht er kein Hehl daraus, "dass ich damals froh war, als ich Lauterbach und Heinl gewinnen konnte". Würde man deren Partyzone dort wegnehmen, "dann ist das Altstadtfest an dieser Stelle tot".
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