"Andenken liegt herum wie Müll"

Von oben sieht man es am besten: Der Förderturm ist förmlich eingekeilt zwischen die Baugrundstücke auf dem ehemaligen Annaschacht-Gelände. Luftbild: Hierstetter
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
27.05.2015
32
0

Armin Kraus ist sauer. Seit über 15 Jahren bemüht sich der Vorsitzende des Bergknappen-Vereins, die Bergbautradition der Stadt aufrecht zu erhalten. Doch er sieht sich meist mit seinem Verein allein auf weiter Flur. Als Beispiel nennt er den St.-Anna-Förderturm mit seinem Umfeld.

Die Verwurzelung des Bergmännischen in der Herzogstadt ist unübersehbar. Betrachtet man nur die fünf Vereine, die dem Bergbau verbunden sind, wird das noch deutlicher: Der Hüttenverein Glückauf hat etwa 1000 Mitglieder, der Club Solidarität 140, der Arbeiterkameradschaftsverein 650, der Trachtenverein Erz- und Eisenwalzerboum auch rund 140 und der Bergknappenverein selbst 215. Das ergibt etwa 2145.

"Auch wenn Doppelmitgliedschaften dabei sind, bekunden so doch immerhin rund zehn Prozent der Einwohner durch die Mitgliedschaft ihr Interesse an der Tradition", erklärt Armin Kraus. Und angesichts dieser Tatsache geschehe einfach zu wenig.

"Und wenn etwas passiert, dann durch die Vereine", meint der Bergknappen-Chef. Alleine sein Verein bietet Führungen im nördlichen und südlichen Bergbaupfad sowie im Schaustollen (den er auch unterhält) an, sorgte für eine Lok beim Schaustollen, einen Hunt (Förderwagen) bei der Villa Max und am Feuerhof bei der Kapelle, wandte viel Geld für Restaurierung auf, organisierte den 6. und 11. Deutschen Bergmannstag in der Herzogstadt.

Private Initiative

Bergleute in ihrer schwarzen Tracht, mit goldglänzenden Knöpfen und dem Schachthut mit dem schwarzen Federbuschen, gehören seit über 125 Jahren zum Sulzbach-Rosenberger Stadtbild. Ein Buch und ein Film über die Bergbaugeschichte und die Bergleute von Erwin Kraus und Peter Ostermann sind privater Initiative zu verdanken: "Aber die Stadt rühmt sich mit dem Namen 'Bergbaustadt' Sulzbach-Rosenberg."

Armin Kraus verweist auf den Förderturm am ehemaligen Annaschacht: "Ich habe Gespräche geführt mit dem ehemaligen Bürgermeister Gerd Geismann und dem Leiter des Bergbau- und Industriemuseums Theuern, Michael Ritz, ebenso mit dem neuen Bürgermeister Michael Göth", erinnert er sich. "Doch der Haushaltsansatz für die Restaurierung des Förderturms und die Gestaltung des Areals wurde und wird von Jahr zu Jahr verschoben!" Nach letzten Informationen ist er jetzt im Haushalt 2016 vorgesehen.

Es tut sich einfach nichts

Ungepflegt und lieblos im Stich gelassen seien diese letzten Zeugnisse der Tradition, meint Kraus enttäuscht. Dabei wäre der Turm ein echtes Wahrzeichen der Stadt. Doch die Bebauung reicht schon fast heran. Die Gestaltung des Areals sei praktisch nicht vorhanden.

"Der letzte Erzwagen vom Annaschacht, den der Bergmann Max Wiesent am 31. Juli 1974, bei Schließung des Schachtes beschriftet hat, liegt einfach wie Müll in der alten MH-Gießhalle. Und das schon seit dem Abriss der IHK-Ausbildungsstätte im Jahr 2008."

Kraus bemüht sich zusammen mit dem Förderverein des Stadtmuseums, die restaurierte Lok und die zwei Loren aus dem Bergbaumuseum Theuern am Förderturm aufstellen zu lassen. Dort sind sogar noch Reste des originalen Gleises vorhanden. Doch auch in dieser Angelegenheit tut sich bisher nichts. Fazit: "Die Stadt kümmert sich zu wenig um ihr Bergbau-Erbe. Das ist traurig und beschämend, denn irgendwann ist nichts mehr da, das erhaltenswert wäre. Dann ist es die Frage, ob wir uns weiterhin Bergbaustadt Sulzbach-Rosenberg nennen können."
Weitere Beiträge zu den Themen: Mai 2015 (7908)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.