Andrea Motzel informiert Arbeitsgemeinschaft 60plus über geplante Neuerungen in Gesetzgebung
Ziel sind bald fünf Pflegestufen

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
11.04.2015
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Bestückt mit Informationen rund um die Pflege, das Pflegeversicherungs- und -stärkungsgesetz war der Vortrag der Einrichtungsleiterin des Seniorenzentrums Antonius der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Kümmersbruck: Andrea Motzel sprach bei 60plus im Altstadtcafé.

Nicht genügend Zeit

Die Festlegung, in wie vielen Minuten eine Pflege zu erfolgen habe, sollte abgeschafft werden, forderte Vorsitzende Helene Schwarz. Denn die bisherige Regelung führe dazu, dass in vielen Fällen den Pflegenden nicht genügend Zeit zur Verfügung stehe.

Das Pflegeversicherungsgesetz erfasse Menschen, die wegen einer Erkrankung oder Behinderung in den Bereichen Körperpflege, Ernährung, Mobilität und der hauswirtschaftlichen Versorgung für mindestens sechs Monate hilfebedürftig sind, erläuterte Motzel. Dieser Zeitraum sei von großer Bedeutung, da ansonsten kein Anspruch auf Pflegegeld bestehe. Da die bisherige Einordnung in Pflegestufen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) fast ausschließlich als "verrichtungsbezogene Beurteilung" erfolgte, werde es im Pflegestärkungsgesetz Änderungen geben.

Die am 1. Januar in Kraft getretene erste Stufe sehe eine Erhöhung der Leistungen von rund 2,4 Milliarden Euro vor, was für die meisten Leistungsempfänger rund vier Prozent bedeute.

Dieses Gesetz solle aber nicht nur den Pflegebedürftigen, sondern auch Angehörigen, Ehrenamtlichen oder beruflich in Pflegediensten oder -heimen Tätigen zugute kommen. Ziel sei, dass ihnen mehr Zeit bleibe. In Stufe 2 des Gesetzes, derzeit in Planung, solle es einen neuen Begriff der Pflegebedürftigkeit und ein neues Begutachtungsverfahren geben. Damit würde die Unterscheidung zwischen körperlichen Einschränkungen und Demenzkranken wegfallen, betonte die Referentin. Die individuelle Unterstützungsbedürftigkeit eines jeden Pflegebedürftigen stehe dabei im Mittelpunkt.

Selbstständigkeit prüfen

Deswegen solle es statt wie bisher drei künftig fünf Pflegegrade geben. Ausschlaggebend sei dann nicht mehr, wie viel Zeit ein Pflegender aufbringen müsse, sondern entscheidend sei der Grad der Selbstständigkeit, der anhand von Kriterien geprüft werde. Vorher müsse aber der Erprobungsprozess, der seit 2014 laufe, positiv abgeschlossen sein.

In der Diskussion wurden die unterschiedlichen Leistungen der Pflegeversicherung zwischen häuslicher und Pflege in Heimen angesprochen und gefragt, inwieweit die Angehörigen Zuzahlungen bei der Unterbringung leisten müssen.
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