Anna Maria Sturm auf ihrer achten Tournee-Station
Augenweide mit Stimme

Die achte Station auf der Tournee: Im Seidel-Saal brachten Anna Maria Sturm und ihre Bandkollegen Jazzklassiker neu interpretiert auf die Bühne. Bild: hka
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
18.11.2015
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Ein Deandl wie die Kati in Marcus H. Rosenmüllers Heimatfilmtrilogie ist sie nicht mehr, will sie nicht mehr sein. Auch nicht die Anna Burnhauser an der Seite von Matthias Brandt im Münchener "Polizeiruf". Sie ist Schauspielerin und Jazz-Sängerin. Und eine Augenweide mit Stimme!

Meist sind es Männer, Musiker, Sänger, die auf die Bühne des Seidel-Saales treten. Auch diesmal: Vier Musiker spielen Jazz, eine Zeitlang, doch dann kommt sie - Anna Maria Sturm. Vor allem auf sie haben die Besucher gewartet und empfangen die Künstlerin mit Applaus. Man kennt Sturm als Schauspielerin, freut sich auf die Sängerin. Die 32-jährige gebürtige Schwandorferin - "Ich bin möglichst oft bei meinen Eltern dort" - erhielt bereits während ihres Studiums an der Schauspielschule erste Rollen an den Münchner Kammerspielen, und auch derzeit steht sie dort auf der Bühne in dem Theaterstück "Fegefeuer in Ingolstadt". Dazwischen liegen die Stationen Film und Fernsehen und zuletzt Musik.

Lauter Profis dabei

Eigentlich wollte sie mit einigen Musikern nur Aufnahmen für ihr Demoband machen, doch schnell wurde mehr daraus: Das Debüt-Album "Tales of Woe". Seit April nun ist sie mit ihrer Band auf Tournee, an spielfreien Abenden im Theater, ein Härtetest für die junge Künstlerin. Die Musiker im "Anna-Maria-Sturm-Quintett" sind alle Profis. Uri Gincel am Klavier, Lars Gühlcke, Bass, der Drummer Jesus Vega und Ben Kral, Tenorsaxophon - allesamt bekannt in der deutschen und europäischen Jazzszene, spielen Klassiker des Great American Songbook, herausragende Lieder der amerikanischen Unterhaltungsmusik der 30er bis 60er Jahre.

Auf ihrer Platte wie auch im Seidel-Saal werden diese Stücke der klassischen Popmusik in modernen Jazz gekleidet, ohne ihnen ihren zeitgenössischen Charme zu nehmen. Voller Leidenschaft agieren die Musiker, umrahmen mit ihren Instrumenten die Stimme der Sängerin, glänzen mit virtuosen Soli und treten wieder zurück, wenn Anna Maria Sturm das Mikrofon ergreift. Sie hat nicht nur amerikanische Songs ausgewählt, sondern auch Chansons von Serge Gainsbourg, dem "Enfant terrible" der französischen Musikszene.

Volle, zarte Stimme

Und auch ihr Outfit ist ein wenig à la Juliette Gréco: gekleidet in Schwarz vom hochgeschlossenen Kleid bis zu den Plateau-Sohlen, laszive Bewegungen, kleine Tanzschritte, eine Augenweide. Ein wenig verhalten am Anfang ist ihre volle und doch zarte Stimme, steigert sich nach der Pause, erntet mehr und mehr Applaus. "Couleur Café" oder "You go to my head" und zum Abschluss "Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre", der Gassenhauer Marlene Dietrichs aus den 1930er Jahren, das passt und gefällt.

Das Saal-Publikum sieht seine Erwartungen erfüllt, fast! Denn ein wenig mehr Reden bei aller Musik wäre nicht schlecht gewesen, über Musik, Texte, die Sängerin selber, die ja eine Oberpfälzerin ist, eine "von uns".
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