Anspruchsvoll, höchstes Niveau

Mit dem fetzigen Programm in der Krötensee-Aula machten Harald Rüschenbaum und das Landes-Jugendjazzorchester Bayern Lust auf ein Wiedersehen.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
23.10.2015
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Endlich haben die Jazzer es ihren klassischen Landesjugendorchester-Kollegen gleich getan und Station in Sulzbach-Rosenberg gemacht. Höchstes musikalisches Niveau und eine anspruchsvolle, im besten Sinne fordernde Programmzusammenstellung finden sich hier wie da - es war der Rhythmus, der den Unterschied machte und dem Publikum in der Krötensee-Aula einheizte.

Die Freude über den gelungenen Coup im Musikkalender der Stadt war auf beiden Seiten groß: Elke Geck-Neidl, Vorsitzende des einladenden Fördervereins der Städtischen Sing- und Musikschule, hob das Novum ebenso hervor wie Harald Rüschenbaum, der künstlerische Leiter des Landes-Jugendjazzorchester Bayern. Der Wunsch, daraus eine Tradition zu weben, einte nicht erst am Schluss alle Anwesenden.

Um sich dem Oberpfälzer Neuland musikalisch anzunähern, startete die Big-Band ihre beschwingte Reise am Zuckerhut: Jay Ashby hatte den Jazzern ein ausgelassenes Arrangement rund um die Frage "Wie geht's, wie steht?s" vermacht. Zudem setzte er der tragisch verunglückten Baseball-Ikone Roberto Clemente das hymnische Denkmal "21", das jedoch flott vom Getragenen in lebensbejahenden Beat wechselte.

Als unerlässliche Ergänzung zu Saxofonen, Querflöte, Posaunen, Trompeten, Gitarre, Bass, Schlagzeug, Percussion und Klavier erwies sich Sängerin Sarah Buchner. Sie kam mit "Almost like being in love", "Polka Dots and Moonbeams" und "I just found out about love" den großen Ladies der Zunft auf unbekümmerte Art ziemlich nahe.

Versierte Jungtalente

Dass sie neben sattem Vollton auch sanfter zu Werke gehen können, unterstrich Bert Joris "Walking Tiptoe", das es mit wellenförmigem Fade out bis ins Pianissimo schaffte. Zudem verneigten sich die als Ensemble wie Solisten versierten Jungtalente mit "Moten Swing" vor Count Basie, erwiesen Herbie Hancocks "Butterfly" die Ehre und demonstrierten mit dem Herbolzheimer-Arrangement "La Fiesta", warum Jazz ohne Chick Corea nicht komplett ist.

Die ebenfalls unerlässliche Prise Blues steuerte Frank Fosters "Blues in Frankie?s Flat" bei. Und weil Harald Rüschenbaum nicht nur ein mitreißender Motivator vor der Band ist, sondern als Schlagzeuger Karriere gemacht hat, genehmigte sich die Band noch eine Reminiszenz an den Jazz-Club in Los Angeles, dessen Bühne Rüschenbaum einst rockte.

Begeisternde Soli

Einen weiteren Unterschied zur klassischen Konzert-Ausformung machte der stets gerne genommene Applaus nach jedem der begeisternden Soli - und der Mitmach-Faktor: Da wählte Rüschenbaum schon mal aus den jüngsten Zuhörern kurzfristige Dirigier-Unterstützung, animierte zum Mitklatschen und -singen und machte aus dem instrumental angestimmten "Happy Birthday" für Bass-Posaunistin Lisa eine schallende Publikums-Choreinlage.

Er erläuterte alles Wissenswerte zu den Stücken, zu seinen Musikern, zum Landes-Jugendjazzorchester Bayern, zu SMS-Leiter Steffen Weber, der als Vorsitzender des Verbands Bayerischer Sing- und Musikschulen offizieller Träger des Orchesters ist. "Da dürfen wir tun, was wir wollen", so Rüschenbaums Dank dafür. "Keep swinging" lautet der Abschiedsgruß, der allerdings erst nach der "Mucho fasto"-Zugabe "The magic flee" und dem vom Blatt gespielten "In the wee small hours of the morning" Realität annehmen konnte.
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