Anstechen ist Kopfsache

Die Amberger Bürgermeisterin darf fürs Bild mal die richtige Handhaltung zeigen (von links): Monika Breunig (Kastl), Brigitte Netta (Amberg), Birgit Singer-Grimm (Kümmersbruck), Brauerei-Juniorchef Franz Kummert, Alexandra Sitter-Czarnec (Ammerthal), Evi Höllerer (Hahnbach) und Lydia Zahner (Etzelwang). Bild: e
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
15.06.2015
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Franz Kummert machte den Mandatsträgerinnen Mut: "Im schlimmsten Fall spritzt es." Mehr könne beim Anzapfen schließlich nicht passieren. Furchtlosigkeit impfte er den Damen auch ein - mit dem Spruch "Anstechen ist Kopfsache".

Die Frauen in politischen Ämtern wollen ja schließlich nicht, dass passiert, was beim Anzapfen vor Presse, Prominenz und Publikum einfach nicht passieren darf: dass kräftige drei Schläge, vielleicht sogar ein vierter, nicht reichen und es beim Bieranstich spritzt, es womöglich zu einem "Bierbad" kommt. Denn das Bier muss fließen und nicht spritzen.

"Ozapft is", das ist für gewöhnlich ein Spektakel, das den männlichen Ehrengästen vorbehalten ist - jetzt ist das offenbar nicht mehr so. Die möglicherweise letzte Domäne der Männer scheint zu fallen. Schließlich können der Landkreis Amberg-Sulzbach und die Stadt Amberg seit der letzten Kommunalwahl insgesamt neun Frauen in Bürgermeister-Ämtern vorweisen. Und die müssen damit rechnen, dass sie beim Bieranstich dem Urteil des kritischen Kenner-Publikums ausgesetzt sind.

Immer locker aus der Hüfte

Seit etwa einem Jahr treffen sich die Bürgermeisterinnen regelmäßig und parteiübergreifend zum "Networken". Diesmal gab es ein Novum: Die 2. Bürgermeisterin von Kümmersbruck, Birgit Singer-Grimm, hatte sozusagen aus aktuellem Anlass zum Anzapfseminar bzw. Workshop in die Brauerei Kummert eingeladen, wo mit Juniorchef Franz Kummert ein kompetenter Multiplikator sein Wissen und Können weitergab. "Immer locker aus der Hüfte und den Arm am Körper", riet er in Sachen praktische Haltung und Wirkung. Flüssigkeitsdruck und Entbindung von der Kohlensäure, konisch geformtes Zapfzeug, Luftventil aus Messing und Spritzschutzmanschette aus Gummi, das alles waren Bestandteile der theoretischen "Prüfung" im Kummert-Biergarten.

Dass ein Holzfass anders zu behandeln sei als ein Plastikfass, erfuhren die Politikerinnen - das alles gehört zur Basis eines typisch bayerischen Anstichs. Dazu natürlich ein gewichtiger Schlegel, den anzuwenden ein gewisses Geschick erfordert, was die Bürgermeisterinnen offenbar auch haben.

Freilich, ein paar Unterschiede gibt es schon noch. Das Gewicht eines Schlegels schwankt zwischen ein paar hundert Gramm und dem Fünf-Kilogramm-Schlegel eines gestandenen Schankkellners. Die Politikerinnen testeten ihre frisch erworbenen Kenntnisse am Übungsfass mit Wasser. Die Laiensicherung, die es vorsorglich gab, wurde nicht benötigt.

Bald im Praxistest

Anzapf-Trainer Franz Kummert hatte die Schulung ohne Entgelt übernommen; der von den Bürgermeisterinnen selbst angedachte Unkostenbeitrag kommt einem Flüchtlingsprojekt im Landkreis zugute. Was die Mandatsträgerinnen wirklich gelernt haben, das werden sie demnächst bei diversen Anstichen beweisen können. Scheu müssen sie keine haben, denn sie wissen ja jetzt: "Im schlimmsten Fall spritzt es."
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