Arbeitender Mensch Mittelpunkt

"Teilzeitbeschäftigungen klingen oft durchaus attraktiv. Sie geben aber dem, der genau vorausschaut eine trübe Aussicht auf geringe Renten", formulierte Prediger Thomas Schmid. Bild: thl
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
06.05.2015
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"Befristungen stellen einen Menschen immer unter psychischen und physischen Druck. Werksverträge und Leiharbeit machen Arbeit zu billiger Ramschware, und auch ein Mindestlohn, als ein wichtiger Schritt zur Lohngerechtigkeit, schützt nicht vor Armut." Dies beklagte Diözesanpräses Thomas Schmid zum Ausklang der Sozialtage des KAB-Diözesanverbandes Regensburg in Sulzbach-Rosenberg.

Den Arbeitnehmergottesdienst dazu feierten mit ihm in der Pfarrkirche St. Marien Dekan Walter Hellauer, Ortspräses und Kaplan Franz Becher sowie zahlreiche Gläubige. Prediger Schmid sagte, es gebe oft so viele Themen und undurchschaubar erscheinende Punkte, dass man durchaus geneigt sei zu meinen: "Lassen wir es einfach laufen." Doch das wäre falsch, das sei noch nie ein vernünftiges Motto für das Fortkommen in die Zukunft gewesen. Christen stets bei Gott anfangen, "der das Leben selbst ist". An diesen Punkt dürfe man sich Anfang Mai auch auf die Mutter Gottes zu bewegen, auf die Patrona, die ihren Mantel weit aufhält, damit wir unter ihrem Schutz unsere Wege gehen. Immer mehr Menschen - so nehme man wahr - bräuchten diesen Schutzmantel und den Weitblick der Gottesmutter gegen Ungerechtigkeit und Undurchschaubarkeit. Dann merke man, wie kompliziert und verwirrt die gesellschaftlichen und politischen Zukunftspläne doch sind.

Aus der Hand genommen

Beschlüsse, Vorschriften und Gesetze auf lokaler und globaler Ebene würden immer undurchschaubarer: "Sie schließen den gesund einfach denkenden Menschen immer mehr aus", bedauerte Schmid. Die Bürokratie beschreibe Papierberge. Was auf diesen Bergen stehe, sei dem normal denkenden Menschen oft zu hoch und ohne Hilfe unüberwindlich. Da werde der Mehrheit der einfachen, rechtschaffenen Bürgern die Souveränität des eigenen Lebens immer mehr aus der Hand genommen, "weil ohne Anwälte, Berater und Experten nichts mehr geht".

Oft werde unser Leben nur noch von Buchstaben regiert, nicht von Schutzherren, die im besten Sinn des Wortes Patrone sind: "Begeisterung, Elan, Tatkraft, Gemeinschaftssinn, Hilfsbereitschaft und die oft zitierte Zivilcourage ersticken immer mehr unter den Buchstaben- und Papierbergen der Verwaltung und Gesetzgebung."

Viele blickten nicht mehr durch oder hätten Angst, sich unrechten Strukturen zu entziehen, "weil sie durch Widerspruch elegant ausgemustert werden könnten". Menschen im aktiven Arbeitsleben ließen sich den freien Sonntag nehmen, damit ihre Firma im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig bleibe und sie dadurch gute Arbeit hätten. Außerdem werde ja Feiertagsarbeit zu 150 Prozent vergütet und das tue jungen Arbeitern in der Familiengründungsphase und beim Hausbau so gut.

Ein Teil der Würde

"Wie fair das doch klingt dafür, den Menschen die Ruhe zu stehlen, den Dörfern die Verlässlichkeit des Ehrenamts zu nehmen und den Familien beziehungsweise den Kindern die Väter oder Mütter zu entziehen", hob Schmid den Zeigefinger. Der Festprediger weiter: Beschäftigungsmodelle unterschiedlichster Art würden heute in der Arbeitswelt angeboten. Prekäre Beschäftigung sei ungebrochen da. Sie nehme der Arbeit einen Teil ihrer Würde und erst recht dem Arbeiter. Sie liefere Menschen dem Augenblick aus. Abschließend dankte der Sozialpfarrer allen, die der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB) durch aktives Tun und ihren Beitrag unterstützen und dadurch solche Sozialtage ermöglichen. Bei diesen werde deutlich, dass "bei uns der Mensch, der arbeitende Mensch, im Mittelpunkt steht".

Für die musikalische Umrahmung zeichneten Brunhilde und Markus Lommer (Gesang) und Steffen Kordmann (Orgel) verantwortlich.
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