Auch Stadt steht in der Pflicht

Ein Turnraum, der als solcher nur selten genutzt werden kann, weil der Platz für die alltägliche Betreuungsarbeit benötigt wird: Das ist nur ein Problem, weshalb für die Leiterin der Kindertagesstätte Guter Hirte, Gabi Sperber (zweite Reihe, Vierte von links), Investitionen in den Bau dringend erforderlich sind. Auf Einladung der Frauen-Union machten sich parteipolitisch ihr nahe stehende Stadträte vor Ort ein Bild davon. Bild: hfz
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
22.07.2015
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Unberührt von dem nach dem gestrigen Verfassungsgerichts-Urteil wieder aufgeflammten Streit um das Betreuungsgeld bleibt glücklicherweise diese Frage: Soll die Rosenberger Kindertagesstätte Guter Hirte saniert werden, oder wäre ein Neubau nicht wirtschaftlicher?

Auf Einladung der Frauen-Union (FU) haben deshalb Stadträte der CSU, FDP und FWU die Einrichtung genauer unter die Lupe genommen. Denn in der evangelischen Kindertagesstätte im Stadtteil Rosenberg ist schon seit mehr als 25 Jahren nichts mehr investiert worden. Das will die Gemeinde Johanniskirche als Träger in Kürze ändern und plant eine umfassende Sanierung.

In der Einrichtung werden täglich Mädchen und Buben im Alter zwischen einem und sechs Jahren betreut. Sie verteilen sich auf zwei Kindergarten- und eine Krippengruppe. Die Erhaltung und Pflege von Kindergärten und Schulen stellt aber nicht nur eine Aufgabe ihrer jeweiligen Träger dar, betont eine Pressemitteilung der FU. Auch die Kommune trage erheblichen finanziellen Anteil bei einer fälligen Sanierung. Deshalb solle der Stadtrat rechtzeitig mit entsprechenden Plänen befasst werden, wünschen sich die CSU-nahen Frauen.

Gravierende Defizite

Um nicht nur auf dem Papier einen Eindruck davon zu bekommen, was in der Kindertagesstätte im Argen liegt, haben auf Einladung der FU-Vorsitzenden Nicole Selendt Stadträte von CSU, FWU und FDP der Einrichtung einen Besuch abgestattet. Kindergartenleiterin Gabi Sperber führte die Mandatsträger durch den Garten, die Gruppenräume sowie den Turnraum und erläuterte die Vorstellungen der Kirchengemeinde.

Vordringlich sei eine zeitgemäße Dämmung, um nicht im Winter frieren und im Sommer unerträglicher Hitze ausgesetzt sein zu müssen. Auch die Lautstärke, die täglich im Haus herrsche, sei ein Thema, sagte Sperber unter Verweis auf eine fehlende Trittschalldämmung. Ein besonderes Anliegen, das vor allem den Mitarbeiterinnen sehr am Herzen liege, sei, dass die Kinder einen eigenen Raum für das tägliche Mittagessen bekommen.

Derzeit werde dazu der Turnraum im ersten Obergeschoss genutzt. Das bringe große Probleme mit sich. Dort gebe es keine Möglichkeit abzuspülen oder das Geschirr zu verstauen. Deshalb müssten die Betreuerinnen ständig zwischen dem Turnraum und den Sozialräumen für das Personal hin- und herlaufen. Eine Rückzugsmöglichkeit für Betreuerinnen, die gerade Mittagspause haben, gebe es somit nicht.

Keine konkreten Zahlen

Um den Turnraum bestimmungsgemäß nutzen zu können, müsse zudem immer zum Alltagsbetrieb benötigtes Mobiliar zur Seite geräumt werden, legte Sperber zudem dar. Das habe wiederum zur Folge, dass eigentlich kein regelmäßiges Turnen angeboten werden könne.

Zahlreiche weitere größere und kleinere Schwierigkeiten zählte laut Pressemitteilung die Leiterin der Einrichtung noch auf. Stellvertretendem Bürgermeister Günter Koller, CSU-Vorsitzendem Dr. Patrick Fröhlich, den Stadträten Florian Bart, Evi Rauch, Irmgard Reisima-Renner (alle CSU), Thomas Stubenvoll (FWU), Karlheinz Kreiner (FDP) und den FU-Vorstandsmitgliedern um Nicole Selendt stellte sich in Anbetracht der vielen Mängel schließlich vor allem eine Frage: Wäre im Falle des Guten Hirten nicht sogar ein Neubau eine Option? Diese Option, so Sperber, habe die Kirchengemeinde auch einem beauftragten Architekten mit auf den planerischen Weg gegeben.

Allerdings sei noch nicht klar, welche Kosten die zwei Alternativen für den Träger und Stadt bedeuten würden. Auch wo die Kinder und Erzieherinnen für die Zeit einer Sanierung oder eines Neubaus unterkommen sollen, sei noch nicht geklärt. Dringender Handlungsbedarf stehe hingegen für die Beteiligten nach diesem Ortstermin außer Frage.
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