Auf den Spuren Graf Gebhards

Erschöpft, aber zufrieden standen die Wanderer auf dem Kastler Marktplatz.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
18.10.2015
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Der Sage nach verirrte sich Graf Gebhard von Kastl auf der Wildschweinjagd. Zufällig gelangte er zu einem steilen Berg und errichtete auf diesem uneinnehmbaren Felsen die Burg Sulzbach. In der umgekehrten Richtung, also von der Herzogstadt nach Kastl, tauchten Wanderer am "Studientag unterwegs" in die Vergangenheit ein.

Helmut Hiltl hatte eine Route durch das Sulzbacher Bergland vorbereitet. Vom Bahnhof aus führte er die Wanderer, darunter Fred Tischler, der Leiter der Kulturwerkstatt, über den Pfaffenstein nach Haar. Jetzt ging es auf dem ehemaligen Schulweg weiter Richtung Illschwang. Ganz so wie Generationen von Kindern früher konnte die Gruppe aber nicht gehen, weil der Autobahnzubringer die alten Wege unterbricht. In Illschwang machten die Wanderer eine wohlverdiente Rast.

Frisch gestärkt ging es zur Hainsburg, einer ehemaligen Fliehburg. Durch die Bäume konnte man die Teufelskanzel sehen. Von hier aus soll der Missionar Wunibald gepredigt und so die Christianisierung der Gegend begonnen haben. Dann ging es immer höher zum bizarren Kalmusfelsen, der im Sommer ein Kletterparadies ist, jetzt aber einsam und verlassen dastand.

Anspruchsvolle Etappe

Auf steilen Pfaden ging es wieder bergab. Unter dem nassen Laub versteckten sich Zweige, Steine und Schlamm. Obwohl die Wanderer mit festen Schuhen und teilweise Wanderstöcken ausgerüstet waren, kam der eine oder andere auf dieser anspruchsvollen Etappe ins Rutschen.

Nach der Autobahnunterquerung begann der letzte Anstieg hinauf zum Schmalzkübel, mit 578 Metern der höchste Punkt der Wanderung. Hier zeigten sich erste Anzeichen von Müdigkeit. Aber jetzt ließ sich am Himmel sogar die Sonne hinter den Wolken erahnen und beflügelte die Wanderer. Außerdem war der Weg ab jetzt leicht, und es ging sanft bergab. Oberhalb der Klosterburg erreichten die Wanderer Kastl.

Kein Zug mehr unterwegs

Von der Burg aus genossen sie die Aussicht über den Markt und besichtigten dann die Kirche, wo sie auch die Mumie der Prinzessin Anna sahen. Über die Himmelsleiter stiegen sie hinab in den Ort, neugierig von einem schwarzen Ziegenbock beäugt, der auf einem Felsen neben der Treppe die Gruppe beobachtete.

Die Wanderung folgte nicht nur den Spuren von Graf Gebhard, sondern auch denen von Fritz Metz. Er schrieb in den 1950er-Jahren Wanderbücher, die schöne Anregungen für Touren durch das Sulzbacher Bergland geben. Manches hat sich allerdings seitdem verändert. Nicht nur, dass viele Fernsichten heute zugewachsen sind: Metz empfahl auch, nach der Besichtigung von Kastl mit dem Zug zurück nach Amberg und dann nach Sulzbach-Rosenberg zu fahren. Diese Möglichkeit hatten die Wanderer am Samstag nicht. Müde, aber sehr zufrieden stiegen sie in einen Bus. Vorher kehrten sie zu einem Abendessen im Kastler Gasthaus Forsthof ein. Dort bedankte sich Tischler bei Hiltl mit einem Präsent.
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