Auf der Straße der Lamas

Musikalisch und auch optisch ganz auf Chile eingestellt: Gustavo Valdés (vorn) und Norma Brand. Bild: gac
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
13.11.2015
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"Chile en el Corazón" - Chile im Herzen hat die Illschwangerin Norma Brand, denn Chile ist das Land, in dem sie geboren ist. Mit ihrem Bruder Gustavo Valdés und Freunden gab sie ein begeisterndes Konzert.

"Chile ist für viele hier eine entlegene Ecke der Welt, aber einem Chilenen geht es mit der Oberpfalz wahrscheinlich genauso", meinte Peter Geiger, Vorsitzender des Förderkreises der historischen Druckerei Seidel, zur Begrüßung im ausverkauften Seidel-Saal. Norma Brand ist seit 21 Jahren in der Oberpfalz und hatte aus Illschwang einen großen Freundeskreis mitgebracht.

Mächtig eingeheizt

Ihr Bruder Gustavo Valdés, der in Chile mit einer eigenen Band auftritt, ist zur Zeit in Deutschland zu Besuch. Für das Konzert in Sulzbach-Rosenberg hat er ein Ensemble zusammengestellt mit Robert, Natalia und Valeria Stein aus Muggendorf in der Fränkischen Schweiz.

"Llegó la Banda" war der erste Titel - die Band ist da. Von Anfang an waren die Musiker enorm präsent und heizten dem Publikum mächtig ein. Valdés und Robert Stein spielten Gitarre und Charango, eine verkleinerte Gitarre, deren Klangkörper früher aus dem Panzer des Gürteltiers gemacht wurde. Heute ist der Charango überall im Andenraum verbreitet, ebenso wie der Siku, eine Panflöte.

Der Klang dieses Instruments könne sehr unterschiedlich sein, erläuterte Stein, je nachdem, welches Material für die Röhren verwendet werde. Am liebsten spiele er den peruanischen Siku, der aus Schilfrohr vom Titicacasee gemacht wird und einen sehr dunklen, geheimnisvollen Ton hat. Besonders gut zur Geltung kam der Siku im Lied "Camino de Llamas" (Straße der Lamas) im Duett mit der Querflöte. Valeria Stein, die sonst das klassische Flötenrepertoire bevorzugt, spielte einige wunderschöne Querflötensoli, vor allem in "Exiliada del Sur" (Verbannte des Südens).

Begeisterndes Duo

Der erste Teil war eine gelungene Mischung aus fetzigen Stücken, die die Zuhörer zum Klatschen und Mitsingen animierten, und ruhigen Balladen, bei denen insbesondere die beiden Männerstimmen harmonische Mehrstimmigkeit boten. Sehr ansprechend war auch ein kurzer Abstecher in Natalia Steins Heimat Russland, den sie im Duett mit ihrem Mann vortrug.

Nach der Pause begeisterten Brand, die in den Nationalfarben Chiles gekleidet war, und Valdés als Duo. Vom ausgelassenen "Chíu-Chíu" über das Kinderlied "Pero Algún Día" (aber eines Tages ...) bis hin zur melancholischen Ballade "Mi Vida" (mein Leben) spannte sich der Bogen. Die warme Altstimme von Brand harmonierte bestens mit Valdés' geschmeidigem Tenor. Ein Höhepunkt war "Yo vengo de San Vicente" (Ich komme aus San Vicente), ein Lied über ein Landmädchen, das sich in der Hauptstadt Santiago einen Mann angeln will. Schön wäre es gewesen, wenn die im Spanischen nicht so versierten Zuhörer auch bei anderen Liedern etwas über den Inhalt erfahren hätten.

Zum Schluss sangen die Geschwister noch einige populäre südamerikanische Lieder wie "Besa me", "Cambia, todo cambia" und "La Bamba", die auch hierzulande gespielt wurden und werden. Der gesamte Saal applaudierte begeistert und hoffte, dass Gustavo Valdés demnächst wieder zu Besuch kommt.
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