Auf drei Rädern durch den Sand

Heidi und Martin waren 2011 in Marokko unterwegs, um die Transitus-Arabiae-Gespanne zu testen, spezielle BMW R 1150 GS-Modelle.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
09.09.2015
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Das ist die Yesterday-Maschine - ein Eigenbau von Martin Franitza im Stil der 20er Jahre, wüsten- und wintererprobt. Bilder: Franitza (2)

"G'lernt hob i eigentlich nix", schmunzelt der graubärtige Niederbayer. Das mag sein, doch können tut er viel: Martin Franitza ist ein Selfmademan, ein Abenteurer. Er produziert die einzige internationale Motorradgespann-Zeitung, hat viele Länder bereist, beeindruckende Bücher gemacht. In der Szene kennt ihn jeder. Und seit 15 Jahren ist er Sulzbach-Rosenberger.

Ein Motorrad mit Seitenwagen nennt man ein Gespann. Es ist aber viel mehr als nur ein uriges Transportmittel - nämlich eine Lebensanschauung. Gespannfahrer sind eine besondere Spezies. Auf der ganzen Welt gibt es diese liebenswerten Verrückten. Martin Franitza sitzt in der Gartenlaube der Verlagszentrale in Rosenberg und erzählt, wie das Gespann sein Leben verändert hat. 1978 hat er mit dem Gespannfahren angefangen, als 22-jähriger. Und gleich legte er ein Archiv über die Seitenwagen der Welt an. Diese Sammlung ist heute noch legendär in der Szene. Für die Motorradpresse schrieb er Artikel. 1985 erschien er auf dem Amt und holte sich einen Gewerbeschein - von da an bestimmte das Gespann seinen Lebensweg, sein Verlag entstand. Die Serie "Seitenwagen und Gespanne" legte den Grundstein.

Start im Jahr 1988

Es ergaben sich Kontakte in alle Erdteile, denn "gespannverrückte Zeitgenossen gibt es überall", meint der Motorradfan milde lächelnd. Selbstverfasste Hefte und Bücher bildeten ein Standbein, 1988 hob Franitza mit einem Partner die damals noch vierteljährlich erscheinende "Gespannzeitung" aus der Taufe.

Er kannte fast alle Händler persönlich, sie sagten ihm Unterstützung zu. Die Vertretung für das damals frische Anzeigenblatt "Motorradszene Bayern" half finanziell über Anlaufschwierigkeiten hinweg. Vom ersten Büro in Eichendorf zog das kleine Unternehmen 1995 nach Reisbach. Ein gut verkaufter Pocket-Reiseführer für verschiedene Regionen mit dem Titel "Touren in ..." hatte das Überleben des Verlages gesichert.

Bis zum Nordkap

Das Gespann-Heft erschien alle zwei Monate. Franitza arbeitete nebenbei für einen französischen Verlag und einen Custom-Teile-Hersteller. Kaum von einem Bandscheibenvorfall genesen, startete Martin Franitza 1998 zu einer Winterreise ans Nordkap, das Buch "Eisige Pisten und Schneegestöber" entstand. Anschließend zog er 2000 nach Sulzbach-Rosenberg, um dort mit seiner jetzigen Frau Heidi das Verlags- und Redaktionsgeschäft weiter zu führen. Er übernahm die Redaktion des neuen Trike-Magazins und gab Bücher heraus, auch von anderen Autoren.

Um dem veränderten Medienverhalten Rechnung zu tragen, widmeten sich Martin und Heidi nun auch der Filmerei. Ein Label für Gespannfahrer-Bekleidung wurde gegründet. In der Wüste Marokkos entstand 2007 das Reiseprojekt "Yesterdays" samt Buch und DVD, 2009 ging es im Winter in den Norden nach Murmansk, auch hier kam eine Video-DVD heraus. Das Projekt "Transitus Arabiae" planten Martin und Heidi 2010 - mit Gespannen durch Saudi-Arabien bis in den Oman. Der "arabische Frühling" ließ jedoch dunkle Wolken aufziehen, auch das Verhältnis mit dem Verlagspartner hatte sich entzweit. Franitza schied bei der Gespannzeitung aus. Auf der langen Testfahrt mit den "Transitus-Arabiae"-Gespannen entwickelte sich die Idee zu "Sidecar Traveller". Ursprünglich als zweimonatiges Sonderheft gedacht, wuchs das neue Magazin zum Solo-Projekt in kompletter Eigenregie (Verlag Heidi Franitza).

Frei und kreativ

Martin weiß genau, woher der Erfolg kam: "Die internationale Ausrichtung der Verlagsstruktur vor drei Jahren war der richtige Schritt in die Zukunft." Sein weltweites Netzwerk hat durch die Globalisierung sogar noch an Bedeutung gewonnen. Als eigene Auftraggeber und -nehmer können beide nun ihrer Kreativität freien Lauf lassen - von der Fotografie bis zur inhaltlichen Konzeption.

Aber nicht nur in den Wüsten der Welt sind Martin und Heidi Franitza verwurzelt, auch in der Heimat: Das neueste Projekt ist ein Tourenführer durch den Landkreis - auf öffentlichen Straßen, aber abseits bekannter Routen. Mit Begeisterung erkunden sie abgelegene Strecken. Sie wollen das Buch noch heuer herausbringen, um auf die Schönheiten der Region hinzuweisen. Dazu gehören Dorf-Anekdoten ebenso wie gastronomische Tipps. Man darf gespannt sein!
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