Auf Kur in die Waffenwerkstatt

Mit dem Endoskop untersucht Polizeioberkommissar Thomas Weiß (Mitte) den Waffenlauf auf Beschädigungen und Ablagerungen. Bild: hfz
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
10.07.2015
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Durch ihre 16 Hände gehen jährlich 6000 Pistolen und Gewehre. Oberkommissar Thomas Weiß und seine sieben Kollegen sind Experten, ihre Maßeinheit Hundertstel Millimeter. Sie arbeiten mit Ultraschallbad und Endoskop. In der Zentralen Waffenwerkstatt bei der Bereitschaftspolizei in Sulzbach-Rosenberg untersuchen sie Tag für Tag Dienstwaffen.

Jede Waffe, die Polizei- und Justizvollzugsbeamte in der Oberpfalz tragen, kommt regelmäßig in die Herzogstadt. Hier werden aber nicht nur Gewehre und Waffen aus dem eigenen Regierungsbezirk sondern auch aus Niederbayern und Oberfranken bei Hauptuntersuchungen genau unter die Lupe genommen. Zum Jubiläum der BePo in Sulzbach-Rosenberg gewährt Martin Spieß, Leiter der Planungsgruppe 25-Jahr-Feier, einen Blick hinter die Kulissen.

Zum "Waffen-TÜV"

Die Grundüberholungen sind klar geregelt. Alle drei Jahre müssen Kurzwaffen, wie etwa die Polizeipistole vom Typ P 7, und alle zwei Jahre Langwaffen, wie die bei der bayerischen Polizei verwendete Maschinenpistole MP 5, zum "Waffen-TÜV". Wöchentlich werden etwa 120 Stück bei der Werkstatt angeliefert, um von den Mechanikern gewartet und überprüft zu werden. Nach etwa einer Woche kehren sie generalüberholt zu ihren Besitzern zurück.

Nach dem Eintreffen der Lieferung werden die Gewehre und Pistolen in eine Wanne - dem sogenannten Ultraschallbad - gegeben, um sie zu reinigen. Danach werden sämtliche Teile überprüft. Unter anderem wird mit einem sogenannten Kaliberzylinder auf Hundertstel Millimeter festgestellt, ob der Lauf noch den optimalen Durchmesser besitzt. Werkstattleiter Weiß sagt dazu: "Es ist für die Präzision wichtig, dass das Kaliber nicht das fest stehende Maß überschreitet, vor allem an der Laufmündung."

Ferner wird mit Hilfe eines Endos-kops von innen der Lauf auf Schäden und Ablagerungen untersucht - "äußerst verantwortungsvolle Aufgaben, deren sich die Zivilbeschäftigten absolut bewusst sind", betont der Oberkommissar. Schließlich kann im Ernstfall von der Funktionsfähigkeit der Waffe das Wohl oder gar das Leben von Kollegen abhängen.

Sicherheit steht deshalb in der Werkstatt an erster Stelle. Treten Unregelmäßigkeiten auf, werden die Teile ausgetauscht. Für die Präzision einer Waffe spielen aber auch andere Faktoren, wie Sauberkeit und Visierung eine wichtige Rolle. Eine zielgenaue Schussabgabe ist nur bei optimaler Einstellung von Kimme und Korn möglich.

Weit mehr als das Schießen beansprucht das tägliche Tragen die Waffen. Im Einsatzgeschehen oder beim Training kann es vorkommen, dass eine Pistole auf den Boden fällt oder diesen berührt und die Waffe beschädigt wird. Beim Wechsel von kalte in warme Räume beschlägt nach Auskunft von Oberkommissar Weiß der Stahl. Das kann zu Rostansätzen führen. Ein weiteres Problem können Staubpartikel sein, die sich während des Dienstalltags in Spalten und Hohlräumen ablegen.

Damit es zu keinen Verwechslungen kommt und um sicherzustellen, dass jede Waffe am Ende "ihre eigenen Einzelteile" vollständig wieder bekommt, haben sich die Spezialisten etwas Besonderes einfallen lassen: Jede Pistole, jedes Gewehr, jede Maschinenpistole bekommt eine eigene Bearbeitungsbox, in der die jeweilige Waffe für die Dauer ihres "Kuraufenthaltes" gelagert wird. Zudem wird jeder Vorgang per Computer erfasst.

Bei 140 Grad Celsius

Krönender Abschluss der Frischzellenkur ist die Erneuerung der Korrosionsschutzschicht. Durch die tägliche Beanspruchung nutzt sich diese mit der Zeit ab, so dass das ungeschützte Metall zum Vorschein kommt. Mit Hilfe eines chemischen Prozesses, bei dem die Dienstgeräte bei 140 Grad Celsius in eine spezielle Natronlauge getaucht werden, erhalten Pistolen und Gewehre eine neue Brünierung und erstrahlen so wieder in edlem Schwarz. Nach der Hauptuntersuchung werden die Waffen angeschossen und auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft. Weiß: "Das ist wie die Probefahrt beim Auto."

Im Unterschied zu den Spezialisten der Werkstatt dürfen die Waffenträger lediglich die Pistolen und Gewehre nach dem Schießen reinigen, also den Pulverschmauch beseitigen, und anschließend einölen. Sollte aufgrund eines Defekts ein Zerlegen und eine Reparatur erforderlich sein, kommen die Profis bei der BePo ins Spiel. Hier sind neben Weiß sieben Zivilisten beschäftigt - alle ausgebildete Waffenmechaniker.

Sie kennen alle 62 Einzelteile der P 7 aus dem Effeff und wissen genau, welches Teil an welche Stelle gehört. Zwei von ihnen bildeten sich an der Akademie der Bundespolizei in Lübeck sogar zum Meister weiter.
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