Aufstockung als klares Ziel

Vor dem Parkdeck am St.-Anna-Krankenhaus zeigten über 80 Mitarbeiter Flagge. Bei einer bundesweiten Verdi-Protestaktion traten sie am Mittwoch für mehr Personal ein. Bild: hfz
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
26.06.2015
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Über 80 Mitarbeiter beteiligten sich am Mittwoch im St.-Anna-Krankenhaus am bundesweiten Protest der Gewerkschaft Verdi "162 000 brauchen dich". Damit treten sie für mehr Krankenhauspersonal ein. Anlass dafür geben auch gefährliche Situationen, die immer wieder auftreten.

Bei der Aktion, die mittlerweile von verschiedenen Berufs- und Fachverbänden und unter anderem auch von der bayerischen Krankenhausgesellschaft unterstützt wird, machten die Mitarbeiter die Personalnot sichtbar, indem sie Nummernkarten von 1 bis 162 000 hochhielten.

Damit machen die Beschäftigten ihrer Enttäuschung über den Gesetzentwurf zur Krankenhausreform Luft, den die Bundesregierung am 11. Juni veröffentlicht hat. "Die Regierung kennt die dramatischen Auswirkungen der Personalnot für Patienten, doch sie handelt nicht angemessen", sagte Klaus Heyert von Verdi, zuständig für das Gesundheitswesen.

Versorgung verbessern

"Es muss endlich eine ausreichende Personalbemessung in Krankenhäusern gesetzlich geregelt werden." Ein Pflegeförderprogramm für 1 bis 3,5 Pflegestellen pro Krankenhaus bringe den Patienten niemals die dringend notwendige Verbesserung der Versorgung. Bei einem Nachtdienst-Check der Gewerkschaft in über 200 Krankenhäusern im März hatten 59 Prozent der Pflegefachkräfte angegeben, dass es in ihrem Nachtdienst in den letzten vier Wochen eine gefährliche Situation für Patienten gegeben hat, die bei ausreichendem Personal vermeidbar gewesen wäre.

Eine so breit getragene Aktion hat es bisher im Gesundheitswesen in Deutschland noch nicht gegeben. Anlass für den Termin war, dass in Bad Dürkheim die Gesundheitsministerkonferenz der Länder und in Berlin der Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages tagten. Verdi fordert ein Gesetz zur Personalbemessung in Krankenhäusern und dessen Finanzierung sowie ausreichende Krankenhausinvestitionen durch die Bundesländer.

In einem gemeinsamen Statement betonten Personalratsvorsitzender Stefan Christau und der Vorstand des St.-Anna-Krankenhauses, Klaus Emmerich, wie wichtig eine gesetzliche Personalbemessung und vor allem eine sinnvolle und ausreichende Finanzierung des notwendigen Personals seien.

Anforderungen steigen

Schon jetzt stünden viele der noch verbliebenen 1996 Krankenhäuser (Stand 2013) durch schlechte finanzielle Bedingungen, Investitionsstau und steigende Anforderungen auch von Seiten der Bundespolitik vor dem Aus. Dass bei der Gesundheitsreform bis zu eine Milliarde Euro in die Schließung von Klinikbetten und ganzer Krankenhausstandorte gesteckt werden soll, sei geradezu ein Skandal. "Wenn diese Mittel in mehr Pflegepersonal investiert würden, wäre dies ein Beitrag zu mehr Qualität und mehr Menschlichkeit in bundesdeutschen Krankenhäusern", unterstrichen Christau und Emmerich.

"Das ist eine Situation, die wir so nicht mehr hinnehmen wollen. Gute, kompetente, wohnortnahe und vor allem menschliche Versorgung braucht Personal und kann nicht gratis sein."
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