Auftaktveranstaltung zum seniorenpolitischen Gesamtkonzept
Weit mehr als Pflege

Alt ist man erst, wenn der Bürgermeister zum Geburtstag gratuliert.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
22.01.2015
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Über 170 Zuhörer - das Interesse an der Auftaktveranstaltung zum seniorenpolitischen Gesamtkonzept war groß. Das ließ Carmen Albrecht hoffen, dass sich die Gemeinden der auf sie zukommenden Aufgaben nicht mit der Taktik von Beutelratten erwehren.

Dr. Norbert Vogl, aufseiten des Landkreises für die Umsetzung des gemeinsam mit der Stadt Amberg zu erarbeitenden Konzepts zuständig, erläuterte die Vorgaben: Der Gesetzgeber verpflichte Kreise und kreisfreie Städte, ausgehend vom Pflegeplatzbedarf ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept zu erstellen, "das nach dem Grundsatz ambulant vor stationär die Lebenswelt älterer Menschen ... umfasst".

Nach einer Interessensabfrage bei betroffenen Stellen sei die Bestandserhebung fast fertig. Ab März tagten die Arbeitskreise, die bis zum Frühjahr zeigen sollten, wo Handlungsbedarf bestehe. Daraus werde ein Konzept erstellt, das Stadtrat und Kreistag verabschieden müssen, ehe man es umsetzen kann. Die Tätigkeit der neun Arbeitskreise werde von Experten mehrerer Hochschulen begleitet. Sie befassen sich etwa mit Mobilität, gesellschaftlicher Teilhabe, Wohnen zu Hause, Pflege oder Hospiz- und Palliativversorgung.

Carmen Albrecht, die im Landkreis Eichstätt für die Umsetzung des seniorenpolitischen Gesamtkonzepts zuständig ist, schilderte ihre Erfahrungen unter dem Motto "weg vom Pflegebedarfsplan hin zum Lebensumfeld Alter". In Eichstätt habe es ein Jahr gedauert, das Konzept zu erarbeiten. Man sehe die Angebote als Service des Landkreises, und sie als Verantwortliche habe keine Kontrollfunktion, sondern steuere nur über Anreize wie etwa Förderungen für Seniorengenossenschaften, ambulante Dienste oder Tagespflege.

Eine wichtige Erfahrung dabei: "Seniorenarbeit ist auch ganz viel Hilfe der Senioren für die anderen Generationen." Man dürfe als Landkreis "niemand auf den Schlips treten: Wenn schon Initiativen da sind, ist das wunderbar." In Eichstätt gibt es in Sachen Seniorenpolitik bereits Vortragsreihen, Schulungen ("Mein Recht im Ehrenamt") oder einen Ansprechpartner in jedem Rathaus. Es sei aber nicht leicht gewesen, mit den Gemeinden so weit zu kommen. Als Symbol dafür zeigte Carmen Albrecht in ihrer Präsentation das Bild eines Opossums. Die Beutelratte hat genau eine Taktik, wenn überlegene Feinde auftauchen: tot stellen. Albrecht: "So haben viele unserer Bürgermeister am Anfang reagiert."
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