Aus dem Kosovo nach Deutschland: Lernbegierig und integriert, aber trotzdem keine Chance auf ...
Als Flüchtling aus dem falschen Land

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
08.08.2015
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"Das bayerische Handwerk sucht händeringend Lehrlinge. In vielen Wirtschaftsbereichen werden Fachkräfte gebraucht. Menschen, die aus anderen Staaten - da angeblich sichere Herkunftsländer - zu uns kommen, werden jedoch zurückgeschickt und bekommen bei uns keine Chance": Heidi und Harald Wohlfahrt, Inhaber der gleichnamigen Hofkäserei in Weißenberg, und die Hahnbacher Gemeinderätin Hermine Koch suchten deshalb das Gespräch mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Reinhold Strobl.

Sowohl die Wohlfahrts als auch Koch betreuen ehrenamtlich Flüchtlinge. Ihrer Einschätzung nach verschenke Deutschland Chancen, wenn das Potenzial dieser Menschen nicht genützt werde. Es gebe viele Junge, die lernbegierig und inzwischen integriert seien und sich eine eigene Existenz aufbauen wollen.

"Abwesenheit von Krieg"

Wie Heidi Wohlfahrt erklärte, suche die Hofkäserei dringend Arbeitskräfte. Trotz aller Bemühungen seien keine deutschen Arbeitnehmer gefunden worden. Nun seien junge Menschen aus dem Kosovo in Edelsfeld. Die beiden, von den Wohlfahrts betreuten Jugendlichen würden sofort in der Hofkäserei anfangen. Sie bekämen sofort einen Arbeitsvertrag, sogar eine Wohnung sei gesichert. Allerdings besteht die Gefahr, dass die beiden in ihre Heimat zurück müssen, wo Korruption herrsche, keine Arbeitsplätze vorhanden seien und kein Frieden sei, nur eine "Abwesenheit von Krieg", wie es kürzlich ein hoher ehemaliger Bundeswehr-Offizier gegenüber Strobl gesagt hatte.

Die Jugendlichen müssten dann in der deutschen Botschaft im Kosovo eine erneute Ausreise beantragen - doch auf der Homepage der diplomatischen Vertretung Deutschlands im Kosovo sei vermerkt: "Es sind zur Zeit keine Termine verfügbar." Strobl hat sich nach eigener Aussage deswegen bereits Anfang Juli an den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann gewandt, eine Antwort stehe noch aus. "Deutschland wirbt in Polen um Pflegekräfte, in Spanien um Lehrlinge und hier sind junge Menschen da, die arbeiten wollen, aber nicht dürfen - nur weil sie aus dem Kosovo kommen", kritisierte der Abgeordnete.

Hermine Koch betreut eine ausgebildete Grundschullehrerin, die außer Albanisch noch Serbisch, fließend Englisch, Italienisch und Spanisch spricht. Derzeit lernt sie Deutsch, was ihr angesichts ihres Sprachtalents keine Probleme bereite. Sie würde in jedem Beruf arbeiten, könne sich auch vorstellen als Hilfskraft in einer Übergangsklasse in Grundschulen oder für unbegleitete Flüchtlinge tätig zu werden, so Koch. Der Bruder der Frau möchte einen Handwerksberuf erlernen, eine feste Zusage für einen Lehrvertrag habe er. "Nachdem in der Presse immer wieder davon die Rede ist, dass wir in Deutschland junge motivierte Arbeitskräfte brauchen, wäre es natürlich gut, wenn das für die zwei jungen Leute ohne Ansehen der Nationalität auch möglich wäre", sagte die SPD-Gemeinderätin.

Gut für die Wirtschaft

Deutschland sei schlecht beraten, wenn das Potenzial dieser Menschen nicht genutzt werde. Zum einen würden junge Leute in Bereichen, wo oft keine deutschen Arbeitnehmer mehr zu finden seien, gesucht. Andererseits brächten die Flüchtlinge oft Qualifikationen mit, die die Wirtschaft gut brauchen könne. "Die Menschen, die bei uns sind, würden auch Kontakte zu ihren Verwandten halten und mit dafür sorgen, dass sich ihre Heimat entwickeln kann", sagte Strobl und bedauerte, dass manche dies nicht erkennen.
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