Ausharren in der kalten Vils

Mit einem sogenannten Spine Board holten die Wasserretter ein "Opfer" aus der Vils.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
02.10.2014
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Im Wasser unweit des Ufers schreien zwei Frauen um Hilfe. Ihre Rufe verhallen in der dunklen Nacht. Doch die Retter sind unterwegs, mit dem Boot auf der Vils, ja sogar mit Tauchern. Wie lange müssen die Mädchen im zehn Grad kalten Wasser noch ausharren?

Alfons Ostler vertröstet die jungen Damen ein bisschen. Gleich würden sie gerettet, sagt der technische Leiter der Kreiswasserwacht. Ein schwacher Trost für die beiden, die noch im kalten Wasser bleiben müssen. "Oh Mann", stöhnt eine. Brav ducken sich die Mädchen wieder, kauern in Ufernähe in der Vils, versteckt hinter einem Busch. Wenn das nächste Boot kommt, werden sie wieder laut um Hilfe rufen - schließlich übt die Kreiswasserwacht eine Vermisstensuche. Das Szenario haben Ostler und sein Stellvertreter Stephan Hirsch ausgedacht: Eine Vilsplätte kentert, 16 Menschen gehen über Bord.

Letzte Vorbereitungen

Kurz nach 21 Uhr an der Vils. Von der nahen Dult tönt Bierzeltmusik, die bunten Lichter eines Karussells erscheinen in regelmäßigen Abständen am schwarzen Himmel. Ostler und Hirsch stopfen kleine Sandsäcke in einen Tauchanzug, präparieren den Dummy, den später die Taucher in der Vils aufspüren müssen. Die verletzten Plättenfahrer sind im Wasser verteilt - von der Schiffbrücke bis kurz vor dem Drahthammerwehr. Ostler und sein Stellvertreter werfen den Dummy ins Wasser. Jetzt kann's losgehen, die Vorbereitungen sind abgeschlossen.

Im Neopren-Anzug

Kurz darauf biegt das erste Fahrzeug der Wasserwacht in den geschotterten Weg ein, weitere folgen. Im Nu laden die Helfer Boote ab, bauen Scheinwerfer und Zelt auf. Ausgerückt zur Übung waren sechs Schnelleinsatzgruppen (SEGs) Wasserrettung, die Unterstützungsgruppe Einsatzleitung und auch zwei Krankenwagen, die laut stellvertretendem Vorsitzenden Daniel Weidner unter anderem zur Absicherung der eingesetzten Kräfte dienten.

Mit Booten fahren die Helfer die Vils ab, laut schreien im Wasser die Mädchen um Hilfe. Die jungen Damen sind froh, dass sie endlich gerettet werden. Die Vils ist ziemlich kalt, 10 bis 12 Grad. An der Schiffbrücke ziehen Wasserretter einen Mann aus dem Fluss. Grinsend steht er im Neopren-Anzug auf dem Gehweg zwischen Rosengarten und Vilsufer. "Nö", sagt er, "kalt ist das nicht."

Flussabwärts, kurz vor dem Drahthammerwehr, gehen gerade zwei Taucher ins Wasser. Nicht lange, dann finden sie auf dem Grund den versenkten Dummy. Die letzte Aufgabe ist erfüllt, die Retter packen ihr Material zusammen, laden es in die Autos. Die Boote werden auf die Anhänger gezogen, Fahrzeug um Fahrzeug rückt ab. Auch auf der benachbarten Dult gehen die Lichter aus.
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