Baby-Boom und ganz viel Wut

"Krankenhausreform - aber so nicht! Darüber waren sich die Mitglieder der Linken und Verantwortliche des Amberger Klinikums einig. Von links: Georg Kaschner, Dr. Harald Hollnberger, Heidi Kaschner, Manfred Wendl, Harald Weinberg, Kerstin Wittmann, Reinhard Birner und Hubert Graf.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
02.09.2015
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Die Wut beim Vorstand des Kommunalunternehmens Krankenhäuser des Landkreises Amberger-Sulzbach, Klaus Emmerich, ist groß. Das spürte man förmlich bis in die Haarspitzen. Warum es während des Besuchs des Bundestagsabgeordneten Harald Weinberg in St. Anna dennoch Sekt, Häppchen und warme Worte gab, hatte einen anderen Grund.

"Wir sind auf einem guten Weg, haben viel vor uns, aber auch schon eine Menge geschafft", freute sich Emmerich während er den gesundheitspolitischen Sprecher der Linken-Fraktion durchs Haus führte. Auf seiner Sommer-Besuchstour informierte sich Weinberg sowohl in der Herzogstadt, als auch anschließend in Amberg über die Situation der dortigen Krankenhäuser.

"Eine Wohlfühlstation"

Viele erleichterte Gesichter strahlten der Gruppe in der neue Station Gynäkologie und Geburtshilfe mit zwei neuen Kreißsälen entgegen. "Wir weihen heute diese wunderbare Abteilung ein. Eine Wohlfühlstation, abgestimmt auf die Bedürfnisse von Ärzten, Pflegern, Hebammen, Patienten." Sogar das Sekretariat habe beim Umzug mitgeholfen, lobte der Krankenhaus-Chef.

Der neugestaltete Bereich kommt gerade recht. "Die Babys boomen bei uns. Wir haben heuer im September die 400-er Marke bereits überschritten, zählen jetzt schon so viele Geburten, wie 2014 im ganzen Jahr", erklärte Emmerich. Die Sanierung erfolgte bei laufendem Betrieb. Ebenso die Interimsmaßnahme OP-Bereich. "Wichtig: Es standen immer drei Säle bereit." Die neuen Räume sind desinfiziert und ab nächster Woche setzen Chirurgen in den auf rund 15 Metern hohen Stelzen stehenden Modulen das Skalpell an.

Kein gutes Haar ließ Emmerich an der geplanten Krankenhausreform. "Bei den Plänen der Regierung muss man sich fragen, was ist dem Gesetzgeber das Wohlergehen der Menschen noch wert? Da bekomme ich richtig Wut!" Fünf Jahre habe man Schwarze Zahlen geschrieben. 2014 werde das aufgrund der ganzen Hürden und Bürden nicht mehr klappen.

Weitere Kürzungen

St.-Marien-Klinikumsvorstand Manfred Wendl stieß ins selbe Horn. "Wir brauchen eine Reform, aber eine, die den Krankenhäusern - und damit vor allem den Patienten - wirklich hilft", appellierte er im Gespräch mit den Mitgliedern der Leitungskonferenz an den Abgeordneten. Er sah die Probleme ähnlich wie sein Sulzbach-Rosenberger Kollege. "Der jetzige Entwurf des Krankenhausstrukturgesetzes setzt nicht da an, wo es brennt. Er bringt keinerlei Lösungen für wichtige Zukunftsfragen wie demografischer Wandel, medizinischer Fortschritt und die damit verbundenen Investitionen oder ständig steigende Personalkosten. Mit dem neuen Gesetz bekommen wir in den meisten Fällen keine finanziellen Hilfen sondern weitere drastische Kürzungen."

Allein der ab 2017 geplante Wegfall des Versorgungszuschlages bedeute für das Klinikum ein Minus von etwa 700 000 Euro pro Jahr, erklärte kaufmännischer Direktor Hubert Graf. "Da ist das Pflegeförderprogramm nur ein kleines Trostpflaster, wenn uns an anderen Stellen wesentlich mehr Gelder gekürzt werden."
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