"Bandscheibe tut nicht weh"

Nicht ohne Stolz berichtete Leitender Oberarzt Dr. Sven Mörk den FU-Mitgliedern und Gästen von seinen fast 50 Operationen am St.-Anna-Krankenhaus seit 2014, "alle mit gutem Erfolg". Bild: hka
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
27.05.2015
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"Sitz gerade!" ist out. Das elterliche Gebot, mit dem Generationen von Kindern aufgefordert wurden, den Rücken gerade zu halten, gilt heute so nicht mehr. Sagt jedenfalls Dr. Sven Mörk, Leitender Oberarzt am St.-Anna-Krankenhaus.

Um die Bandscheibe, den Rücken und Rückenprobleme ging es bei einem Informationsabend, zu dem die Frauen-Union (FU) eingeladen hatte. Dass 80 Prozent aller Deutschen wegen Schmerzen im Kreuz in Behandlung waren oder sind, ist für Mörk erschreckender Alltag.

Der gelernte Chirurg, Kinder- und Unfallchirurg ist seit 2013 im St.-Anna-Krankenhaus als Wirbelsäulenspezialist tätig, alleiniger Operateur auf diesem Gebiet und hat, wie er sagt, "seit 2014 knapp 50 Patienten hier operiert, alle mit gutem Erfolg". Rückenschmerzen hängen eng mit dem Bewegungssegment der Wirbelsäule zusammen. "Die Bandscheibe tut nicht weh", erklärte der Arzt, "sondern das kleine Wirbelgelenk." Als häufigste Ursache für Schmerzen im Kreuz nannte er degenerative Abnutzungserscheinungen. Bandscheibenvorfälle, sagte er, seien im Vergleich zu seinen früheren Tätigkeitsorten im Sulzbach-Rosenberger Raum extrem hoch.

Beim Kampf um den Rückenschmerz kommt für den Mediziner die Operation immer an letzter Stelle. Vorausgehen müssten Untersuchungen, insbesondere das detaillierte Erfragen der Vorgeschichte. Frei nach Hape Kerkeling zu sagen "Isch habe Rücken" genüge nicht. Jeder Rücken sei anders, und: "Meine Bandscheibe ist nicht die vom Nachbarn".

So beginne man in einer Behandlungskaskade mit konservativen Mitteln wie Muskelkräftigung und Stabilisierung, der Schmerztherapie, einer Kombination aus Ergo- und Physiotherapie und Injektionen. Operationen, wenn alles andere nicht zum Erfolg geführt habe, hätten eine Stabilisierung oder Funktionserhaltung zum Ziel. Auch hier zeigte der Leitende Oberarzt verschiedene Möglichkeiten auf: das minimalinvasive oder das offene Verfahren. "Vier Schrauben und zwei Stäbe", so Mörk, "braucht man, um ein geschädigtes Wirbelgelenk zu stabilisieren oder zu versteifen. Oft nicht auf Dauer, sondern nach neun oder zwölf Monaten kommt es wieder raus. Auch bei der Zementverstärkung eines gebrochenen Wirbelkanals oder der Verwendung von Kunststoffimplantaten habe es riesige Fortschritte gegeben.

Ganz nebenbei merkte Mörk an, dass zum Beispiel Rückenschmerzen nicht zwingend organische Gründe haben müssen, sondern auch psychosomatisch begründet sein können. Oder: "Bewegung ist immer wichtig", selbst bei Akutschmerz, "ist sie besser, als im Bett zu liegen". Und auch: "Die Lebensqualität ist bei unkompliziertem Verlauf auf jeden Fall nach einer Operation besser."

Die zahlreichen Fragen aus der Runde beantwortete der Leitende Oberarzt gerne. (Hintergrund)
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