Basta stoppt Realschulidee nicht

Das Logo der Walter-Höllerer-Realschule. Daraus sollte aber nicht abgeleitet werden, dass die Schulleitung Lust auf Stundenplan-Tetris hat, wie es sich einer Zweihäusigkeit wohl nicht vermeiden lassen würde. Repro: ge
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
13.04.2015
4
0

Auf der Tagesordnung des Kreisausschusses stand es gestern nicht, das Thema der Realschule in Hirschau. Trotzdem hätte niemand eine Wette darauf angenommen, dass es nicht zur Sprache kommt. Es brach sich - mit Wucht - bei der Behandlung des Kreishaushalts seinen Weg.

Peter Dotzler (FW) war es, der vorschlug, bei der Planung der Generalsanierung der Sulzbach-Rosenberger Walter-Höllerer-Realschule ab 2018 zu prüfen, ob da nicht eine Zweihäusigkeit sinnvoll wäre, also ausgelagerte Klassen im Gebäude der Hirschauer Schule. Er plädierte dafür, hier genau zu rechnen "und das nicht als Landrat oder als CSU mit einem 'basta' zu erledigen". Das bezog sich auf die Ortsvorsitzendenkonferenz der CSU, in der Landrat Richard Reisinger und Kreisvorsitzender Harald Schwartz einer Realschule in Hirschau keine praktischen Chancen gegeben hatten.

Dotzlers Äußerung rief nun Reisinger auf den Plan, der erläuterte, wie der Aufnahmestopp an der Amberger Schönwerth-Realschule für neue Fünftklässler aus neun Landkreis-Gemeinden zustande gekommen war. Dort hätten sich Lehrer beschwert, weil schon ein Unterricht an drei Standorten in der Stadt Amberg logistisch ein Ding der Unmöglichkeit sei. Das Kultusministerium habe deshalb verfügt, ein Standort sei aufzugeben. Dadurch bringe aber die Schönwerth-Realschule weniger Kinder unter. Der Landkreis habe die Lösung angeboten, in der Walter-Höllerer-Realschule welche aufzunehmen.

Danach war zu klären, wer nach Amberg und wer nach Sulzbach-Rosenberg soll. "Wir hätten auch das Prinzip anwenden können: Wer zuerst kommt, ist angemeldet", schilderte Reisinger die Überlegungen. "Aber das erschien uns vollkommen systemlos." Das Bild vor Augen, wie Eltern in Zelten vor der Amberger Realschule übernachten, um ihr Kind hier sicher anmelden zu können, habe man sich für die regionale Aufteilung entschieden. Die Orte für den Aufnahmestopp seien aus historischen Gründen ausgewählt worden.

Bei der aktuellen Diskussion würden leider zwei Themen vermengt: die Auslagerung von Klassen aus Amberg nach Hirschau und die eigene neue Realschule in Hirschau. Die gäben die Geburtenzahlen wohl nicht her, meinte Peter Dotzler, aber man könne doch darüber nachdenken, Klassen der Sulzbach-Rosenberger Realschule nach Hirschau auszulagern, solange die renoviert werde. "Da wird aber keine Zweihäusigkeit genehmigt, die haben genug Platz", wandte Reisinger ein. Vor zehn Jahren seien dort 800 Kinder unterrichtet worden, jetzt noch etwa 700.

Die Begeisterung der Hirschauer für die Idee einer Realschule in der Stadt hatte Reisinger mit Sorge wahrgenommen und die Idee als unrealistisch bezeichnet: "Ich musste den Buhmann machen, damit nicht die Euphorie ausbricht." Dass die Region sich davon nicht ganz entmutigen lässt, machte der Schnaittenbacher Bürgermeister Josef Reindl (CSU) im Kreisausschuss deutlich: Wenn sein Stadtrat das Thema behandle, "werden wir natürlich in diese Richtung marschieren". Immerhin sei man ein Gebiet, das bisher keine Kreiseinrichtung habe. Reindl stimmte Reisinger zu, dass man die Auswirkungen auf die Mittelschulen nicht außer Acht lassen dürfe: "Wenn wir eine Realschule vor Ort haben, kann es sein, dass der M-Zug unseres Mittelschulverbundes in null Komma nix in der 7. Klasse passé ist."

Selbstkritisch gab sich Reisinger auf der zeitlichen Schiene: "Den ZNAS hätten wir eine Woche früher einbeziehen müssen." Inzwischen sei aber klar: "Das Fahrtechnische können wir alles lösen." Die Höllerer-Realschule werde ihren Stundentakt anpassen, für den Umstieg in Gebenbach mit 20 Minuten Wartezeit sei ein kommunaler Verstärker möglich "und für Großschönbrunn werden wir uns etwas einfallen lassen".

Auch Richard Gaßner (SPD) fand, die Verantwortlichen hätten die Entwicklung von Anfang an offensiver diskutieren müssen. Sulzbach-Rosenberger Realschullehrer, die auch in Hirschau unterrichten, hielt Gaßner für keine gute Idee: "Unvorstellbar, was da für ein Leerlauf entstehen würde." Bei einem zweiten Standort in 20 Kilometer Entfernung "käme ein organisatorischer Wahnsinn auf die Schulleitung zu", sah es Hans-Jürgen Reitzenstein (FWS/FDP) genauso. Zumal es für eine Auslagerung auch nicht mehr Lehrerstunden gebe, wie Reisinger ergänzte.

Zustimmung gab es für die Ankündigung des Landrats, vom Kultusministerium prüfen zu lassen, ob die Schülerzahlen im Landkreis eine neue Realschule hergeben - ohne vorgegebenen Standort. Wenn überhaupt, so Reisingers "persönliche Einschätzung, käme da aber wohl nur Kümmersbruck infrage.
Weitere Beiträge zu den Themen: Mittelschule (11033)April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.