Befreiende Kraft des Glaubens

Der Theologe Uwe Birnstein liest im Seidelsaal aus seinem Buch "Argula von Grumbach - Das Leben der bayerischen Reformatorin". Bild: cog
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
04.11.2014
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"Wir haben noch wenig im Blick, was Frauen für die Reformation bedeutet haben und auch, was die Reformation für Frauen bedeutet hat", meint Dekan Karlhermann Schötz. Diese Lücke schließt ein Buch über Argula von Grumbach, die bayerische Reformatorin.

Bei einer Lesung im Seidel-Saal, veranstaltet vom evangelischen Dekanat Sulzbach-Rosenberg und der Buchhandlung Dorner, stellte der Autor Uwe Birnstein sein Werk vor.

Argula war nicht die Frau eines Reformators, sondern ganz eigenständig. Geboren wurde sie um 1492 auf Schloss Ehrenfels über Beratzhausen als Tochter der einst reichen und mächtigen Familie von Stauff.

Von Luther fasziniert

Später wurde sie Hofdame bei Erzherzogin Kunigunde von Bayern, bei der sie auch gediegene Bildung erhielt. Sie heiratete Friedrich von Grumbach und zog nach Dietfurt im Altmühltal, wo er Landrichter war. Obwohl sie vier Kinder hatte, studierte sie weiter reformatorische Schriften, lernte die Reformatoren Andreas Osiander und Georg Spalatin kennen und war fasziniert von Luthers Art, den Glauben auszulegen.

Seehofer hatte Recht

Auch mit ihm korrespondierte sie, er lobte sie als "Jüngerin Christi". 1523 verfasste Argula die ersten Streitschriften. Insbesondere setzte sie sich für Arsacius Seehofer ein. Sein reformatorisches Gedankengut missfiel der papsttreuen Universitätsleitung, er sollte widerrufen.

Argula, eine "neugierige, fromme Hausfrau", wie Birnstein sagte, schrieb an die Universität und belegte mit Bibelzitaten, dass Seehofer recht habe. Dabei zehrte sie von Luthers Gedanken, bereitete sie aber selbst auf. Die Fachwelt reagierte irritiert auf das Sendschreiben, es fand aber großen Widerhall: Die Arbeit wurde in 20 000 Exemplaren verbreitet. Die Universitätsleitung, zu der auch Luthers Widersacher Johannes Eck gehörte, reagiert nicht auf Argulas Schreiben. Seehofer wurde ins Kloster Ettal verbannt.

Insgesamt verfasste Argula sieben Sendbriefe und lud die Gelehrten zur öffentlichen Diskussion ein, aber nie erhielt sie eine Reaktion. Vielleicht hatten die Theologen Angst, weil sie spürten, dass das Volk hinter Argula stand, vielleicht war es auch der Hochmut der studierten Männer eine Frau gegenüber, die keine Universität besucht hatte.

Friedrich von Grumbach blieb der alten Kirche treu und versuchte seine Frau umzustimmen, respektierte aber ihr Wirken, obwohl er ihr nach damaligem Recht die Schreibhand hätte abhacken lassen können. 1524 wurde er seines Amtes enthoben, um die Familie durch Ehrverlust und finanzielle Einbußen zu strafen.

Eine Wegbereiterin

Dekan Schötz dankte Birnstein für seinen Vortrag. "Argula war eine moderne Frau. Die befreiende Kraft des Glaubens hat damals wie heute Frauen ermutigt." Auch Frauen, betonte er, haben die Reformation vorwärtsgebracht und geprägt.

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Uwe Birnstein: Argula von Grumbach - Das Leben der bayerischen Reformatorin, Neufeld Verlag Schwarzenfeld. ISBN 978-3-86256-048-6; 14,90 Euro.
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