Bei den Demenzwochen halten zwei Ärzte einen Vortrag zum Thema "Ernährung und Bewegung"
Obst und Sport gegen die Volkskrankheit

Pflegedienstleiterin Manuela Engelbrecht dankte Dr. Klaus Gebel und Dr. Armin Rüger (von links) für den informativen Vortrag über Ernährung und Bewegung zur Demenzprophylaxe. Bild: cog
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
16.10.2014
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Etwa 1,2 Millionen Menschen in Deutschland sind dement. Jährlich steigen die Zahlen um drei bis vier Prozent. Nicht nur für den Demenzpatienten und seine Angehörigen ist die Krankheit eine Belastung, sondern auch für die Sozialsysteme. Bei den Amberg-Sulzbacher Demenzwochen erläuterten deshalb Dr. Klaus Gebel, Neurologe und Psychiater, und der Allgemeinarzt Dr. Armin Rüger im Bavaria Senioren- und Pflegeheim, wie man mit der richtigen Bewegung und Ernährung den Ausbruch verzögern kann.

Vorbeugen in jungen Jahren

Demenzerkrankungen entstehen dadurch, dass Eiweiße abnorm verstoffwechselt werden, führte Dr. Gebel aus. Das heißt, dass sie falsch abgebaut werden und die Abbauprodukte nicht ausgeschieden werden können. Sie verklumpen und verstopfen die Gehirnzellen. Erst wenn 60 bis 70 Prozent der Neuronen, der Nervenzellen, verloren sind, treten die ersten Beschwerden auf.

Die Veränderungen im Gehirn sind allerdings schon 25 bis 30 Jahre vorher sichtbar. Heutige Medikamente können Schädigungen im Gehirn nicht rückgängig machen, sondern nur den Verfall verlangsamen. Eine Therapie, so Dr. Gebel, müsse deshalb bei Gesunden ansetzen.

Neue medizinische Forschungen haben ergeben, dass jeder Mensch dement wird, wenn er nur alt genug wird. Es gibt Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, früher an Demenz zu erkranken: Je mehr jüngere demente Verwandte jemand hat, desto höher ist sein Risiko. Männer sind stärker betroffen als Frauen. Übergewicht, ein hoher Cholesterinspiegel oder Diabetes sind gefährlich. Auch Arbeitslosigkeit ist ein Risikofaktor.

Ein optimales Gesundheitsverhalten, erklärten die beiden Mediziner, bringt ein um etwa zehn Jahre längeres gesundes Leben. Man müsse Gefäßrisiken wie Zucker, Rauchen, Übergewicht und Bluthochdruck verringern. Intellektuell stimulierende Tätigkeiten und ausfüllende Freizeitbeschäftigungen im mittleren Alter schützen. Wichtig sei auch ein lebendiges soziales Beziehungsnetz, eine stimulierende Umgebung. Von zentraler Bedeutung ist die körperliche Aktivität. Mindestens zweimal pro Woche eine halbe Stunde Bewegung muss sein.

Wie Dr. Rüger berichtete, helfen isolierte Vitamine nicht. Ihre positive Wirkung entfalten sie nur im Verbund mit Lebensmitteln. Empfehlenswert sei die Mittelmeerdiät mit ungesättigten Fettsäuren aus Seefisch und Meeresfrüchten, viel Obst und Gemüse, wenig Kohlenhydraten und rotem Fleisch. Mit dieser Ernährung lasse sich Demenz um drei bis fünf Jahre hinauszögern.

Aktivität erhöhen

Dr. Gebel fasste zusammen, dass sich das Risiko, an Demenz zu erkranken, verringern lässt durch eine Kontrolle der Gefäßrisiken sowie mit erhöhter physischer, geistiger und sozialer Aktivität. Er schloss: "Packen Sie sich an die eigene Nase. Sie selbst können etwas tun."

An den Vortrag schloss sich eine rege Diskussion an, bei der die zahlreichen Angehörigen von Bewohnern des Bavariaheims und von Dementen, Pflegepersonal und weitere Fachkräfte von anderen Häusern sowie weitere Interessierte viele Fragen stellten. Schließlich dankte Manuela Engelbrecht, die Pflegedienstleitung des Bavariaheims, den beiden Referenten und überreichte ihnen ein Präsent.
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