Bereit für Realschule

Derzeit ist nördlich der Hirschauer Schule vor allem viel Landschaft. Die Stadt hat das Gelände aber 2014 erworben, was im Zusammenspiel mit der geplanten Generalsanierung und der vorgeschlagenen Auslagerung von Klassen der Schönwerth-Realschule oder gar dem Aufbau einer eigenen Realschule in Hirschau einige Möglichkeiten eröffnet. Bild: Huber
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
19.03.2015
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Klassen der Amberger Schönwerth-Realschule an die Hirschauer Schule auslagern, um der Platznot Herr zu werden? Der SPD-Abgeordnete Reinhold Strobl hat diesen Vorschlag gemacht. Landrat Richard Reisinger sieht aber für eine Realschule in Kümmersbruck bessere Chancen.

Reinhold Strobl hat seine Idee am Donnerstag auch dem bayerischen Kultusminister Ludwig Spaenle schriftlich mitgeteilt. "Wäre es möglich, analog der jetzt eingeweihten Realschule in Murnau, welche als kleine Zweigstelle der Realschule Penzberg mit 54 Schülern begonnen hat, in Hirschau Klassen auszulagern und eine eigene Realschule aufzubauen?", lautet seine Frage an Spaenle.

Ausgelöst hat diese Überlegung der Aufnahmestopp an der Schönwerth-Realschule für Kinder aus acht Gemeinden des nordöstlichen Landkreises. Sie sollen für die nächsten Jahre die Walter-Höllerer-Realschule in Sulzbach-Rosenberg besuchen, auch wenn die Busverbindungen dorthin zu einigen Klagen von Eltern und Kommunalpolitikern führten. Aus den betroffenen Gemeinden fahren laut Strobl täglich rund 350 Kinder bis zu 20 Kilometer an auswärtige Realschulen. Gleichzeitig stehen in der Hirschauer Schule sechs Klassenräume leer.

Sechs Klassenzimmer frei

Der Hirschauer Schulleiter Hans Meindl kann der Idee der Auslagerung einiges abgewinnen: "Einzelne Klassen aufzunehmen wäre kein Problem. Auch unsere Fachräume (Physik-, Musik-, Werk-, Computerraum und Küche) könnten mitbenutzt werden. Günstig wäre es natürlich, bei der Klasseneinteilung mit einer fünften Jahrgangsstufe zu beginnen, wenn die Klassen sowieso neu zusammengestellt werden", schreibt Meindl in einer Mail an mehrere Kommunalpolitiker. Die Auslagerung entlaste die "aus allen Nähten platzenden Realschulen", erspare vielen Schülern längere Wege und stärke den Schulstandort Hirschau-Schnaittenbach. Zudem habe die Stadt erst 2014 das Grundstück nördlich der Schule erworben, was sogar einen Neubau ermöglichen würde. Und auch die Pläne für die anstehende Generalsanierung könnten laut Meindl noch angepasst werden.

Argument kürzere Wege

"Ich wär dafür", hält der Hirschauer Bürgermeister Hermann Falk (CSU) das für eine grundsätzlich gute Idee, auch angesichts kürzerer Schulwege für viele Kinder. Die Stadt ist der Sachaufwandsträger der Schule. Die finanziellen Auswirkungen seien aber schwer abzuschätzen, sagt Falk. Ebenso die Chancen für die Genehmigung einer solchen Auslagerung durch die Schulbehörden.

Eine AZ-Anfrage bei Maria Kinzinger, der Ministerialbeauftragten für die Realschulen in der Oberpfalz, macht da eher wenig Mut. Die Sulzbach-Rosenberger Realschule habe ja noch Kapazitäten frei, antwortet sie. Die Aufnahme von Schülern von der Amberger Realschule stelle dort keinerlei Problem dar. Deshalb sei "eine Diskussion von Auslagerungen an die Räumlichkeiten von Mittelschulen nicht zielführend". Man habe jetzt im Zusammenspiel der Verantwortlichen "eine für alle Beteiligten unter diesen Umständen optimale Lösung gefunden".

Michael Brunner, Konrektor an der Schönwerth-Realschule, hält die Auslagerungs-Idee für "vollkommen unrealistisch". Ähnliche Überlegungen habe man an der Schule auch schon angestellt. Aber es gehe nicht um die Räume, sondern um das Fachlehrersystem an der Realschule. Die Lehrer könnten deshalb nicht den ganzen Tag in Hirschau bleiben, sondern müssten ständig zwischen den Standorten hin- und herpendeln. Bei diesen Entfernungen sei das nicht sinnvoll durchführbar.

Deshalb habe ja die Ministerialbeauftragte die Dreihäusigkeit der Amberger Realschule nicht mehr zulassen wollen, weiß Landrat Richard Reisinger. Der Landkreis habe darum seine Hilfe mit der Höllerer-Realschule angeboten. Durch die Bemühungen der letzten Tage habe man jetzt "das Transportproblem nahezu gelöst". Wo es noch etwas hake, wie etwa in Gebenbach, könne man wahrscheinlich einen eigenen Kleinbus einsetzen.

Grundsätzlich hätte aber auch Reisinger nichts gegen eine zusätzliche Realschule im Landkreis. "Wenn das Ministerium eine genehmigt, wären wir bereit. Aber es braucht natürlich eine Perspektive von der Schülerzahl her." Und da käme dann vom Standort her wohl vor allem (wie früher schon diskutiert) Kümmersbruck infrage, das auch für die Kinder aus dem unteren Vilstal Anziehungskraft besäße.

"Das hat Charme"

"Das hat Charme", findet Reisinger, der sieht, dass zwei Drittel der Kinder aus dem Landkreis, die höhere Schulen besuchen, nach Amberg gehen - was den Landkreis Gastschulbeiträge kostet. Da aber in einigen Jahren die Schülerzahlen an der Schönwerth-Realschule wieder sinken sollen, glaubt Reisinger nicht an größere Chancen für eine neue Realschule in Amberg-Sulzbach.
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